Unbefristeter Ärztestreik in kommunalen Krankenhäusern

Die Ärzteschaft der kommunalen Krankenhäuser hat beschlossen, ab dem 26. Januar in einen Streik zu treten. Behandlungen werden verschoben, es werden Notdienste wie an Wochenenden gefahren.

In einer Urabstimmung haben sich nach Mitteilung des Marburger Bunds 92,7% der Ärzte in kommunalen Krankenhäusern für einen unbefristeten Streik ausgesprochen. Die betrifft alle Krankenhäuser im Bereich der Vereinigung der der kommunalen Arbeitgeberverbände (VKA). Der Beginn des Streiks wird für den 26. Januar erwartet.

Patienten müssen sich auf die Verschiebung von Behandlungen einstellen. Für Notfälle werden Schichten wie an den Wochenenden eingerichtet.

Die Ärzte fordern 6% mehr Gehalt und eine Reduktion der Bereitschaftsdienste. Nach der jüngsten Mitgliederbefragung des Marburger Bundes leistet mehr als die Hälfte (55 Prozent) der Ärztinnen und Ärzte in kommunalen Kliniken pro Monat durchschnittlich fünf bis neun Bereitschaftsdienste. Für Privatleben, das diesen Namen verdient, bleibe unter solchen Bedingungen nach Einschätzung des Marburger Bunds kaum noch Zeit.

Für den VKA und den Deutschen Städtetag sind die Forderungen unzumutbar. Sie bieten 1,48% und eine Einmalzahlung von 250 Euro. Der Marburger Bund sagt, diese Abgeltung liege unter der Inflationsrate und sei unzumutbar.

Der Ärztestreik stellt die kommunalen Krankenhäuser vor eine erhebliche Belastungsprobe. Denn einerseits sind viele von ihnen heute schon überschuldet. Andererseits wird es für sie immer schwieriger, neue und gut qualifizierte Ärzte zu gewinnen. Schon heute ist die Versorgung in den kommunalen Krankenhäusern oft am Limit, weil Geld und Personal fehlen. VKA und Städtetag argumentieren, mit einer in der Summe auf 9% betragenden Lohnerhöhung werde es noch schwieriger, neue Ärzte einzustellen – und die Belastung für das Personal werden noch höher.

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Kommentare

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  1. Chris sagt:

    Die Ärzte haben mein vollstes Verständnis.

  2. mandelkern sagt:

    Der Anteil der ärztlichen Tätigkeiten, der heute auf Verwaltungsarbeit entfällt, statt auf die Versorgung der Patienten, ist skandalös hoch, er erreicht bis zu 35%.
    Nach wie vor sind die Pharmapreise in D ebenfalls skandalös hoch.
    Staatliche Qualitätskontrolle oder auch nur Hygienekontrolle findet in deutschen Kliniken nicht statt, das bleibt der Selbstverwaltung überlassen.

    Gute, motivierte Ärzte werden bei diesem Moloch, der sich „Gesundheitssystem“ nennt, für ihre Leistung bestraft und unterbezahlt, Auswanderung ist die Folge.
    Die schlechten Kliniken und Ärzte bleiben unkontrolliert und können dank Approbation auf Lebenszeit das System parasitär für sich nutzen.

    Solche unerträglichen Missstände gehen immer zu Lasten der Patienten, die seit Jahrzehnten mehr Geld für sich verschlechternde Leistungen zahlen müssen.
    Diese Entwicklung pflegt das Gesundheitsministerium in Neusprech-Manier dann „Reform“ zu nennen, bald wird das System kollabieren, weil es von seinem Verwaltungswahn erstickt und von den Gesundheitsfunktionären und Lobbys ausgeplündert wird.
    Bevor dieser Zustand des Zusammenbruchs nicht erreicht ist, dürfen wir auch nicht auf eine echte Reform hoffen, das gilt ebenso für jeden anderen gesellschaftlichen Bereich.

  3. hunsrückbauer sagt:

    die angestellten ärzte in den KH sind die fußabtreter der chefärzte und klinikchefs. die angestellten ärzte mit 60 wochenstunden, wer will da tauschen?

  4. krisenhoax sagt:

    Bei uns werden die Krankenhäuser mit Steuergeldern hochmodern saniert und dann wg Kommunenschulden an Strohmannholdings der Bertelsmänner& Co verkauft. Sollen die armen, armen Ärzte doch warten, bis die neue feudale HERRSCHAFT eingerichtet ist.

    Bis dahin haben wir dann auch gesetzliche Zwangsorganentnahme für Reiche, dann wird ihre Arbeit sehr viel leichter. 😈

  5. Freistaat-Danzig sagt:

    Tja, ohne „Gewerkschaft“ läuft eben nichts.

    Aber die ist auch kalkulierter Teil des Systems und somit wohl auch nicht wirklich ernst zu nehmen.

    Respekt verdient einzig der selbstständig und niedergelassene Arzt, der sich aus dem System verabschiedet hat und nun durch Verweigerung des Entgeltes für seine erbrachten Kassenleistungen mürbe gekocht werden soll.

    Dem steht kein MB (Marburger Bund und nicht Mercedes Benz !!!) bei, aber „Gott sei Dank“ eine starke Gemeinschaft Danziger Bürger.

    Wer auf dem „Rücken der Patienten“ in dieser Zeit Lohnforderungen durchzusetzen sucht ohne gleichzeitig gegen die Ursachen und die „Ablösung“ systemkonformer BRD-Ganoven namens „Politiker christlicher, sozialer und demokratischer Parteien“ vorzugehen, für den ist jeder Speichel zu schade, ihm ins Angesicht geworfen zu werden – auf deutsch: angespuckt zu werden.