Warum Frankreich-Downgrade die Euro-Rettung gefährdet

Wenn Frankreich das Triple A verliert, steht die ganze Euro-Rettung auf der Kippe. Denn der Rettungsschirm EFSF dürfte dann seine Top-Benotung auch nicht halten können. Damit wird die Euro-Rettung immer teurer.

Das Triple A ist vielleicht für die Franzosen oder die französischen Politiker nicht wichtig. Die Franzosen sehen den Verlust sehr emotional als Niederlage im Währungskrieg mit den USA. Der Leiter des Französischen Finanzmarktaufsicht AMF, Pierre Jouyet, hatte den Verlust des Triple A für Frankreich schon vor einiger Zeit als das finanzpolitische „Stalingrad“ für den Euro bezeichnet (mehr zu den bellizistischen Vergleichen des Franzosen – hier). Für eine Gruppe ist die Auszeichnung mit der Bestnote jedoch entscheidend: Für institutionelle Investoren und die Kapitalmärkte. Die größten Geldgeber der Welt geben Geld nur in Triple A Investments. Und die haben gar keinen Entscheidungsspielraum: Ist das Triple A einmal weg, dürfen verschiedene Investoren nicht mehr investieren (damit haben sie bereits begonnen – mehr hier). Diese strengen Regeln gelten für Vermögensverwalter, Pensionsfonds und Staaten.

Mit dem Verlust der Bestnote gefährdet Frankreich auch die europäischen Rettungsschirme EFSF und ESM. S&P hatte schon im Herbst angekündigt, dass auch der EFSF mit einem Downgrade rechnen muss, wenn Frankreich fällt (hier).

Dies hätte aber gravierende Auswirkungen für die schon laufende Euro-Rettung. Schon kommende Woche muss der EFSF wieder Geld aufnehmen, um Irland und Portugal am Laufen zu halten. Wegen einer schlechteren Bonität werden die Investoren höhere Zinsen verlangen. Dasselbe gilt für den ESM.

Um diese Zinsen zu bezahlen, müssen die soliden europäischen Staaten tiefer in die Tasche greifen: also in erster Linie Deutschland. Das Downgrade macht das Schuldenmachen teurer. Und damit sind möglicherweise alle Zahlen über Hilfszusagen, die bisher verhandelt und durch die nationalen Parlamente gepeitscht wurden, bald hinfällig.

Dann müsste die gesamte Euro-Rettung aufgeschnürt werden. Wegen der Rezession, die gleichzeitig in Europa eingesetzt hat, ist es schwer vorstellbar, dass viele Staaten bereit sein werden, die gemeinsame Währung zu finanzieren.

Das Debakel der Verhandlungen der privaten Gläubiger beim Schuldenschnitt in Griechenland wird dazu beitragen, dass Kapitalgeber künftig höchste Vorsicht bei Staatsanleihen walten lassen werden (mehr hier). Das sind keine guten Voraussetzungen für die Zukunft des Euro. Und das ausgerechnet am Freitag, dem 13. Januar.

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Kommentare

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  1. ichbindermartin sagt:

    Mal im Ernst. Wenn die Lage so bleibt wie sie jetzt ist, wäre ich für eine komplette Übernahme aller Euroland-Staatsschulden durch Deutschland. Nur noch Deutschland dürfte dann Kredite aufnehmen. Die Ausgabe von Staatsanleihen müsste auf dem Niveau der letzten Versteigerung (Negativzins im Verhältnis zur Inflation) eingefroren werden. Damit wäre Deutschland und ganz Europa langfristig entschuldet sowie die gesamte Last der Banken- und Eurokrise von den Banken selbst und den grossen Fonds geschultert.

    Ist doch die ideale Lösung, oder?

    • Peter Pan sagt:

      Das soll doch wohl ein übler Witz sein ! Schulden weg ?? Das ganze Finanzsystem ist krank. Und bei solchem Zustand hilft nichts mehr. Was ich nie begriff : w a s ist der Wert von Geld, sprich Krediten. Also hat jemand Knete, leiht es gegen Zins aus. Das hilft dem mauen, sei’s Staat,Firma, Privatier. Und was, wenn Kredit gekündigt ? Warum soll Wert dahinterstecken, wenn’s vom Belieben des Gebers abhängt, wie die Mäuse verfügbar sind… Jeder Staat hat die Fähigkeit, seine piepen selber zu Drucken. Und das Monopol. Nur muss er es delikatest und unter totalverschwiegenheit auf den „Markt“ bringen – und kann’s auch wieder einsammeln. Was so teuflisch ist : er würde wohl keine Zinsen fordern, es sei denn er selbst will daran verdienen. Warum soll das grosskapitalgesindel „Gewinn abschöpfen „, wenn ein bedachter Staat es für die Bürgerschaft erhält ? Heute sind’s nicht allein Scheine. Heute entsteht Geld durch Knopfdruck. Wood soll darin dann die vielgepriesene werthaltigkeit zu finden sein….