China: Unternehmer fliehen vor Schuldeneintreibern

Bis zu 20.000 Klein- und Mittelbetriebe sind in der chinesischen Stadt Wenzhou von der Pleite bedroht, weil sie noch vor dem chinesischen Neujahrsfest ihre Schulden nicht bezahlen können. Aus Angst vor wenig zimperlichen Eintreibern sind bereits zahlreichen Unternehmer aus der Region geflohen.

Einem Bericht der Zeitung China Daily zufolge sind 20.000 mittelständische Unternehmen unmittelbar von der Pleite bedroht. Sie sind hoch verschuldet und können nach Auskunft einer lokalen Wirtschaftsorganisation ihre Schulden nicht bezahlen. In vielen Fällen werden die Kredite vor dem chinesischen Neujahrsfest fällig. Wegen der Aussichtlosigkeit der Lage sind mindestens 100 Unternehmer bereits abgetaucht, weil sie den Besuch von brachialen Schuldeneintreibern befürchten (eine Praxis, die in Deutschland offiziell verboten ist – mehr hier).

Auch habe es nach Auskunft der Organisation bereits etliche Selbstmorde gegeben, die ebenfalls mit Überschuldung zu tun haben dürften.

Besonders gefürchtet sind die Methoden von privaten Kredithaien, die vielen Kleinunternehmen Kredite zu exorbitanten Zinsen angedreht hatten. Wegen der schlechten wirtschaftlichen Lage wären viele Unternehmen nicht in der Lage gewesen, die vergangenen Monate ohne diese Kredite zu überstehen. Hu Xucang von der Private Equity Firma Aroundasia sagte China Daily: „Die Unternehmen glauben, sie hätte keine Chance, wenn sie nicht von den Kredithaien Geld leihen. Wenn sie es nicht tun, sterben sie heute. Indem sie Geld borgen, bekommen sie jedoch nur die Chance, nicht schon morgen zu sterben.“

Die meisten dieser Unternehmen sind verantwortlich für das berühmte „Made in China“, welches sich auf Produkten befindet, die die Chinesen für amerikanische oder europäische Unternehmen produzieren. Dazu zählen Brillen, Feuerzeuge und Schuhe. Auch der Chef des größten Brillenherstellers der Region befindet sich auf der Flucht vor den Schuldeneintreibern.

Die Region Wenzhou gilt als ein Frühindikator für die wirtschaftliche Entwicklung in China. Bis vor kurzem galt die Region an der Ostküste als eine der reichsten. In keiner anderen chinesischen Stadt sollen so viele Millionäre leben wie in Wenzhou.

Nach Schätzungen der chinesischen Zentralbank geht es bei den privaten Krediten um eine Größenordnung von 487 Milliarden Euro in ganz China. Weil die Kredite immer wieder weitergereicht wurden, droht im Fall der Uneinbringbarkeit von Forderungen einen Dominoeffekt, der die Probleme in der gesamten chinesischen Wirtschaft dramatisch verschärfen könnte (mehr hier).

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Kommentare

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  1. General-Investigation sagt:

    Da scheint man sich wohl die falschen Geldgeber ausgesucht zu haben – selbst schuld.

  2. AMiller sagt:

    An die Redaktion:

    Im Text ist die Rede von der „Region Whenzu“ und der Stadt „Whenzu“.

    Damit ist wohl eher die Region und Stadt „Wenzhou“ gemeint, die im allgemeinen als die Stadt mit den meisten Millionären in China gilt.

  3. FDominicus sagt:

    So hart es klingt: „Selber schuld“.