Schweizer Franken steigt nach Hildebrand-Rücktritt

Der Chef der Schweizer Notenbank Philipp Hildebrand ist mit sofortiger Wirkung zurückgetreten. Der Schweizer Franken reagierte sofort und stieg auf den höchsten Wert seit vier Monaten. Hildebrand sagte in seiner Rücktrittserklärung, er hoffe, die Schweizer Nationalbank habe aus seinen Fehlern gelernt.

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Nach dem Rücktritt von Philipp Hildebrand ging der Kurs des Schweizer Franken sofort nach oben. Es wird sich also zeigen, ob der Rücktritt für die Schweiz gut (moralisch) oder schlecht (teuer) war.

Nach dem ersten Ausschlag nach oben hat sich der Kurs wieder eingependelt, liegt aber immer noch ganz gut zum Dollar. Aber die Schweizer Wirtschaft fordert bereits, dass der Franken unbedingt weiter an der Seite des Euro marschieren soll (mehr hier).

In jedem Fall trifft die Krise die Schweiz in einem sehr ungünstigen Moment: Der Franken ist an den Euro gekoppelt, damit Anleger nicht die Schweiz mit Kapital überfluten. Die Schweizer Wirtschaft leidet unter der Frankenstärke beim Export. In der Schweiz gibt es Deflationserscheinungen.

Hildebrand war in die wegen angeblicher Insider-Spekulationen unter Druck geraten. Er sagte zu den Hintergründen dieser Transaktionen und zum Grund seines Rücktritts: „Leider wurden rund um diese Transaktionen Fehler gemacht. Ich habe diese am Donnerstag genannt und entschuldige mich dafür. Ich bedaure dies sowie die gesamte Angelegenheit zutiefst. Wenigstens ermöglichen diese Fehler zu erkennen, wo es in den internen Regulierungen und in den Transparenzsowie Verhaltensanforderungen der Nationalbank Schwächen gibt, die es nun resolut zu beseitigen gilt. Dies wird es erleichtern, die Glaubwürdigkeit der Nationalbank als ihr höchstes Gut aufrecht zu erhalten. Ich bin voller Hoffnung, dass die Nationalbank letztlich gestärkt aus dieser zugegebenermassen ausserordentlich schwierigen Situation herauskommen wird. Es besteht nun die Gefahr, dass ich als Folge dieser bedauerlichen Angelegenheit möglicherweise für eine gewisse Zeit nicht mehr in der Lage sein könnte, schwierige Entscheide zu treffen und sie kraftvoll und erfolgreich umzusetzen, so wie das in der Vergangenheit der Fall war. Im Bewusstsein der aktuellen Schwierigkeiten, denen wir als Land gegenüber stehen, und angesichts meiner Verantwortung für das Amt und für die Institution Schweizerische Nationalbank habe ich mich entschlossen, mein Amt per sofort zur Verfügung zu stellen. Dieser Schritt erfüllt mich mit Traurigkeit. Ich empfand das Amt des Präsidenten des Direktoriums immer als ausserordentliches Privileg und kann mir schlichtweg keine herausforderndere Tätigkeit vorstellen. Ich gehe ohne Ranküne und vor allem erfahrener als ich es noch vor wenigen Wochen war.“

Die offizielle Mitteilung zum Rücktritt: hier

Hildebrand: „Meine Frau ist eine starke Persönlichkeit“

Kommentare

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  1. Haikubehindert sagt:

    Die Antwort auf die Frage, wird das der Schweiz gut oder schlecht bekommen? -Kommt drauf an welche Bilderberger Fraktion das Oberwasser behält -derzeit ist das die Rockefeller Connection. Hildebrand ist im unter Insidern berüchtigt -berühmten Club of 30 beschäftigt, eine der mächtigsten Think thanks der Welt.
    http://www.group30.org/members.shtml

    Vermutlich ist man dort nun sehr böse auf das was die Schweizer Bankerlobby gegen Hildebrand eingefädelt haben. Es geht um ein in der Welt einmaliges Leverage Rating für Banken, also die Kapitalisierung die in der Schweiz höher werden soll als Basel III. Das konnte Hildebrand vor kurzem noch durchsetzen, als die Finanzlobby mit dem Fall Adoboli beschäftigt war.
    Das ist wohl der Grund für die Schnüffelaktion gegen den Notenbanker, man will die Kapitaldecke wieder stürzen, aus Konkurrenzgründen der Wettbewerbsfähigkeit.

