China: Finanzindustrie muss der Realwirtschaft dienen

China möchte mehr Transparenz für synthetische Finanzprodukte. Die Chinesen selbst haben ihre Finanzwirtschaft in den vergangenen Jahren enorm aufgebläht. Sie möchten nun eine tragende Rolle im globalen Kasino übernehmen.

China macht sich Sorgen um eine Finanzwirtschaft, die außer Kontrolle gerät. Premier Wen Jiabao sagte am Samstag bei einer zweitägigen Finanz-Konferenz in Peking, auf der die Linien für die Politik der kommenden Jahr festgelegt wurde: „In Zukunft wird China dem Prinzip folgen, dass die Finanzwirtschaft der Realwirtschaft dienen muss, um zu verhindern, dass die Wirtschaft durch Blasen gefährdet wird.“ Unter Realwirtschaft versteht man in China nach Einschätzung von China Daily den Produktionssektor, wie etwa die Landwirtschaft, die Fertigungswirtschaft und den Dienstleistungssektor.

Wen gab sich zwar verhalten optimistisch, sagte aber, die Krise sei mitnichten vorüber. China müsse sehr wachsam sein und auf Risiken achten, sich aber zugleich seiner Verantwortung bewusst sein: „Risiko-Aversion muss dabei die Lebenslinie unserer Politik sein“, sagte Wen.

Bei der Konferenz wurden wichtige Weichenstellungen für die kommenden Jahre getroffen. So möchte die Partei die Struktur der Shareholder bei börsennotierten Unternehmen verbreitern und zu diesem Zweck privates Kapital zulassen. Wen sagte, man wolle die „Rechte der Investoren schützen und das Monopol der Finanzindustrie brechen.“ Außerdem wolle man die Konvertibilität des Yuan vorantreiben.

Die Bemerkungen Wens sind vor dem Hintergrund zu sehen, dass China in den vergangenen Jahren ein enormes Wachstum im Finanzsektor zu verzeichnen hat: Per November 2011 erreichte die Größe von Chinas Assets in der Finanzindustrie 18,8 Billionen Dollar, ein Zuwachs um 149% seit 2006.

Li Daokui von der chinesischen Notenbank sagte der Nachrichtenagentur Xinhua, dass die wichtigste Aufgabe für China im kommenden Jahr die Restrukturierung der Wirtschaft und die Unterstützung von Wachstum in der Realwirtschaft sei.

Es gibt nicht wenige, die einen Crash in China für unausweichlich halten (mehr hier). Die Rahmenbedingungen haben sich verschlechtert (vor allem die Immobilienblase wird platzen – mehr hier). Erste Provinzen sind bereits pleite (hier), Unruhen machen der Führung in Peking zu schaffen (hier). Die Korruption blüht (hier).

Vor diesem Hintergrund sind Beobachter skeptisch, dass es ausgerechnet den Chinesen Ernst sein soll mit einer Eindämmung des Finanzsektors. Es ist vor diesem Hintergrund interessant, dass Cheng Siwei, ein hochrangiger Parteifunktionär, sagte: „Die Transparenz der Informationen von Finanzinstitutionen muss erhöht werden. Dadurch wird die gesamte Gesellschaft ermutigt, die Aktivitäten im Finanzsektor zu überwachen und Wirtschaftsverbrechen zu reduzieren.“ Hier geht es also doch eher darum, dass die Chinesen nun gerne das Know-How der westlichen Finanzindustrie abschöpfen würde (so wie sie es schon bei den Autobauern gemacht und diesen dann aus dem Land geworfen hatten – mehr hier).

Es ist zu erwarten, dass die globale Finanzindustrie dafür sorgen wird, dass es in Zukunft noch komplizierter wird, synthetische Finanzprodukte zu durchschauen, um China genau diesen Zugang nicht zu verschaffen. Ein CDS ist schließlich kein Mercedes.

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Kommentare

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  1. Peter2509 sagt:

    Das Foto sagt alles. Logenpack.

  2. Neues Zeitalter sagt:

    Und die Politiker müssen dem eigenen Volke dienen!

    http://www.das-wichtigste-vom-tage.com

  3. schlaumeister sagt:

    Wens Aussagen sind richtig, wurden aber nicht umgesetzt, werden vermutlich auch nicht mehr umgesetzt, da der Zug in Richtung Crash bereits abgefahren ist. Ein
    paar Meter vor dem Abgrund bremsen aus voller Fahrt ist unmöglich.

  4. Hugin sagt:

    Man kann nur hoffen, daß die Chinesen da jetzt ernst machen, und mit einem Trennbankensystem jetzt die Finanzindustrie in die Schranken weisen. Die politischen Entscheider dort haben auch eine erheblich bessere Chance, solche Entscheidungen zu überleben als bei uns im „freien Westen“. Hoffentlich bringt China damit nun eine Lawine ins Rollen, die nicht mehr aufzuhalten ist. Denn das dürfte die letzte Chance sein, den Crash noch aufzuhalten. Von den „demokratischen“ Ländern wird da nämlich nichts kommen. Die stehen schon längst unter der Knute der Goldman-Fraktion.

