Staatsanleihen: Atempause für Spanien und Italien

Spanische und italienische Staatsanleihen gingen heute mit günstigeren Zinsen über den Tisch. Das ist nicht überraschend: Das kurzfristige Risiko ist in beiden Ländern überschaubar, und schließlich haben die Banken von der EZB genug Liquidität zum Ankauf bekommen.

Die Zinsen für spanische Staatsanleihen sind gesunken. Bei der aktuellen Auktion von Staatsanleihen musste Spanien mehr als ein Prozent weniger an Zinsen für kurzfristige Anleihen bezahlen. Spanien profitiert davon, dass Anleger in Europa im Moment nur zwischen Extremen wählen können (und sich daher langfristig von Staatsanleihen verabschieden werden). Bei italienischen Staatsanleihen haben sich die Zinsen im Vergleich zum Dezember fast halbiert. Italien verkaufte Papiere für 8,5 Milliarden zu Zinsen von 2,735 Prozent.

In beiden Fällen ist es weniger die Austrahlung von Monti (Die EU ist das beste was wir haben – hier), noch die angekündigte spanische Spar-Wut (hier), die die Länder interessant für Investoren machen. Spanien und Italien profitieren vom Mangel an Alternativen.

Die Pleite eines der beiden Länder ist kurzfristig unwahrscheinlich. Die politischen Anstrengungen konzentrieren sich auf Griechenland, weshalb davon auszugehen ist, dass von der EZB bis zu den Banken niemand ein anderes Euro-Land gefährden möchte. Weil die Banken dank des weihnachtlichen Geldsegens zumindest theoretisch über genug Liquidität verfügen (mehr hier) und die EZB mittlerweile so ziemlich alles als Sicherheit akzeptiert (mehr hier), kann man im Grunde ohne großes Risiko in spanische Papiere investieren.

Dies ist vor allem deshalb ein gutes Kaufargument, weil Deutschland und Großbritannien mit Negativzinsen (hier und hier) eine sehr unattraktive Geldanlage bieten. Die Märkte sind daher für jede kurzfristig einigermaßen überschaubare Alternative dankbar. Die Ankündigung von Regierungschef Mariano Rajoy, die Steuern erhöhen zu wollen, dürfte den Märkten zusätzlich das Gefühl von Sicherheit geben (mehr hier).

Im Juli 2011 lagen die Zinsen für spanische Staatsanleihen noch bei 4,971 Prozent. Nun müssen nur noch 3,748 Prozent für Anleihen gezahlt werden, die im April 2016 fällig werden (Im Vergleich dazu konnte Deutschland bereits Anleihen zu Negativzinsen ausgeben – mehr hier). In der ersten Auktion des Jahres nahm Spanien mit drei verschiedenen Anleihen zehn Milliarden Euro auf.

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Kommentare

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  1. khaproperty sagt:

    Warten wir mal ab, bis die mittel- und langfristigen Anleihen angeboten werden, wenn die beiden Länder es denn überhaupt wagen werden, große Beträge zu plazieren.

    Sollte der Druck der EZB auf die Banken so groß sein, daß diese ihre Existenz riskieren werden? Immerhin trauen sie ihren Kollegenbanken schon seit „Lehman“ nicht über den Weg und parken ihre Milliarden über Nacht sicherheitshalber bei der EZB, in stets größeren Paketen und selbst unter Hinnahme von Zinsverlusten.

    Bei all dem Liquiditätsgeklingel und Geldverteilen sollte nicht übersehen werden, daß weder die Solvenzprobleme der Banken noch die Verschuldungsorgien der Staaten auch nur ansatzweise gelöst sind.

  2. Gast sagt:

    Es liegt wohl nicht an den fehlenden Alternativen für Investitionen sondern mehr daran das billiges Geld von der EZB gerade dazu einlädt mit kurzfristigen Staatsanleihen schnell mal ein paar Prozent Gewinn zu machen. Man borge sich für 1 % Geld bei der EZB und kaufe dafür Staatsanleihen mit einem Gewinn von 2 – 3 %. Daß ist ein echt gutes Geschäft um aus Nichts noch mehr Geld zu machen oder eben einfach die Schulden der Länder weiter zu erhöhen. So lassen sich kurzfristig aus 8,5 Milliarden nach Abzug von Zinsen ca. 147 Millionen Gewinn machen bei italienischen Anleihen. Klar das die Banken da zuschlagen, denn immerhin müssen sie ihr Stammkapital bis zum Sommer 2012 erhöht haben.

