Italien holt bulgarische und rumänische Arbeitskräfte

Im Gegensatz zu einigen anderen EU-Ländern hebt Italien die Arbeitsmarkt-Beschränkungen für Rumänien und Bulgarien auf. Ziel: Sie sollen Italiens Wirtschaft in Schwung bringen.

Rom hat die vollständige Liberalisierung des Arbeitsmarktes für die beiden jüngsten EU-Mitglieder Rumänien und Bulgarien beschlossen, berichtet EurActiv. Zum 01. Januar 2012 ist sie in Kraft getreten. Giorgio Napolitano, Italiens Präsident, erklärt: „Es gab keine Pläne die restriktiven Maßnahmen für rumänische Arbeiter in irgendeiner Weise aufrechtzuerhalten“. Neun andere EU-Länder sehen das anders und halten entschlossen an den Beschränkungen fest – unter ihnen auch die Niederlande, Belgien (mehr dazu hier) und Großbritannien. Auch Spanien möchte angesichts der hohen Arbeitslosigkeit wieder eine stärkere Kontrolle des Zuzugs (mehr hier).

Der bulgarische Minister für auswärtige Angelegenheiten Nickolay Mladenov sowie der Arbeitsminister Totyu Mladenov lobten die Aufhebung und werten Italiens Entscheidung als positives Signal. Sie sagten, die Entscheidung entspricht „der ausgezeichneten Beziehung und der strategischen Partnerschaft zwischen Bulgarien und Italien“, berichtet die Nachrichtenagentur Dnevnik.

Marian-Jean Marinescu, Mitglied des Europäischen Parlaments, sagte, die Entscheidung sei ein Beweis dafür, dass die Beschränkungen des Arbeitsmarktes aus politischen und nicht aus wirtschaftlichen Gründen erfolgen. Italien hätte erkannt, dass rumänische und bulgarische Arbeiter dazu beitragen könnten, die Wirtschaft anzukurbeln. Schon jetzt leben und arbeiten rund eine Million Rumänen in Italien. Zudem beschäftigen rund 30.000 italienische Unternehmen in Rumänien über 800.000 rumänische Arbeitnehmer, bestätigt das rumänische Innenministerium
Marinescu hofft Italiens Entscheidung gibt anderen Ländern ein positives Signal. Denn bisher möchten neun EU-Länder die Arbeitsmarkt-Beschränkungen für die nächsten zwei Jahre ganz oder teilweise aufrechterhalten, so die EU-Kommission. Die Anträge über die Verlängerung werden von der EU-Kommission derzeit noch geprüft. Eine Analyse der Arbeitsmärkte müsse Turbulenzen widerspiegeln, um die Beschränkung durchzusetzen, sagt László Andor, Kommissar für Arbeit und soziale Angelegenheiten.

Als Grund, bulgarische und rumänische Arbeitskräfte vom nationalen Arbeitsmarkt fernzuhalten, wird immer die Wirtschaftskrise mit ihren Folgen genannt. Zumindest Deutschland habe den Zugang zum Arbeitsmarkt erleichtert – Bulgaren mit Hochschulausbildung und Saisonarbeiter profitieren für sechs Monate von der Maßnahme. Ursula von der Leyen sagte, qualifizierte Arbeitskräfte hätten höchste Priorität, ohne qualifiziertes Personal könne die Wirtschaft nicht weiter wachsen.

Aus südeuropäischer Sicht sind die Erfolgsaussichten der Maßnahme indessen schwer einzuschätzen. Frankreich möchte Deutschland überzeugen, dass Deutschland südeuropäische Arbeitskräfte aufnimmt, um die hohe Arbeitslosigkeit etwa in Spanien, Italien oder Frankreich zu senken (mehr hier).

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Kommentare

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  1. General-Investigation sagt:

    Und so wird die Globalisierung zur Falle und diese Falle wird der Untergang sein.
    Wie soll das Spiel denn auf Dauer funktionieren können, wenn wir immer mehr Billiglöhner nach Europa holen, die man für einen erbärmlichen Lohn anstellt ( aber der Lohn ja in Ihre Heimat ein gewaltiger Reichtum ist; aber diese Menschen müssen auch von irgendetwas leben können). Und was ist dann mit den Menschen in den entsprechenden Ländern, die dort selbst keine Arbeit haben? Die gehen dann als Wanderarbeiter nach China oder wie soll das gehen?

