Pensionsfonds steigen aus Staatsanleihen aus

Negative oder zu niedrige Zinsen und hohe Risiken führen zu einem systematischen Ausstieg von großen internationalen Pensionsfonds aus Staatsanleihen in den Euro-Staaten. Weil die Fonds nun zum Experimentieren gezwungen sind, wird es öfter zu Blasen und Crashs kommen.

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Die Entwicklung der Zinsen bei den europäischen Staatsanleihen hat dazu geführt, dass sich große institutionelle Anleger von ihren Investments in der Euro-Zone trennen. Torben Mogen Pedersen vom dänischen Pensionsfonds PensionDanmark sagte Bloomberg, dass sich sein Fonds bereits im vergangenen Jahr von seinem gesamten Bestand an deutschen Staatsanleihen getrennt hat. Pedersen: „Alle unsere Investments in Staatsanleihen sind in skandinavische Staaten, die nicht der Euro-Zone angehören. Wir glauben, dass das Jahr 2012 ein sehr hartes Jahr für europäische Investoren sein wird.“

Die Pensionsfonds sehen sich einem Dilemma gegenüber: Negative oder zu niedrige Zinsen wie in Deutschland (hier) oder Großbritannien (hier) machen die Investments uninteressant, weil sie zu wenig Rendite bringen. Staatsanleihen von Krisenstaaten scheiden wegen der schlechten Ratings und der zu hohen Risiken aus. Bisher galten Staatsanliehen als sicheres Investment. Die Zinsen waren nicht berauschend, aber berechenbar. Viele Pensionsfonds sind qua Statut verpflichtet, sich an bestimmte formale Kriterien zu halten. Immerhin verwalten sie das Vermögen anderer treuhänderisch – da verbieten sich Spekulationen.

Weil aber der Kapitalbedarf wegen der weltweit alternden Bevölkerung steigen wird, werden die Pensionsfonds dem Risiko in Zukunft nicht ausweichen können, sagt Phil Suttle vom Internationalen Bankenverband IIF. Solange die europäischen Staaten nicht wieder Wachstum vermelden können, werde dies Probleme bringen: Die Fonds-Manager werden geradezu gezwungen, mehr zu riskieren.

Da die europäischen Zinsen auf dem niedrigsten Niveau seit 13 Jahren sind, müssen die Pensionsfonds anderswo ihr Glück versuchen, um die Gelder auszahlen zu können, wenn sie fällig sind. Suttle: „Das schafft Probleme, weil sich alle Investoren in Segmente begeben, die ihnen im Moment als großartige Idee erscheinen. Dann fliegen diese in die Luft, ob das Rohstoffe oder Aktien sind. Wir werden erleben, dass es eine Intensivierung von Blasen-und Crash-Zyklen geben wird.“

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Kommentare

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  1. Michele sagt:

    Mit „Taschen“, schliesse ich auf Banken und Versicherungen.

    Unkorruptiertes Umlageverfahren hat in „Inflationszeiten“ wohl die besseren Karten. Bezüglich der Vorsorgeinstrumente hat das Beispiel mit der Carry-Wurst jetzt ein „Click“ bei mir ausgelöst. Man denkt über solche Dinge als Michels viel zu wenig nach.

    • Michele sagt:

      Das bringt mich auch zu der Überzeugung, dass die Plünderung von Einkommen der Michels, durch Privatinstitutionen, erfolgreich stattgefunden hat, und weiter erfolgt. Die Staatsquote, die ich natürlich auch für zu hoch halte, kann folglich nicht der Hauptgrund sein. Meine Anregung einen Suchtrupp zu beauftragen, ist also nicht verkehrt…;-)

  2. Michel sagt:

    Die EZB verteilt dann wieder nach eigenen Kriterien und besitzt zudem noch einen „Goldesel“.
    Ein Monstrum!