Höchste Nervosität bei Banken: Rekordeinlagen bei der EZB

Die europäischen Banken rechnen offenbar mit ernsten Problemen für einige Institute: Seit Tagen steigen die Übernacht-Einlagen bei der EZB. In der Nacht von Montag auf Dienstag waren es über 481 Milliarden Euro.

Auf dem europäischen Interbankenmarkt traut keiner mehr dem anderen. Trotz niedriger Zinsen von lediglich 0,25 Prozent nutzen die europäischen Banken nicht nur weiterhin die Möglichkeit, Geld über Nacht bei der EZB anzulegen – sie erhöhen auch stetig die Höhe ihrer deponierten Gelder. In der Nacht von Montag auf Dienstag waren es nun 481,94 Milliarden Euro, so die EZB in Frankfurt. Bereits über das Wochenende war mit 463,57 Milliarden Euro ein neuer Rekord erreicht worden (mehr hier).

Auch die eintägigen Kredite bei der EZB steigen wieder leicht von 1,4 Milliarden Euro auf 1,5 Milliarden Euro. Immerhin jedoch noch nicht in dem Umfang wie Ende 2011, als es eine Rekordabfrage von Notkrediten in Höhe von 17,3 Milliarden Euro gab.

Beobachter rätseln, ob die Banken den Zusammenbruch eines europäischen Insituts befürchten. Schon vor Weihnachten musste die EZB einmal offensichtlich ein Unternehmen retten. Weil aber alle Aktionen der EZB geheimbleiben, wurde nie bekannt, ob es sich um ein oder mehrere Institute gehandelt hat. Erst recht nicht bekannt werden die Namen der betroffenen Unternehmen. Daher das Mißtrauen der Banken – es könnte ja schließlich jeder in Schwierigkeiten sein (mehr zur Rettungsaktion der EZB – hier).

Mit einem Wert von 481,94 Milliarden Euro erreichen die Übernachteinlagen bei der EZB nun fast den Wert der 489 Milliarden Euro an 3-Jahres-Krediten, die die EZB vor rund drei Wochen ausgegeben hat. Das Vertrauen der Banken ist auf dem Tiefpunkt. Hinzu kommt, dass eine Vielzahl europäischer Banken bis Mitte des Jahres ihr Eigenkapital weiter erhöhen muss. UniCredit zeigte am Dienstag, welch schwieriges Unterfangen dies für etliche Finanzinstitute sein kann (die Aktie wurde vorübergehend vom Markt genommen – mehr hier). Die UniCredit wird nicht die einzige Bank bleiben, die in Europa mit derartigen Problemen zu kämpfen hat.

Kommentare

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  1. Michel sagt:

    Wollen die Bänker lieber die EZB bedienen als einem notleidenden Genossen aushelfen. Gibt es keine Standesehre bzw. einen eigennützigen Vertrauensschutz im Bankenwesen?

  2. Auch Banker sagt:

    Sehr geerter „Banker“

    falls Sie wirklich Banker sein sollten… aua…

    Gerne für Sie nochmal zum nachlesen:

    http://www.focus.de/finanzen/banken/ing-diba-das-geld-ist-mehrfach-abgesichert_aid_365119.html

    Der Artikel im Focus bezieht sich auf die ING Group, also auf den niederländischen Finanzdienstleister. Wie Sie selbst auch nochmal nachlesen können, sind die Ing-Diba und die niederländische ING rechtlich zwei unterschiedliche Unternehmen. Die Ing-Diba ist ein deutsches Kreditinstitut.

    Was bedeuted das für das für den Anleger? Falls die Ing-Diba wirklich Pleite gehen sollte greift ein mehrstufiges Absicherungssystem. Die Hauptsächlichen:
    1. Über die Entschädigungseinrichtung deutscher Banken GmbH (EdB) (das Einlagensicherungs- und Anlegerentschädigungsgesetz (EAEG) regelt die Mindestanforderungen an die Einlagensicherungssysteme deutscher Kreditinstitute) sind € 100.000 zu 100% pro Kunde abgesichert.
    2. Darüber hinaus greift der Einlagensicherungsfond, über den z.B. bei der Ing-Diba z.Zt. € 1,35 Milliarden pro Kunde abgesichert sind (der artikel ist von 2009, da waren es € 1,23 Milliarden)

    Also kein Grund zur Panikmache. Alleine schon aus dem Grund, dass die Ing-Diba einer der wenigen Privatkunden Banken in Deutschland ist, die seit der Bankenkrise 2008 immer schwarze Zahlen geschrieben hat (das liegt unter Anderem an der sehr konservativen Anlagestrategie der Bank)