    Nun scheinen die Politiker, Medien und Märkte gerade in dem guten Verkauf Zeichen zu erkennen, welche auf das Wirken von Sparmaßnahmen, Reformen oder sonstigen Aktionen schließen lassen. Das einzigste was hier wirkt ist die EZB mit Billigkrediten.
    Das hat natürlich Folgen für die Inflation, was der EZB als Stabilitätsfaktor inzwischen wohl egal ist.

    Irgendwie werde ich den Verdacht nicht los daß es nur darum geht die hohen Schulden in der Eurozone zu retten. Die EZB wird also mindestens bis zur Höhe der Schulden der Länder Geld zur Verfügung stellen und erst dann kommt der Crash. Bei dieser ganzen Geld- und Schuldgeschichte frag ich mich immer wo die Balance dazu ist. Jedes SOLL hat auch immer eine HABEN Seite. Wer hat nun am Ende das ganze Geld als HABEN auf seinem Konto? Da die Staaten ja nicht in der Lage sind eine ausgewogene Haushaltspolitik zu betreiben und somit immer mehr Schulden machen, wächst der Reichtum ins Unermessliche bei weiter wachsender Verschuldung. Dabei kommt mir der Gedanke das Reichtum immer auf der Basis von Schuld entsteht, da jeder Anleihenkredit zurück in die Wirtschaft fließt. Somit ist wirtschaftlicher Wohlstand und persönlicher Reichtum nichts weiter als die Schuld eines Landes. In Anbetracht dieser Tatsache ist alles was mit Geld bezahlt wurde oder als Kapital verfügbar ist nichts weiter als die Schuld oder Armut eines anderen. Wenn also alles Geld von einer EZB, Zentralbank oder FED ausgegeben wurde zu einem Zinssatz von nur einem Prozent und man den ganzen Reichtum ( das Kapital ) dagegen setzt, dann kann man sich ausrechnen wieviel Geld noch gedruckt werden muß um überhaupt den Zins für diesen Reichtum ( Schuld ) zu bezahlen. Allerdings ist dieser zu druckende Zins auch nur wieder Schuld.

    Somit geht es tatsächlich nur darum die Schulden zu retten, was in diesem Geldsystem natürlich NIE funktioniert. Ein ausgeglichener Haushalt ohne eine Neuverschuldung würde somit Stillstand bedeuten. Zinsgeld basiert aber auf Wachstum und somit einer ständigen Neuverschuldung. Die EZB oder jede andere Geldpresse kann also tun was sie will, denn für jede gedruckte Banknote müßte die Presse gleich den Zins mit drucken, was sie ja später ( also jetzt ) auch tut. Das Ziel einer Verringerung der Schuld ist somit faktisch nicht erreichbar, egal wieviel Geld man druckt. Erst bei einem Zins von 0 % könnte Schuld also getilgt werden.

    Noch viel schlimmer ist es dass die EZB diese wundersame Geldvermehrung ( Schuldvermehrung ) mit niedrigsten Zinsen noch unterstützt, wie man sieht. Die FED ist da schon weiter und mit 0,25 % !!

  3. EuroTanic sagt:

    Wenn ich grosse Schulden habe, und es schaffe bei der Bank noch mehr Schulden aufzunehmen ist das sicher kein Grund zum Jubeln. Warum werden derartige Informationen immer so verdreht dargestellt. Als wenn Schulden machen etwas gutes wäre.

    • k510817 sagt:

      „…Als wenn Schulden machen etwas gutes wäre.“

      Für das SYSTEM ist Schuldenmachen etwas gutes, davon lebt dieses SYSTEM nun schon seit Jahrhunderten sehr prächtig, denn Schuldenmachen bedeutet super viele Zinsen zu bekommen…

      Also, was erwartest Du???

  4. hunsrückbauer sagt:

    wo ist mein Kommentar Zensor?

    • redakteur sagt:

      Ein Zensor ist jemand, der im Auftrag des Staats die freie Meinungsäußerung unterdrückt. So jemanden haben wir nicht. Die Redaktion

  5. Schwarzsauer sagt:

    Was keine Privatperson kann, kann die institutionalisierte Kriminalität. Diese hat sich völlig verselbständigt, unterliegt keiner Kontrolle, steht über dem Gesetz. Ich nenne diese ab heute „Bankenregierungen © Schwarzsauer“.
    Wie die Alchemisten versuchten, aus Minderwertigem Gold herzustellen, produzieren sie aus Schulden Geld.

    • schlaumeister sagt:

      Die EZB hilft, die Situation zu verschleiern, gibt Falschgeld aus und
      wird dies ständig weiter tun.

  6. paloma sagt:

    Ist ja gut.Auch Spanien baut die Schulden mit neuen Schulden ab.