Deutsche Staatsanleihen: Erstmals Negativzinsen

Bei der heutigen Auktion von kurzfristigen deutschen Staatsanleihen, lagen die Zinssätze zum ersten Mal im Negativbereich. Damit werden die deutschen Papiere für Anleger praktisch unbrauchbar.

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Deutschland hat am Montag kurzfristige Staatsanleihen mit einer Laufzeit von 6 Monaten im Wert von 3,9 Milliarden Euro verkauft. Beunruhigend ist jedoch der Negativzinssatz von 0,0122 Prozent. Damit nehmen die Investoren, die gekauft haben, in Kauf, weniger von Deutschland zurückzuerhalten, als sie dem Land geliehen haben.

Dieses Verhalten ist als Zeichen großer Nervosität zu werten. Denn die Flucht in deutsche Staatspapiere zeigt, dass Investoren im aktuellen Umfeld kaum interessante Anlagemöglichkeiten finden – und dass sie in Kauf nehmen, dass ihr Kapital gar keine Rendite mehr abwirft. Dies aber ist eine Folge davon, dass ihnen viele andere Investments als viel zu riskant erscheinen. Auf die gesamtwirtschaftliche Lage wirft dieses Verhalten kein gutes Licht (die Angst spiegelt sich auch darin wieder, dass der Interbankenmarkt praktisch zum Erliegen gekommen ist – mehr hier).

Verglichen mit den heute erreichten Zinsen von 7,77 Prozent für ungarische Staatsanleihen mit einer Laufzeit von nur sechs Wochen sieht das zunächst sehr positiv aus. Doch das Gegenteil ist der Fall. Sowohl die Zinsen für lang- als auch kurzfristige deutsche Staatsanleihen sind in den vergangenen Wochen zunehmend gesunken. Genau diese Entwicklung kann die Refinanzierung der Schulden für Deutschland zunehmend schwieriger machen. Geschäfte, bei denen die Investoren kaum Erträge erwirtschaften können oder wie in diesem Fall sogar draufzahlen, werden für viele Investoren gänzlich uninteressant. Einige Anleger dürfen aufgrund interner Richtlinien diese Anleihen gar nicht mehr kaufen, so David Schnautz, Stratege der Commerzbank in London (mehr hier).

Die momentan noch gute Nachfrage nach den deutschen Staatsanleihen erklärt sich mit der vergleichsweise guten Situation am Zweitmarkt. Bei der letzten Auktion im Dezember wurden die Staatsanleihen am Sekundärmarkt bereits mit negativem Zins gehandelt, so dass selbst bei den niedrigen Zinsen noch Gewinn erzielt werden konnte. Es gab sozusagen ein „free lunch“, das sich viele nicht entgehen lassen wollte.

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Kommentare

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  1. Wühlmaus sagt:

    Am besten ist, wenn man sein Geld bei der Bank abholt, es in Edelmetalle umtauscht, dann irgendwo einbuddelt und die Coordinaten bzw. den Trikonometerischen Punkt des Erdloches für sich behält.

  2. FDominicus sagt:

    Amüsant wo bleiben auf einmal die Verteufler des Zins? Nun wird also betrogen wenn man Geld verliert. Das ist wirklich äußerst raffiniert… ;-(

    • Michele sagt:

      Du dummer Kerl :-), wenn du die den Zins bei Null ansetzt dann hast du einen total-Verlust in Höhe der Inflationsrate. Nach ein paar Jahren ist deine kleine Sparanlage oder deine Rente nichts mehr wert.

      Und jetzt schau mal nach wo Draghi seinen Leitzinspegel angesiedelt hat. Dann geht dir ein Lichtlein auf.

      Entscheidend für den Zusammenhang ist immer noch ob der Pegel unterhalb oder oberhalb der Inflationsrate angesiedelt ist. Erst dann bewertet man richtig und kann heulen oder lachen. Momentan kann man nur weinen. Mühe und Schweiss umsonst. Arbeitsleistung vernichtet.

      Falls du allerdings ein Kapitalbonze bist, dann kannst du immer noch mit kleineren effektiven Pluszinsen rechnen, und weiter lachen.

      • Michele sagt:

        Und weil das so ist, ist Draghi der grösste Lump der rumläuft! Den Armen wird genommen, den Reichen wird gegeben.

    • Michele sagt:

      Natürlich Draghi und Company