Italien-Bonds: Feine Zinsen, wenig Interesse

Bei der heutigen Auktion für dreijährige italienische Staatspapiere setzte sich der Trend der fallenden Zinsen fort. Die italienischen Banken verwenden das Geld der EZB also zum Ankauf. Im realen Markt war das Interesse an Italien-Bonds dagegen überraschend gering.

Gestern rätselte der Markt noch über das Zinswunder in Italien und Spanien (mehr hier). Heute zeigt sich langsam, woher der Wind weht (nämlich von den EZB-Tender an die Banken – mehr hier). So erklärt sich auch, dass Italiens emittierte 3-Jahres-Anleihen mit sinkenden Zinsen über den Tisch gingen. Die Anleihen im Wert von 4,75 Milliarden Euro sanken erstmals wieder unter die fünf Prozent-Marke auf 4,83 Prozent – das niedrigste Level seit September. Im Dezember lagen die Zinsen noch bei 5,62 Prozent.

Als Käufer traten heute offenbar vor allem die italienischen Banken auf. Für sie ist das Ganze ein gutes Geschäft, weil sie die Staatsanleihen auf dem Sekundärmarkt an die EZB weiterreichen können (mehr zu Draghi-Rettungsplan für Europa – hier).

Insgesamt war die Nachfrage nach den 3-Jahres-Staatsanleihen überraschend niedrig. Das Verhältnis von Angebot und Nachfrage lag bei nur 1,22. Das ist sehr wenig, wenn man bedenkt, dass die Zinsen eigentlich gut sind und anzunehmen wäre, dass sich das Risiko einer Staatspleite Italiens über einen Zeitraum von drei Jahren in Grenzen halten dürfte.

Wohin die Reise gehen dürfte, zeigte sich dagegen bei den Bunds: Die deutschen Bundesanleihen fielen heute erneut um mehrere Basispunkte. Die „Unsicherheit ist extrem hoch“, so Michael Leister von der DZ Bank, der Markt „traut sich nicht“. Damit zeichnet sich ab, dass der Markt für Staatsanleihen weiter an Relevanz für die institutionellen Anleger verlieren wird (mehr zum Ausstieg der Pensionsfonds – hier).

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Kommentare

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  1. Schwarzsauer sagt:

    Das Augurengrinsen der Weltzerstörer sagt alles. Autistische Greise, durch Unwissenheit skrupellos geworden, träumen aus dem Jenseits von der Allmacht.

  2. khaproperty sagt:

    Seit die Unschuld der EZB schon von Trichet im Frühjahr 2010 auf dem öffentlichen Markt billigst verschleudert wurde, war Richtung und Ende der EZB vorgezeichnet:

    – Einmal damit begonnen, war ein Rückzieher von der verbotenen und auch noch regelwidrigen Monetarisierung der Staatsschulden (zunächst) der PIIGS-Nationen unter dem Euro-Deckmäntelchen nicht mehr möglich.
    – Die schlechte Tat zieht bis heute weitere und immer größere Staatsfinanzierungen nach sich, nun eben mal indirekte, was aber den Schaden nicht vermeidet oder gar mindert – im Gegenteil.
    – Erst als unvermeidbare Ausnahme zum Zeitgewinn und einer kurzen Überbrückung bis zur schnellen politischen Lösung proklamiert, ist es nun zur gesetzeswidrigen Regel verkommen, was absehbar war.
    – Die EZB verlottert nun erkennbar auch über die „indirekte“ Staatsfinanzierung zur einzigen „Bad Bank“ für alle Schrottanleihen aus Europa.
    – Die Gewährträger, also vor allem Deutschland, müssen alle Verluste – und die sind schon jetzt absehbar gigantisch – bezahlen, besser: ihre Steuerzahler.
    – Wegen der generellen Abstufungen bei der Hereinnahme von Kollaterals (Sicherheiten aller Art) landen bei der EZB daher auch alle globalen Müllanleihen von USA über Venezuela, Zimbabwe bis hin zu jeder Lumumba-Anleihe aus Afrika.
    – Und der deutsche Steuerzahler zahlt immer noch gern (!) die Zeche.

  3. Gast sagt:

    Die gekauften Anleihen werden bei der EZB als Sicherheit für Kredite hinterlegt. Somit liegt die Last am Ende auf der EZB. Ist schon ein tolles Geschäft. Da vergibt die EZB fast 500 Milliarden Kredit, die Banken kaufen damit dann Anleihen und nehmen diese Anleihen als Sicherheit für weitere Kredite bei der EZB. Und damit auch zukünftige Anleihenkäufe so funktionieren, wird die EZB im Februar wieder mit billigen Krediten um sich werfen, da bis dahin schon viel von dem 500 Milliarden Kredit als Anleihen im Keller der EZB liegen. Gut möglich das die EZB die Leitzinsen bis dahin noch senkt, wenn die Kapitalflut nicht die erwartete Wirkung zeigt.

    Das Anleihengeschäft findet eigentlich nur noch im Sekundärmarkt statt, da die Investoren auf den Anleihen nicht sitzen bleiben sondern als Kreditsicherheit weiter geben. Damit können sich die Banken Rekapitalisieren ( wie ja gefordert ) und die EZB bleibt als Gläubiger auf den Anleihen sitzen bis diese dann fällig werden.

