Griechenland: EZB und IWF wollen Pleite verzögern

Mit Zuckerbrot und Peitsche versuchen die Griechenland-Retter, die Staatspleite im März zu vermeiden. Es gibt Anzeichen, dass die EZB und die Euro-Staaten weitere Milliarden locker machen wollen.

Die Schlacht um Griechenland ist ihre nächste kritische Phase eingetreten. Über die Fakten besteht zwar mittlerweile Einigkeit: Griechenland kann nicht gerettet werden. Das deutlichste Zeichen: Einjährige griechische Staatsanleihen überstiegen am Donnerstag erstmals die 400% Marke bei den Zinsen. Das bedeutet: Wer Griechenland heute 100 Euro leiht, darf von den Griechen in einem Jahr 500 Euro zurückfordern. Analysten von MSCI haben ein fiktives Verhältnis von D-Mark und Drachme errechnet. Die Entwicklung zeigt, dass die Kluft immer größer wird. Dies bedeutet, dass die Märkte ein Ausscheiden Griechenlands aus dem Euro als Gewissheit ansehen (Chart am Ende des Artikels).

Wenn die nächsten Staatsanleihen im März fällig werden, kann Griechenland nur überleben, wenn die Gläubiger massiv auf ihr Geld verzichten. Die Hedge-Fonds, die in den vergangenen Monaten massiv Positionen aufgebaut haben, sind nicht bereit, auf ihre Forderungen verzichten (mehr hier). Ein Analyst sagte der griechischen Zeitung Kathimerini, dass die Hedge-Fonds nicht bereit sind, sich zu bewegen, solange andere Gläubiger wie die EZB von dem Schuldenschnitt ausgenommen sind. Die EZB hält geschätzt etwa 40 Milliarden an griechischen Staatsanleihen.

Daher wurde von Beobachtern mit Interesse vermerkt, dass EZB-Chef Mario Draghi auf seiner wöchentlichen Pressekonferenz erstmals eine Aufweichung der EZB-Position erkennen ließ: War die offizielle Haltung bisher, dass der Schuldenschnitt eine Sache der privaten Gläubiger sei, der die EZB nicht betreffe, sagte, die EZB „beobachte die Verhandlungen sehr genau“. Die FT deutet diese Aussage dahingehend, dass die „EZB Spielraum für Flexibilität“ sähe. Heißt im Klartext: Die EZB könnte den privaten Gläubigern entgegenkommen, indem sie sich freiwillig am freiwilligen Schuldenschnitt beteiligt. Wessen Geld dann da freiwillig eingesetzt wird, ist nicht schwer zu erraten.

Von griechischer Seite kommen gemischte Botschaften. Finanzminister Evangelos Venizelos, ein Spezialist der verfrühten Erfolgsmeldung, sagte, er sei „vorsichtig und zuversichtlich“, dass eine Einigung mit den Banken schon bald erfolgen werde. Mehrere griechische Beamte sagten jedoch, dass Griechenland intensiv prüfe, wie die unwilligen Gläubiger zum Mitmachen gezwungen werden könnten. Dafür bereiten die Griechen die nachträgliche Einfügung von Umschuldungsklauseln (Collective Action Clause, CAC) bei griechischen Staatsanleihen vor. Demnach würden bei Zustimmung einer Mehrheit der Gläubiger alle anderen gezwungen, auf ihre Forderungen zu verzichten.

IWF-Chefin Christine Lagarde hat in Berlin und Paris mit Angela Merkel und Nicolas Sarkozy darüber verhandelt, wie viel Deutschland und Frankreich an zusätzlichen Mitteln nach Athen pumpen könnten. Der griechische Finanzstaatsekretär Sachinidis sagte, dass Griechenland mehr Geld benötige, wenn nicht 100% der Gläubiger dem Schuldenschnitt zustimmen. EU-Kommissionspräsident José Manuel Barroso forderte in Kopenhagen die EU-Staaten auf, mehr Mittel in den EFSF einzuzahlen, um die angeschlagenen Staaten zu retten.

Beobachter sehen Griechenland in einer relativ starken Position: Nichts fürchten die Retter mehr als eine ungeordnete Staatspleite. Daher schlug Lagarde am Donnerstag auch ungewohnt milde Töne an und sagte, dem Land könnten nicht noch härtere Sparmaßnahmen zugemutet werden. Griechenland befindet sich im fünften Jahr einer Rezession. Die Arbeitslosigkeit beträgt nun 18,2%, wie am Donnerstag bekanntgegeben wurde. Wie das Land jemals wieder zu Wachstum kommen kann, weiß keiner.