    Der ganze Unsinn ist nur von Leuten erdacht worden, die sich einbilden nur alleine in der Lage zu sein, denken zu können. Und genau diese angeblichen Fachleute treiben nun einen nach dem anderen in den Ruin.

    Was diese Wirtschaftswissenschaftler nicht begreifen: Es kann kein unendliches Wachstum geben, das ist absolut unmöglich.

  2. mandelkern sagt:

    Die Ähnlichkeit zu militärstrategischen Vorgehen ist nicht zu übersehen:
    Da sollen Kontingente von Arbeits-Söldnern innerhalb Europas verschoben werden, an den jeweils benötigten Einsatzort.
    Kein Gedanke an den kulturellen Hintergrund, die lokale Verwurzelung, die Sprachbarrieren, der Verlust an kultureller Substanz in Herkunfts- und Zielland.

    Menschen wie Norbert Walter, der Ex-Chefvolkswirt der Deutschen Bank, haben übrigens Visionen für deutsche Arbeitnehmer, die auch ohne grössere Zuwanderung auskommen:
    Einführung einer Regelarbeitszeit von 60 Stunden pro Woche, Ausnahmen nur bei Versorgung von Kindern oder pflegebedürftigen Alten, alle anderen sollen 50% mehr arbeiten. Von Lohnausgleich war bei seinen Vorschlägen nicht die Rede.
    Ausserdem die Rekrutierung von allen Schülern ab 14 Jahre in den Ferien, für kostenlose Praktikantendienste in der Wirtschaft.

    Walter erfreut sich im Moment reger Präsenz in den Medien als „Experte“ und Euro-Erklärer, den TV-Journalisten scheint nicht klar zu sein, wo dieser Mann weltanschaulich verortet ist.

  3. gregorius007 sagt:

    und wenn man den arbeitsmarkt für die chinesischen arbeiter öffnet, dann kann man noch mehr lohndumping betrieben. aktuell werden die italienischen löhne mithilfe der rumänischen und bulgarischen arbeiter gedrückt. wenn es nicht reicht, holt man dann die chinesen, die ihrerseits die löhne der rumänischen und bulgarischen arbeiter drücken können!

    dann wird man 12-14 std. pro tag mit 6 tagen pro woche für die hälfte seines jetzigen lohns arbeiten und noch dankbar sein, daß man überhaupt einen job hat!

    was für tolle politik – „für“ das eigene volk!

  4. Meyer sagt:

    Es wird (nicht nur) von links ja gerne und allzu primitiv „argumentiert“, Zuwanderungsbegrenzung gar eine Zuwanderungsstopp, zumal in die Sozialsysteme und Arbeitmärkte, sei „amoralisch“. Vielleicht wäre es das wert, mit den gleichen Kategorien mal zu untersuchen, wie „moralisch“ denn der Import von „Arbeitsdronen“ eigentlich ist?

    Wahrscheinlich nicht nur bei dem obigen Beispiel Italien dienen diese doch ganz offensichtlich zur Erhöhung des Angebotes an Billigarbeitskräften um durczhb das Überangebot die Kosten für Arbeit in Italien nachhaltig zu senken. Das ist der Hintergrund! Moralisch? Das kann jeder für sich selbst beantworten. Aus meiner Sicht ist das Immoralität in Reinkultur.

    Vielleicht es für ehrliche Linke mal an der Zeit zu bemerken, daß sie in der Einwanderungsdebatte die Interessen derjenigen nachhaltig vertritt, die sie vorgibt als Opponenten anzusehen. Die Schlachtenbummler des „schwarzen Blocks“ vereint mit den Gewerkschaften als Büttel der Großindustrie und Finanzkapitalismus.

    Wenn es nicht so verheerende Folgen hätte, könnte man sich köstlich über deren Dummheit amüsieren.