Angst bei den Bonds: Auch Großbritannien mit Negativ-Zinsen

Weil die Bank of England unbegrenzt Geld druckt, sind britische Staatsanleihen ein sicherer Hafen für die Anleger. Fatal für die Euro-Zone: Das Geld wird von schwachen Ländern abgezogen.

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Anleger fürchten offenbar weltweit um ihre Investments. Sie erwarten keine Rendite mehr, sondern zahlen eine Gebühr, damit sie ihr Geld in vermeintlich sicheren Häfen parken können. Heute schichteten die Bond-Anleger ihr Kapital nach Großbritannien um.

Bei der heutigen Auktion von britischen Staatsanleihen im Wert von 700 Millionen Pfund erreichten auch die Briten Negativzinsen. Die Anleihen, die 2047 auslaufen, wurden zu einem Zinssatz von -0,116 Prozent verkauft.

Die Negativzinsen sind „ungewöhnlich, aber durchaus aussagekräftig für die Umstände, unter denen wir handeln“, so Michael Hewson, Analyst von CMC Markets. Michael Hewson ist sich zwar bewusst, dass die britische Wirtschaft „nicht immun“ gegen die „Gefahren der Euro-Zone“ ist, „aber Großbritannien wird nicht Bankrott gehen, weil die Bank einfach mehr Geld drucken wird. Ob es dann noch den gleichen Wert hat, ist eine andere Geschichte, aber man wird immer etwas kriegen“.

Im Grunde ist dieses Verhalten natürlich auch ein Beleg, dass für gemeinsame Märkte dasselbe gilt wie für Schwangerschaften: Es gibt keine halben Sachen. Denn durch die Verlagerung des Kapitals von den schwachen Staaten Südeuropas in den Norden werden Risiko-Patienten weiter geschwächt – was über den Umweg der gemeinsamen Währung auch wiederum die vermeintlich sicheren Häfen gefährdet. Zu lösen ist dieses Dilemma nur über Euro-Bonds, weshalb diese auch schneller kommen werden als dies Angela Merkel lieb ist.

Erst gestern erreichte Deutschland mit kurzfristigen Anleihen einen Negativzinssatz (mehr hier). Eine Situation bei der die Anleger quasi weniger nach Ablauf der Laufzeit erhalten, als sie anfänglich als Kredit vergeben haben. Einerseits zeigt dies, dass Deutschland und Großbritannien für Investoren noch immer als sichere Häfen angesehen werden. Andererseits werden die Anleihen dadurch für etliche Investoren uninteressanter (mehr hier).

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Kommentare

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  1. eastboy sagt:

    Eins ist doch klar! Keine Krise ist zufällig und zeigt doch auf erstaunliche art und weise,das sich geschichte (fast)immer wiederholt wenn man nicht aus ihr lernt oder wenn lernen nicht erwünscht ist,weil es denn interessen der „anderen“ im wege steht ….

    der Ossi,der hier schreibt mußte sich in seiner schulzeit mit dem wesen des kapitalismus auseinander setzen. jetzt hilft mir dieses wissen zumindest bei verständnis des gegenwärtigen zustandes.

    was passiert hier? man treibt nach und nach alle eu/euro staaten in den staatsbankrott damit dann die us/uk bankenmafia die länder genüßlich von ihrem letzten staatsvermögen „befreien“ können. der gegenwärtige goldpreis ist m.m. nach ein ausdruck dessen.

    unser schuldgeldsystem mit dem zinseszins macht alle, die mit ihrer arbeit reale werte schaffen irgendwann arm. ist ein schleichender prozess(70-80 jahre?),aber irgendwann schnappt die schuldenfalle zu. MfG, eastboy

    • Küstennebel sagt:

      Der real existierende Kommunismus hat aber auch (fast) alle arm gemacht.

      • lieber arm dran sagt:

        Na ja, Honeckers Luxusleben bestand aus Einbauschränken in Holzimitat und einer Softpornosammlung. Das können Sie sich sicher auch noch leisten.
        Jede Übertreibung neigt zum arm machen.

  2. Hillermann sagt:

    habe heute gehört, dass der IWF bei einem absoluten worst case szenario davon ausgeht, dass wir an der börse 98% verlust haben…einer kennt einen, der beim ifw arbeitet. habe leider keine quellenangabe. doch 98% wäre ein cooler daxkurs..denke soweit wirds nicht kommen. aber 2000 kann schon sein.