Die ungeordnete Staatspleite käme vor allem Lagardes Landsmann Sarkozy sehr ungelegen: Er muss im Frühjahr um seine Wiederwahl kämpfen. Daher hat Frankreich ein hohes Interesse, ein Ende mit Schrecken noch weiter hinauszuzögern.

In Deutschland und den meisten anderen Ländern hat man Griechenland abgeschrieben. Dass man den Griechen jetzt noch einmal helfen will, hat nichts mit Altruismus zu tun: Europa fürchtet die Ansteckung anderer Staaten, wenn Griechenland die Insolvenz anmeldet. Daher unterstützen die Banken, von der EZB mit frischer Liquidität aufgepäppelt, die eigenen, gefährdeten Staaten durch den Kauf von Staatsanleihen (eine der Erklärung für den wundersamen Zins-Abschwung für Italien und Spanien am Donnerstag – mehr hier).

Es zeichnet sich also ab, dass weitere Milliarden nach Griechenland fließen. Von wem die am Ende kommen, ist ebenfalls nicht besonders schwer zu erraten. Aber die deutschen Steuerzahler können sich in diesen unerfreulichen Zeiten mit einem Blick in die USA trösten: Dort hat Präsident Obama gerade den Kongress informiert, dass er seinen Zahlungsverpflichtungen nur nachkommen kann, wenn er weitere 1,2 Billionen Dollar drucken kann (mehr hier). Dagegen sind die Beträge, um die es bei Griechenland geht, tatsächlich nur Peanuts.

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Kommentare

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  1. Elsbeth sagt:

    Es geht doch nur um das Halten von Posten und Dienstwagen

  2. Georgmann sagt:

    Wie im Kindergarten,
    nein ich gebe nicht zu, dass ich Unrecht habe. Weitermachen bis zum Untergang.
    Die Titanic galt auch als unsinkbar, bis das Gegenteil eintrat.

  3. Mecky sagt:

    was unheimlich traurig ist,das die absolute Mehrheit des deutschen Volkes nicht begreift,weil es von den gekauften Medien,und Ökunomen hinters Licht geführt wird,das es gar nicht um die Rettung der einzelnen Länder geht,sondern nur einmal wieder um die Bankenrettung.80% der Hilfsgelder an Griechenland,fliessen sofort wieder zurück an die Grossbanken von Deutschland,Frankreich usw.zurück.Das Griechische Volk,hat also nichts davon. Unsere Scheißregierung,allen voran Merkel und Schäuble versuchen,uns mit Ihrem verbrecherischen Tun hinter das Licht zu führen,was ihnen ja auch hervorragend gelingt.Das diese Witzfiguren nur die willfähiegen Handlanger der Banken und Wirtschaftsbosse sind begreifen die Menschen anscheinend nicht.Wie ist es sonst zu erklären,das diese unfähiege nur dem Mammon unterstellte Deutsche Kanzlerin immer mehr an Zustimmung gewinnt? Menschen die wirklich Ahnung haben z.b.Proffesser Hankel,werden belächelt, weil diese in den gekauften,Medienanstalten nicht gehört werden.Die Menschen werden von unserem Ackermannliebchen mit Ihrem alternativlos,so richtig eingelullt.Und wenn wir, das deutsche Volk,nicht endlich wach werden,und unsere Politverbrecher nicht endlich teeren und federn und nackt aus Deutschland vertreiben,werden wir ein schreckliches Ende erleben!

  4. rxm sagt:

    Das Schnellballsystem Griechenlandrettung geht munter weiter Mit unserer Steuergelder natürlich, damit die Griechen weiter fleissig Stuern hinterziehen können.

  5. Selbstdenker sagt:

    „Des Wahnsinns fetteste Beute“ – ein sehr aufklärendes Video.

    http://www.youtube.com/watch?v=1YG69JSefJs&feature=youtu.be

  6. steuerembargo sagt:

    Die Politpuppenspieler brauchen einfach noch ein wenig Zeit, alles in trockene Tuecher zu bringen, bevor das Schiff dann versenkt wird. Das ist das einzige Fazit, was aus dieser Verzoegerungstaktik gezogen werden kann!

    • mandelkern sagt:

      Niemand will derjenige sein, der als erster das Dominosteinchen umwirft und die Kettenreaktion des Zusammenbruch auslöst.
      Also wird auf das Kartenhaus immer wieder oben aufgelegt…
      Denn der Verursacher wird danach die „Kriegsschuld“ aufgebürdet bekommen und abgestraft werden.
      Also zahlen wir gerade vorher, damit wir nicht wieder nachher die Reparationen an alle Welt leisten müssen, wie es bei einem Ausstieg und Rückkehr zur DM der Fall wäre.