  5. Blickensdörfer sagt:

    Auch hier wird wieder deutlich, dass Politiker sich bei ihren Aussagen zur Wirklichkeit an ein überkommenes, aber herrschendes Verständnis von Politik, Wirtschaft, Gesellschaft klammern. Es sind Beschreibungen, Schilderungen von Erscheinungen und deren scheinbaren Zusammenhängen, so wie sie auch beliebig verstanden werden (können). Das betrifft auch Journalisten und Übersetzer. Deshalb ist es her zum Beispiel auch kein Versehen:“Risk-Version“ im Text zum Bild von Wen Jiabo einerseits und „Risk-Aversion“ im Text, der als Zitat von ihm ausgewiesen wird, andererseits.
    Ohne Überwindung dieses herrschendes Verständnis kann weder die Wirklichkeit erfasst und so analysiert werden, dass Schlussfolgerungen zu Veränderungen abgeleitet werden können, die sich nicht bereits am nächsten Tag als von der Wirklichkeit widerlegt erweisen.

    • redakteur sagt:

      Danke für den Hinweis, Fehler ist korrigiert. Die Redaktion

    • An die Laterne . . . sagt:

      Sehr richtig!

      Der Hauptfehler, den alle Politiker machen, die die Situation jetzt retten wollen, ist, das sie denken, es könne alles wieder so werden, wie früher. Wie vor der Krise.

      Dies aber war eine Situation, die uns in die Krise führte.
      Was uns in die Krise führte war:

      Unkontrollierte Banken, das Zinseszins-Ponzi-System, das eine Umverteilung von Fleissig nach Reich erzwingt und eine internationale Koordination (IWF/WELTBANK/UNO) die internationale Ausplünderung der Schwachenmöglich macht.

      Um solches wieder möglich zu machen, müssten wir durch finstere Jahre, bis weltweit alles zu Klump gehauen ist, und viele Millionen ja, Milliarden Menschen gestorben (verreckt) sein, bis solches durch Aufbauarbeit generiertes Wachstum die Geldmengenvermehrung aus dem Nichts tragen könnte.

      Und genau das wird angestrebt, denn eine Lösung, die die Menschen, auch die Nichtvermögenden und unseren Mittelstand rettet, ist nicht gewünscht. In diesem Falle müsste man komplett umdenken und ganz anders anfangen. Mit einem Geldsystem, das nicht inflationiert werden kann und das nicht Wachstum um jeden Preis erzwingt, sondern dem natürlichen Wachstum folgt.

      • Michele sagt:

        Man könnte den Zinssatz der EZB erhöhen. Das würde das Schuldenmachen bzw. die Verschiebung von Sparen zugunsten Nichtsparen etwas eindämmen.

        Leider ist das nicht gewollt, aversion against this is too high.

    • Albert Albern sagt:

      Ja, die Wirklichkeit ist immer etwas anders, als wir sie beschreiben. Unsere Sprachfähigkeiten sind unvollkommen, die Wirklichkeit ist vollkommen.

      Und beides wurde von Gott geschaffen:

      Die Wirklichkeit und auch unsere Fähigkeiten…

      • Michele sagt:

        Die Sprachenverwirrung hat beim Babylonischen Turmbau begonnen.
        Europa hat viele Sprachen. Der Gedanke ist mir kürzlich gekommen bei einem Besuch im Supermarkt…

        • Albert Albern sagt:

          Mir ist auch aufgefallen, dass sich hier viele Schreiber gegen die Sprachverwirrung standhaft wehren, indem sie wenigstens die hier übliche Sprache immer besser zu beherrschen versuchen…

          • Michele sagt:

            …bei meinem Besuch einer Kassiererin im Supermarkt, welche dort an der Kasse arbeitet. (genügt es so ihren Ansprüchen? :-) )

            Für sinnig halte ich das Wort „SUPERMARKT“. Dort hört man sehr viel „nicht-deutsch“.

          • Albert Albern sagt:

            Ich habe nicht Sie, gemeint, @ Michele!

            Andere Kommentare und auch manche Artikel wecken diesen Eindruck.

            Ich habe die deutsche Sprache auch erst viel später lernen können/müssen, deswegen fallen mir womöglich manche Fehler auf, die nicht typisch deutsch sind.

            Was ist eigentlich typisch deutsch???

          • Michele sagt:

            …hm erst später, später zu lernen scheint gut zu sein.

            Typisch deutsch (Durchschnittsbürger) ist vermutlich, dass der Deutsche immer noch an das Prinzip einer Leistungsgesellschaft glaubt, obwohl der Deutsche durch eine zentral gesteuerte europäische Verteilungspolitik regiert wird.

