Italien: Parlaments-Stenograph verdient so viel wie der König von Spanien

Die Sparmaßnahmen der italienischen Regierung treffen die Bevölkerung hart. Doch es gibt Italiener, denen es noch immer äußerst gut geht. Angestellte im italienischen Senat gehören zu den Top-Verdienern. Selbst Senatoren können da nicht mithalten.

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Das Politiker oft mehr verdienen als die Verkäuferin um die Ecke ist keine Neuigkeit. In Italien jedoch gibt es innerhalb der politischen Arbeitswelt deutliche Unterschiede. Allen gemein sind die Zuschüsse, die das Grundgehalt aufstocken. Aber „wir sind nicht die einzigen hier, die überbezahlt sind“, sagt Paolo Franco, Senator der Lega Nord. „Der Vertrag für das Personal im Palazzo Madama (dem Sitz des Senats in Rom, Anm. d. Red.) ist atemberaubend.“ Die Angestellten dort würden über „unvorstellbare Karrieremöglichkeiten“ verfügen. „Es sollten keine weiteren Verträge dieser Art vereinbart werden. Alles muss geändert werden“.

Die Angestellten im Senat profitierten immens von diesen Verträgen. Vergangenes Jahr hat ein italienischer Stenograph, der beim Senat angestellt ist, fast 290.000 Euro Brutto im Jahr verdient. Das sind praktisch gleich viel wie der König von Spanien (dieser hat am Jahresende nur 2.000 Euro mehr auf dem Konto), und 50.000 Euro mehr als das Bruttogehalt, das Giorgio Napolitano (239.181 Euro) als Präsident von Italien erhält, schreibt der Corriere Della Serra. Aber auch ein Friseur am Palazzo Madama (160.000 Euro) oder ein Berater (417.000 Euro) verdienen viel im Vergleich zur normalen italienischen Bevölkerung.

Ähnliche Konditionen betreffen auch die Rente dieser Angestellten. Mit wenigen Abstrichen können diese, wenn sie vor 1998 ihre Arbeit angetreten haben, noch immer bereits mit 53 Jahren in den Ruhestand gehen. So erhält beispielsweise ein Berater im Parlament, der im Alter von 27 Jahren seine Arbeit dort begonnen hat, bei einem Renteneintrittsalter von 53 Jahren eine Brutto-Rente von rund 300.000 Euro pro Jahr, 85 Prozent des letzten, ausgezahlten Gehalts. Arbeitet er bis zum 60. Lebensjahr bleiben ihm für die Pension 90 Prozent des letzten Gehalts und somit zwischen 370.000 und 417.000 Euro, berichtet der Corriere. Selbst ein Senator mit maximalen Zuschüssen würde nie eine solche Pension erhalten, so die Zeitung.

Der italienische Finanzminister unter Silvio Berlusconi, Giulio Tremonti, brachte deshalb die dreijährige Solidaritätskürzung für Gehälter über 150.000 Euro im Jahr ins Spiel. Seit Dezember 2011 gibt es nun Bemühungen, dieses Ungleichgewicht zu beseitigen. Doch hierzu müssten die Verhandlungen der Verwaltungen mit den Gewerkschaften Früchte tragen. Ein schwieriges Unterfangen – für 1.000 Angestellte gibt es allein zehn Gewerkschaften.

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Kommentare

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  1. anus sagt:

    ani schmecken gut