EU fürchtet Liquiditätskrise bei einer Bank oder einem Staat

In einer Rede vor dem EU-Parlament sagte Währungskommissar Olli Rehn, die Schuldenkrise in Europa sei noch lange nicht überstanden. Die Maßnahmen der EU bräuchten noch Zeit, die Märkte müssten sich gedulden, forderte er. Sonst bestehe die Gefahr, dass die finanzielle Stabilität gefährdet wäre.

Der EU-Kommissar für Wirtschaft und Währung, Olli Rehn, warnt vor der Ungeduld der Märkte in der europäischen Schuldenkrise. Wie die Nachrichtenagentur Reuters berichtet, sprach Rehn vor dem Europäischen Parlament davon, dass die Situation noch lange nicht überstanden sei: „Die Krise hat die europäische Wirtschaft beschädigt und den Arbeitsmarkt sowie das Sozialsystem in Mitleidenschaft gezogen und diese Krise liegt noch lange nicht hinter uns“, sagte Rehn vor dem EU-Parlament.

Er versuchte, den scheinbar geringen Fortschritt bei der Lösung der finanziellen Probleme in Europa zu erklären und rief zu mehr Geduld auf: „Es wird Zeit brauchen, Strukturreformen brauchen oft Zeit. Märkte neigen jedoch dazu, ungeduldig zu sein. Diese Ungeduld kann den Souverän oder die Banken in eine Liquiditätskrise zwingen, die sicherlich die finanzielle Stabilität gefährden würde“, sagte Rehn.

Der Wirtschaftskommissar forderte auch von den Sorgenstaaten Italien und Spanien weitere Maßnahmen. Sie sollen ihre Arbeitsmarktreformen weiter vorantreiben. Für Unklarheit sorgte Rehn mit seiner Forderung, Europa müsse die richtige Balance zwischen „Verantwortung und Solidarität“ finden. Möglicherweise kann diese Aussage auf Spannungen hinter den Kulissen der EU hindeuten. Denn während die Südstaaten die Solidarität des Nordens einfordern, erinnern die Nordstaaten den Süden gerne daran, dass im Grunde jeder seines Glückes Schmied sei.

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Kommentare

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  1. Atreides sagt:

    Was man uns nie erklärt, ist, warum es so eine hohe Verschuldung der Staaten gibt und warum man diese weiter erhöht, statt sie zu senken. Es wäre einmal an der Zeit, Transparenz walten zu lassen und alle Ausgaben der öffentlichen Verwaltung offenzulegen.

    • Mick sagt:

      Atreides sagt:

      Was man uns nie erklärt, ist, warum es so eine hohe Verschuldung der Staaten gibt und warum man diese weiter erhöht, statt sie zu senken.

      Wenn man das den Leuten erklären würde, dann würde der ganze Beschiss auffliegen.
      Wird also nie passieren 🙁

  2. der untergang wird verschoben sagt:

    Die EU hat den größten Aussenhandel weltweit. Und die Leistungsbilanz gibt keinen Grund für Weltuntergangsstimmung.
    Schulden alleine machen keine Krise. Wachstum wird erkauft mit Schulden. So funktioniert der Kapitalismus. Der Schuldturm vergrößert sich und nur die Zinsen werden bezahlt.
    Erst wenn die Zinsen nicht mehr bezahlt werden können, gilt ein Land als pleite.

    Bei der Leistungsbilanz
    http://www.nachdenkseiten.de/upload/bilder/110817_leistungsbilanz.jpg

    und dem BIP
    http://www.mittelstandswiki.de/wp-content/uploads/2008/06/291_reales_bip_in_eu_bis_2009_ifo.png

    gäb’s zumindest für die Deutschen allgemein keinen Grund für Weltuntergangsstimmung aus finanziellen Gründen. Wegen der Ungerechtigkeiten, der Ungleichverteilung von Arbeit und Brot, dem Demokratidefizit, Ja, aber nicht wegen der Staatsschulden.

    Das Problem in der EU27 sind doch vor allem die wirtschaftlichen Ungleichgewichte, daß die reichen Länder die armen auffangen müssen. Oder umgekehrt, die armen mit dem Teuro gar nicht wettbewerbstauglich waren.
    Ich glaube, daß die allgemeine Mißstimmung zwar berechtigt ist, aber aus den falschen Gründen.
    Vor dem Teuro verabschiedet sich der Dollar. Die USA sind echt am Ende.

    • Michele sagt:

      Weil man Oma’s Notgroschen auf den Volksbanken bereits plündert, scheinen wir dem Nichtbezahlenkönnen der Zinsen schon mehr als nahe zu sein. Mit laufenden Neuverschuldungen der Staaten (auch BRD) geht der Trend weiter.

      Doch die Umschichtung von Sparern zu Nichtsparern stört mich bei dem Spiel am allermeisten.

      Ds ist eine Verschiebung von „Sparern für Nichtsparer“ in den Binnenländern, Zudem noch, zwischen reicheren und schwächeren Ländern der noch halb souveränen Euro-Teilnehmer.
      Dies ist zwangsweise Pegelstand des EZB-Leitzinses verordnet. Also auf der einen Seite eine Zwangspfändung von Spareinlagen und auf der anderen Seite ein Schuldenerleichterung.

      Dies Vorgehensweise stellt bisherige Vorstellungen des „Machste was, haste was“ , des Steuerzahlers (deutscher Export-Industrie vorläufig ausgenommen, wei teilweise auf Kredit finanziert) auf den Kopf. Und das führt eben zu einem gewaltigen Frust bei denen, die mit Rücklagen und ohne gewagte Schulden wirtschaften. Die anderen beklagen sich weniger, weil sie Vorteile für sich sehen.

      Eine wirkliche Schuldenbremse ist so schwerlich zu erzielen. Doch ich kann mir schon vorstellen, was sich Draghi und Co dabei gedacht hat. Gerecht ist so eine Direktive auf keinen Fall.

  3. inko3 sagt:

    1/3 Heitzöl und 2/3 Benzin… ich halts ne mehr aus ich muss auf die straße und ihr kommt mit!
    bis dann wir sehen uns.
    MfG

  4. Robespierre sagt:

    Wir brauchen eine neue Revolution. Diesmal aber richtig. Das Volk holt sich die gestolenen Werte von Oligarchen, Grossindustrie und Banken zurück. Danach ist Zinsnehmen verboten. Alle sollen arbeiten und nicht auf Kosten von Sklaven leben.

    Wer das nicht will wählt freiwillig die Guillotine. Und Ruhe ist. Euer Robespierre.

    • Meckerziege sagt:

      Genau – und die Revolution frisst ihre Kinder.

      Bestes Beispiel: Robespierre – der wurde auch geköpft … etwas später allerdings und nach dem königlichen Geschmeiß.