          • Albert Albern sagt:

            Teile und herrsche, teile mit deinen Brüdern und Schwerstern, das Brot teilen, das gibt es auch. Nach dem Krieg sollten die Menschen viel miteinander geteilt haben, das wurde so erzählt, obwohl es damals nur wenig zum Teilen gab…

            Nicht nur die Leistungsgesellschaft muss vieles Leisten, auch die Sklaven müssen das, und auch die Kaiser mussten schon immer viel leisten, damit sie berühmt werden konnten. Und sogar die Behinderten in der Behinderten-Werkstatt leisten etwas…

            Es gibt eigentlich nichts, was wirklich „typisch deutsch“ wäre, diese Bezeichnung zeugt eigentlich nur von dem völkischen Rassismus anderer Kulturen…

            Natürlich kann auch ich mit gewissen typischen Fehlern prahlen, die verdanke ich aber meinem Individualismus und darauf bin ich bis heute stolz!

          • Michel sagt:

            So albern klingt das nicht, was sie schreiben.

            Wenn man also einer Oma ihren Notgroschen nimmt, den sie für ihre Alterspflege dringend braucht, und das gezwungenermassen, dann muss ein anderer die Notdurft lindern, das könnten die Kinder, sofern sie Kinder hat, oder die Staatsgemeinschaft leisten. Ethische Verpflichtungen gibt es schon zum Teilen. Die Oma hat aber bewusst auf Konsum verzichtet um ihre Alterssicherung SELBST finanziern zu können. Kann man diesen Verzicht sinngemäss nicht auch als „Teilen“ betrachten, damit kein Anderer für die Oma teilen muss.
            Deswegen würde ich es für besser halten, zu sagen „Herrsche und teile“. Die Autoritäten müssten wieder das richtige Augenmaß dafür entwickeln um nicht einseitig, sondern sinnvoll (auf) zu teilen
            Ergo, falls man der Oma den Notgroschen plündert müsste ein Anderer aus pietätischen Gründen für sie teilen. (zumindest minimal)
            Deshalb halte ich den Leitzins der EZB falsch, der kleine Sparvermögen plündert.

            Wenn ein Reicher aus seinem Überfluss „teilt“, so ist es für ihn selbst nicht gravierend.

          • Michel sagt:

            Für alles gibt es ein Für und Wider, aber eins steht fest, wenn der Abstand von unten zu oben dermassen gross ist, dass man unten grosse Not leidet und oben provokativ tschwelgt, dann führt es letztendlich zum Aufruhr. Aufruhr kann für viele sehr tödlich sein und für einzelne tödlicher als tot. Das letzte Beispiel: Lybia und evtl.noch Syria.

            Gott behüte!

          • Albert Albern sagt:

            Mal schauen…

            Habe so ein unsicheres Gefühl, dass die Reichen mit uns Armen prophylaktisch teilen werden müssen. Europaweit.

            Wenn sie nicht teilen, bricht die Wirtschaft zusammen, noch bevor die Aufstände losgehen. Und dann gehen die Aufstände so langsam los…

            Es kommt auf das Kräftemessen doch irgendwie an, auch wenn ich bei den meisten Menschen solche Tugenden wie Geduld und Bescheidenheit vermute. Die jeweiligen Staatssysteme rüsten zwar schon für die Aufstände auf, aber sie werden es nicht riskieren, dass ihnen die Polizei und die Armee irgendwann die Tugend der Treue verweigern.

            Mal schauen…

    • Michele sagt:

      Risiko-Version kann zu Risiko-Aversion führen. Muss aber nicht. Es gibt risikofreudige Entscheidungsträger.

    • Michele sagt:

      Mit welcher Finanzierungs-Akrobatik auch Schulden gemacht werden, sie sind real und müssen von irgendjemand bezahlt werden. Die momentanen Themen der Finanszkrise und Schuldenkrise laufen auf NEUE SCHULDEN hinaus.

      Ich denke nicht, dass das Erscheinungen (und deren scheinbaren Zusammenhängen), sind, die beliebig verstanden werden können.

      Man kann real gemachte Schulden wohl kaschieren, aber nicht eliminieren. Deshalb sollte man so ehrlich sein und sie auch beim Namen nennen.

      Und das ist kein „überkommenes“, herrschendes Verständnis von Politik, Wirtschaft, Gesellschaft. Gemachte Schulden müssen irgendwann von irgend jemandem bezahlt werden. Privat-Gläubiger können evtl. auf Begleichung verzichten, wnn sie es sich leisten können; doch das Abwälzen von gemachten Schulden auf Andere ( z. B. auf den Steuerzahler) ist ziemlich frech.

    • Michele sagt:

      Irgendein Wirtschaftsminister, ich glaube es war Erhardt, hat das Wort „Maßhalten“ geprägt. Es wäre heute aktueller denn je…