    Und wenn Sie schon den Lesern empfehlen, ihre Gelder von den Direktbanken abzuziehen und bei den VR-Banken oder Sparkassen zu (was zahlen die im Moment?) ca. 0,5% anzulegen, dann sollten sie nicht die anderen Fillialbanken ausklammern, die i.d.R. bessere Konditionen haben, als eine der von Ihnen genannten Banken.
    Ein Schelm der böses denkt…

    Mit Freundlichen Grüssen

    • Banker sagt:

      Na toll! Da hat die Marketingabteilung der ING DiBa AG nicht einmal 24 Stunden gebraucht, um kritische Kommentare zu entschärfen.
      Also mal ehrlich: Kein vernünftiger und verständiger Mensch glaubt im Ernst daran, dass die sogenannten Sicherungssysteme der Bankeinlagen im Ernstfall einen totalen Crash abfangen können. Wir haben in der deutschen Geschichte mehrfach erlebt, dass damit nur die Sparer-Schafe getäuscht werden. Das wird auch jetzt nicht anders sein, vor allem, weil es no niemals eine so gigantische Verschuldung bei Banken UND Staaten gab. Wenn im Ernstfall nur 5 Prozent der Sparer ganz schnell an ihr Geld wollen, ist die ING DiBa AG bekanntlich pleite. Und das muss man nicht wirklich abwarten.
      Allerdings ist es noch besser, das im Ernstfall nicht mehr zugriffsfähige Guthaben von den Direktbanken in Silber oder Gold zu wechseln als auf Konten der VR-Banken oder Sparkassen. Sein Geld in diesen Zeiten jedoch bei Direktbanken ohne Filiale und nur mit einer Hotline zu lassen, ist der Gipfel der Einfältigkeit und Dummheit.

      • Auch Banker sagt:

        Ja, ich arbeite bei einer Bank (Bei einer Privatbank, nicht Sparkasse oder VR). Nein, ich bin nicht in der Marketingabteilung der Ing-Diba. Ich mag nur keine verdrehten Fakten.

        Ich gehe einfach mal auf Ihre Argumentationen mit meiner Sichtweise ran.

        Sie sagen, dass nur durch die Intervention der Kanzlerin die Pleite der Ing-Diba 2009 verhindert wurde. Das ist nicht richtig. Wie ich bereits geschrieben habe, ist die Ing-Diba eine der wenigen Privatkundenbanken in Deutschland, die seit dem Beginn der Finanzkrise (meines Wissens nach auch vorher nicht) keine Verluste gemacht hat. Siehe z.B. http://www.presseportal.de/pm/59133/1580256/ing-diba-2009-mit-starkem-wachstum-in-allen-kernprodukten-und-277-millionen-euro-gewinn
        Sieht so eine Bank aus, die kurz vor der Pleite steht?

        Sie sagen, dass bei einem grossen Knall die Diba (oder auch andere Direktbanken) einfach Telefon und Internet abschaltet. Eine Fillialbank lässt die Tür zu und macht das Gitter runter. Wo (für den Anleger) ist da der Unterschied. Ausser, dass der Anleger in seiner Wut vielleicht das Gebäude niederbrennen kann. Sein Geld bekommt er dadurch aber auch nicht wieder.

        Sie sagen, dass die Leute ihr Geld von den Direktbanken abziehen sollen, um es bei einer VR oder Sparkasse anzulegen. Wo bitte ist da der Unterschied, ausser dass der Anleger einen Bruchteil der Zinsen bekommt, die er z. Zt. bei einer Direktbank bekommt. Bei dem grossen Knall, den Sie prophezeien, glauben Sie wirklich, dass da die Sparkassen verschont bleiben? Und wenn sie nicht verschont bleiben, was passiert, wenn die Stützungsfonds der Sparkassen nicht ausreichen? Mit der Gewährsträgerhaftung übernehmen öffentliche Gebietskörperschaften die Garantie für den Bestand der Sparkasse. Wer sind öffentliche Gebietskörperschaften? Das können beispielsweise das Bundesland, der Landkreis bzw. die Stadt oder Gemeinde sein. Und genau, die sind Ihrer Meinung nach ja Pleite. Geld wieder futsch. Obwohl ja für Ansprüche, die nach dem 18.Juli 2005 entstanden sind, die Gewährsträgerhaftung nicht gilt. Wenn also das Gesamtvolumen aller regionalen Stützungsfonds der Sparkassen nicht ausreicht, ist das Geld sogar noch eher futsch. Zum nachlesen http://www.konto.com/einlagensicherung/landesbank/sparkasse.html

        Sie sagen, dass wenn nur 5% der Sparer der Ing-Diba an ihr Geld wollen, die Bank „bekanntlich“ Pleite ist. Es wäre schön, wenn Sie dieses mit einer Quelle belegen könnten. Da es ja bekanntlich ist, sollte es massenweise Quellen im Internet geben.