    Wer ist Rockefeller und warum soll er da was mitzureden haben? Darüber gibt euch ein sehr seltenes und verstecktes Link eine Antwort:
    http://www.pbs.org/wgbh/amex/rockefellers/sfeature/sf_3.html#
    ( Eine rare und historisch einmalig wertvolle Serie von Paul Krugman über die Rockefeller, english).

  2. User sagt:

    Ist eigentlich noch einer übrig von den Goldman Sachs Männern die den Posten übernehmen können? Und das Restgeld was da noch rum liegt einzusammeln ?

    Nächster ist Deutschland mit Wulff der abtritt dann eventuell, Griechenland pleite gehen lassen danach mitbekommen das auch kein Geld mehr für Spanien, Frankreich, Portugal, Belgien, Schweiz, Österreich, Ungarn, Irland, usw. da sein wird.

    Dem anderen immer einen Schritt voraus sein unbezahlbar 🙂

  3. der Bauer aus dem Hunsrück sagt:

    wie kann der steigen, wenn die SZB den SF fest an den € gekoppelt hat?

  4. P. Immel sagt:

    Der CHF ist nicht den EUR gekoppelt. Die SNB „verteidigt“ lediglich die 1,20 als Kursuntergrenze. Im Gegensatz zu einer echten Koppelung, ließe die SNB den CHF sehr wohl in die andere Richtung laufen. Nur gibt der Markt einen solchen, von der SNB gewünschten, Kursverlauf nicht her.

    • Haikubehindert sagt:

      Nun ja, zu dieser Verteidigung kann die SNB bliebig viele Schweizer Franken drucken und Euro oder US$ aufnehmen, der Kurs 1.20 kann so fast ohne Mühe verteidigt werden. Die SNB besitzt schon jetzt grössere Euro-Reserven als die EZB, ohne dass es sie viel kostet. Solange die Investoren scharf auf den Franken sind, funktioniert das. Das Umgekehrte, also wenn die Investoren den Franken nicht mehr wollen, das müsste die SNB erdulden, genauso wie die EZB den Euro -Niedergang erdulden muss. So ist es aber nicht, die SNB ist somit am längeren Hebel.

      • P. Immel sagt:

        Richtig ist zwar, dass die SNB beliebig viele CHF drucken kann um die Kursuntergrenze von 1,20 zu verteidigen. Aber kostet sie das wirklich fast nichts? Da dürften erhebliche Zweifel angebracht sein:

        http://www.handelszeitung.ch/konjunktur/schweiz/der-schweiz-tickt-eine-zeitbombe

        Die Schweizer sind dabei, ihren ehemals stolzen Franken zu ruinieren. Die Zeche dürfte wohl durch Inflation bezahlt werden. Das finanztechnische „perpetuum mobile“ haben auch unsere eidgenössischen Freunde und geschätzten Nachbarn nicht erfunden.

  5. Axel Schweigert sagt:

    es sollte wohl Minuten in der Headline heissen, anstatt Monaten. Ansonsten ist der „pillow talk“ unverzeihlich, auch wenn der Informant sich schon das Leben nehmen wollte und nach gescheitertem Suizid-Versuch im Krankenhaus liegt.

    Wo viel Geld im Spiel ist, ist ein Menschenleben nicht mehr viel wert…

  6. Sennebueb sagt:

    Wie pässlich, dass der oberste Pantoffelheld der Nationalbank den „Schwanz eingezogen“ hat. Dürfte ihm Zuhause auch nicht anders gehen. Und sowas wollte auf den knallharten Finanzmärkten den starken Mann spielen…

    • pedro sagt:

      Lieber Sennebueb: Aus dir spricht der Geist eines manchen so „typischen“
      Schweizers, dessen Gesinnung im Grunde genommen nicht weit von der
      eines Afghanen ist: Der Mann hat das Sagen, und die Frauen haben zu parieren und damit basta!

      • Sennebueb sagt:

        Und wenn du jetzt alle deine denkfähigen Hirnzellen zusammenschaltest, kommst vielleicht auch du, lieber Pedro, auf den etwas tieferen Sinn meiner Sätze. Obwohl ich da -ehrlich gesagt- so meine Zweifel habe.

      • Marcel sagt:

        An Pedro:
        wegen solchen Aussagen lieben wir euch Deutschen sooo innig!
        Mein vorschlag an Dich: Lass deine dummen Sprüche. Schliesslich sitzen wir alle im selben Boot!