    • Küstennebel sagt:

      Das wären super Einstiegskurse! Und das nötige Geld dafür verdient man sich mit einem Put auf den Dax! Wenn es aber nicht so kommt ist das Geld für den Put weg.

  3. admin sagt:

    Must read: Laut Celente ist im April 2012 Pop Shop mit dem TEURO.

    Gerald Celente: Politik ist Showbusiness für die Hässlichen

    http://antizensur.wordpress.com/2012/01/10/gerald-celente-politik-ist-showbusiness-fur-die-hasslichen/

  4. Pessimist sagt:

    Gelddrucken ist die einzige „Lösung“. 2012 wird ein Superjahr, was die Refinanzierung angeht:

    http://ausserdem.info/2012/Industrienationen-muessen-2012-acht-Billionen-Dollar-refinanzieren

    Aber im Prinzip eh alles kein Problem außer für die, die anfällig für Inflation sind (also Pensionisten, Angestellte, Arbeiter, Selbständige und sonstige unwichtige Personen).

    Die wichtigen Leute (Politiker, Banker) haben keine Probleme mit Inflation, ganz im Gegenteil.

  5. Daniel Kühn sagt:

    Das sind inflationsindexierte Anleihen. Der Anleger akzeptiert also in diesem Fall eine leicht negative Realrendite. Das darf man nicht verwechseln mit den Vorkommnissen am Geldmarkt, wo zuletzt z.B. Deutschland nominal betrachtet zu negativen Zinsen Geld aufnehmen konnte.

  6. hap sagt:

    Wer ist denn der Elitäre Kreis, der weis, dass das 1 Pfund im Sparstrumpf schon weniger wert ist als 0,99884 Pfund abzüglich Gebühren als Staatsanleihe?

  7. Albert Albern sagt:

    Gut, dann wiederhole ich mich noch mal:

    Für jeden Bürger, der viel Geld haben will, muss viel Geld gedruckt werden.

    Anders geht es ja gar nicht, um die Nachfrage nach der Kaufkraft zu befriedigen…

  8. Horst Hetschfong sagt:

    James Bonds – Im Angesicht der Finanzen ,

    ab 11.01.2012 imEURO-Kino Ihres Vertrauens.

  9. dparvus sagt:

    Fiat-Geld, d.h. Geld aus Luft.

    Grenzenlos freie Zockerei, sprich „Märkte“.

    Reale Arbeit lohnt nicht mehr, will keiner mehr. Höchstens noch zwangsweise.

    Und eine dem Mammon und den Ausbeutern dieser Welt hörige Politik.

    Dazu in Deutschland der Verkauf des Landes an die Multikultis.

    Was will man mehr?

    Hoffentlich knallt es bald.

    • Micha sagt:

      „Hoffentlich knallt es bald.“

      So ganz frisch ist es bei Ihnen da oben jetzt aber nicht, oder?

      Der Crash der da auf uns zu rollt, ist mit keinem vorherigen vergleichbar, dessen sollten Sie sich bewußt sein.

      Diesesmal gibt es keine westliche Industrienation mehr, die einen hochziehen kann. Diesesmal sind alle haushoch verschuldet. Diese Situation ist einmalig.

      „Dazu in Deutschland der Verkauf des Landes an die Multikultis.“

      Diese Multikultis wie Sie sie nennen, ziehen ganz schnell andere Seiten auf, wenn der Magen knurt. Gerade die Kriegsflüchtlinge, wissen wie es läuft, wenn Chaos herrscht. Sie auch?

      • dparvus sagt:

        Wenn sie es noch nicht gemerkt haben sollten:

        Der Verkauf an die Multikultis ist Realität. Und wir bezahlen dafür, alle sind in unserem Land willkommen, nur für die Deutschen steht keiner auf. .

        Ich habe nichts gegen die mit dem „Migrationshintergrund“, wenn sie sich in Deutschland unserer Lebensweise anpassen. Viele von den „Migranten“ tun das aber nicht, zu viele.

        Und zum Knall: Der kommt, unausweislich, je später je schlimmer. Deshalb lieber gleich.

        Sie sollten sich besser informieren.