        Sie sagen, dass es besser ist, sein Geld in Gold und Silber zu wechseln. Ich weiss nicht, ob der „Tip“ wirklich so gut ist, sind wir doch gerade mal ca. $ 250 vom Allzeithoch beim Gold im letzten Jahr entfernt.

        Dass die Sicherungssyteme der Privatbanken bei einem Crash mehrerer Kreditinstitute wohl nicht ausreicht… ja, da bin ich bei Ihnen. Allerdings sollten mehrere Banken Pleite gehen ( eine bis zwei Banken wird das System auffangen können), brauchen wir wahrscheinlich alle eh kein Geld mehr. Dann geht´s wieder los mit Tauschgeschäften. Sprich, dann gibt´s wahrscheinlich kein Finanzsystem mehr.

        Sorry, ist ein bischen lang geworden. Was ich im Endeffekt sagen will ist, dass eine deutsche Direktbank nicht besser oder schlechter ist, was die Sicherheit der Einlagen betrifft, als jede andere Fillialbank. Vor allen Dingen nicht die von Ihnen mehrfach erwähnte Ing-Diba.

        Mit freundlichen Grüssen

    • Thomas W. sagt:

      Das ist ja erschreckend: Offenbar sitzen bei der DIBA Leute und scannen das Web nach „DIBA“ und „PLEITE“ und setzen dann solche Gegen-Kommentare rein, daß „bei der Ing-Diba z.Zt. € 1,35 Milliarden pro Kunde abgesichert sind“. Das merkt ja ein Blinder mit Krückstock, daß das der pure Blödsinn ist. „1,35 Milliarden pro Kunde abgesichert“ – wo soll denn das Geld herkommen? Das ist ja pure Volksverblödung! Bloß raus aus solchen pleitegefährdeten Direktbanken und deren Kundenverarschung…

  3. H. Gärtner sagt:

    Danke für die Erinnerung. Ich erinnere mich, 2009 hatte die DIBA die Kanzlergarantie soooo prominent auf die Website gestellt, da fragte ich mich schon, was das solle. Bis zur Pleite werde ich nicht warten, ziehe meine 22.000 Euro Guthaben gleich heute noch von der DIBA zur Volksbank Raiffeisenbank rüber.

  4. Banker sagt:

    Kein Wunder, dass die Banken sich kurz vor dem unmittelbar bevorstehenden großen Knall der Verschuldungsblase nicht mehr trauen.

    „ING DiBa AG kurz vor der Pleite?“, fragte bereits am 26.01.2009 das Magazin FOCUS. Verhindert hat damals die Pleite nur die vermeintliche Garantie der Kanzlerin, dass Bankeinlagen sicher seien. Inzwischen hat sich Deutschland selbst weiter ver- und überschuldet.

    Verwunderlich ist deshalb nur, wie arglos die deutschen Sparer noch immer ihr Geld bei Banken wie der ING DiBa AG lassen. Denn beim großen Knall schaltet die ING DiBa AG einfach Telefon und Internet ab. Filialen hat diese Direktbank – so wie andere Direktbanken – überhaupt nicht. Und die Kunden schauen dann in die „Röhre“, weil auf Verbal-„Garantien“ von deutschen Kanzlerinnen rechtlich rein gar nichts zu geben ist.

    Die Leute sollten Ihre Direktbankguthaben schleunigst zu einer Regionalbank mit Filialen (VR, Sparkasse) transferieren. Die sind nicht überschuldet und haben wenigstens Ansprechpartner, die wissen, dass sie sich in der Filiale nicht verstecken können, weil sie in der Nachbarschaft ihrer Kunden leben.

    Liebe Leser, danken Sie den Deutschen Mittelstands-Nachrichten, dass sie Sie daran erinnern, es jetzt schleunigst den Banken nachzumachen und Ihr Geld von Banken wie der ING DiBa AG in Sicherheit zu bringen.

    • Michel sagt:

      Hier ist bail-out angesagt!…Doch von den Banken, nicht vom Steuerzahler!

      Deweiteren sollte man den Leitzins polizeilich anzeigen (nachdem sich die Sparkassen ausrichten), wegen Plünderung von Omas Notgroschen.

    • Michel sagt:

      Desweiteren könnte man anregen den Namen „Sparkasse“ in „Verlustkasse“ umzutaufen. Der Name Sparkasse ist seit Trichet und erst recht seit Draghi überholt.