Krisenangst: Ungarn bringen ihr Geld nach Österreich

In Ungarn spitzt sich die Lage weiter zu: Immer mehr Bürger heben ihr Geld ab und eröffnen Bankkonten in Grenzorten in Österreich.

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Der Kurs des ungarische Forint hat sich zwar wieder leicht stabilisiert, die Ungarn bleiben dennoch nervös. Viele haben ihr Geld bereits abgehoben und fahren damit nach Österreich, um es dort sicher anzulegen.

Eine junge Ungarin berichtete dem Wirtschaftsblog der Financial Times von ihrer Fahrt in nach Österreich. Sie hätte dort Anfang der Woche viele andere Ungarn getroffen, die ebenfalls ihr Geld nach Österreich gebracht hätten. Vor den Banken im Grenzort Neusiedl am See parkten offenbar zahlreiche ungarische Autos und während die junge Angestellte einer PR-Firma ein österreichisches Konto eröffnete, seien fünf weitere Familien in die Bank gekommen, um das gleiche zu tun.

„Das ist keine Frage der Zinsen oder etwas in die Richtung. Es geht um Sicherheit. Man weiß einfach nicht, was passieren wird in Ungarn“, begründete die Quelle der Financial Times, die unerkannt bleiben wollte, ihre Bankenflucht. Wie stark der Bankenrun bereits ausgeprägt ist, blieb vorerst unklar.

Verantwortlich für das Phänomen ist das steigende Misstrauen der ungarischen Politik gegenüber. Viele Ungarn trauen ihrem Premierminister Viktor Orban (der mit seiner Politik das Land praktisch isoliert hat – mehr hier) nicht mehr. Er hat zwar versichert, dass Ersparnisse auf der Bank sicher seien, das glauben aber bei weitem nicht mehr alle.

Orban begründete die Sicherheit der Bankkonten damit, dass sie auf privaten Verträgen basierten. Doch auch private Pensionsfonds sind solche Verträge und die Regierung unter Orban zögerte nicht, solche Pensionsfonds zu verstaatlichen. Außerdem schadete auch der Währungsverfall den ungarischen Vermögen.

Im vergangenen halben Jahr hat der Forint im Vergleich zum Euro 20 Prozent seines Wertes verloren. In der vorigen Woche erreichte er einen Tiefstand von 324 Forint pro Euro. (Der ebenfalls mit der umstrittenen Politik von Premier Orban zusammenhängt – mehr hier).

Nachdem die vergangene Auktion von ungarischen Staatsanleihen enorm hohe Zinsen brachte (mehr hier), hat die Regierung nun Zugeständnisse an IWF und die EU angekündigt, um an finanzielle Unterstützung der beiden Institutionen zu kommen (mehr hier).

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Kommentare

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  1. Adelbert sagt:

    Ja, Ungarn ist keinen Pfifferling mehr wert. Das war ja im Sozialismus noch besser. Ungarn war damals als Ostblockland die Brücke zum Westen. Hatte Nummernkonten und Bankgeheimnis wie Österreich. Sind aber jetzt von einem Extrem (Sozialismus, Kommunismus) ins andere Extrem (Nazistaat=Jakub Block) verfallen. Natürlich ist dann auch die ung.Währung nichts wert, die EU wird da nicht ewig zuschauen und es wird wie Griechenland neuer Schnitt gezogen und abgewertet, Nur bei Ungarn trift„s nur den eigenen Forint und der Euro wird nicht in Mitleidenschaft gezogen. Das ist aber auch schon das einzig Gute daran. An Ungarn und dessen momentanen Chaos.