    Da Italien noch 150 Milliarden braucht, welche ja normal über Anleihen finanziert werden, steigt beim aktuellen Zinssatz die Verschuldung für o.g. Milliarden auf
    157,245 Milliarden. Wenn man dies dann entsprechend der Fälligkeit weiter rechnet, so wird dieser Betrag nicht kleiner sondern größer. Berücksichtigt man den Schuldenberg von 1,8 Billionen. Euro (120 Prozent der Wirtschaftsleistung ), dann kommt man zu dem Schluss das Italien ( auch mit EZB ) einfach pleite gehen wird, wenn nicht ein Wirtschaftswunder passiert, welches ja durch massive Sparmaßnahmen allein nicht entsteht.

    Es nutzt also der EZB und Europa nichts Anleihengeschäfte durchführen zu können, wenn der Schuldner wirtschaftlich nicht in der Lage ist diese Anleihen dann auch mit Eigenkapital anstatt mit noch mehr Kredit für noch mehr Anleihenverkäufe zu bedienen. Im Moment werden also fällige Anleihen mit neu verkauften Anleihen finanziert und dabei gleichzeitig neue Schuldzinsen generiert, was die Schulden weiter steigen läßt. Monti müsste die Verschuldung um ca. 600 Milliarden drücken um den EU-Vertrag betreffend der Neuverschuldung überhaupt erfüllen zu können. Im Moment ist er bei 24 Milliarden geplanter Einsparung. Bei einem BIP von 1,2 Billionen beträgt die maximale EU konforme Neuverschuldung ( 3 % ) also 36 Milliarden oder die maximale Verschuldung 1,236 Billionen. Italien ist also derzeit mit 600 Milliarden über dem BIP verschuldet und damit faktisch zu 20 % pleite. Wenn Italien also 1,8 Billionen Schulden hat zu vielleicht netten 3 %, dann muß noch viel Geld allein für Schuldzinsen bezahlt werden.

    Klar das die Anleger nachdenken ob der zu erwartende Gewinn überhaupt noch gesichert ist wenn dieser nur noch auf neuen Schulden anstatt auf Wirtschaftsleistung basiert.

  4. Albert Albern sagt:

    Was soll man sonst tun, wen der „reale Markt“ nur irreale Zukunftsschulden „produziert“?

    Man muss halt experimentieren…

  5. Chris sagt:

    Ich würde mich jetzt garnicht so sehr darauf festlegen, daß diese Papiere über den Zweitmarkt zur EZB gefunden haben. Ich glaube, daß vor allem bei der UniCredit die Einsicht eingekehrt ist, daß man entweder nicht gerettet werden kann oder auf jedenfall gerettet wird, und daß in der weiteren Folge auf jedenfall klar ist, daß dem Institut keine eigenständige Zukunft bevorsteht. Unter den Umständen, daß man nichts zu verlieren hat, kann man bedenkenlos mit dem Feuer spielen.

    Letztlich ist das gut für Deutschland, denn dann bleiben die Probleme in Italien und werden nicht über die EZB in ganz Europa verteilt!

    Noch eines möchte ich an dieser Stelle zu bedenken geben. Die PIGS Länder können nicht gerettet werden! Wenn man es dennoch tut, gehen auch die noch einigermaßen gesunden Länder wie Deutschland und die Niederlande mit unter. Und das führt zu einem folgenschweren Resultat: Die wohlhabenden PIGSianer können ihr Kapital nicht innerhalb Europas in Sicherheit bringen. So dürfte man zu der Erkenntnis gelangt sein, daß ein sicherer Hafen langfristig Bestand haben muss. Zum anderen muss Fluchtkapital immer irgendwo hin! Wohin denn? USA? Keine gute Idee! China? Auch nicht! BRIC? Nöö! Und Gold? Nein! Das ist nur in physischer Form sicher, und wer schleppt schon gerne hunderte Barren mit sich rum?

  6. Anonym sagt:

    Ich habe mich gestern gefragt, wer denn bei den italienischen und spanischen Staatsanleihen als Käufer aufgetreten ist. Meine erste Vermutung war: Die EZB.

    Nun lese ich, dass diese Einschätzung schon sehr nah an der Wahrheit lag. Denn ob nun von der EZB direkt oder von den Banken als Strohmänner, das macht doch keinen Unterschied.

    Eines ist jedenfalls klar: Am normalen Kapitalmarkt kauft niemand Anleihen aus Italien oder Spanien!

  7. so-ist-es sagt:

    die zwei erinnern mich an die olsenbande.
    was wird hier wohl wieder ausgeheckt?
    na, was schon. ein neuer coup!

  8. Karl Heinz sagt:

    Zitat:“Im realen Markt war das Interesse an Italien-Bonds dagegen überraschend gering.“

    Ich würde mich auch nicht an einen Pokertisch setzen, an dem bereits 3 stadtbekannte Falschspieler Platz genommen haben.

    • schlaumeister sagt:

      Ilusionskünstler, linke Tasche-rechte Tasche, schwuppdiwupp wird
      Geld hervorgebracht und alle freuen sich – bis zum nächtsten Trick.
      Ist doch alles bestens.