Aufsichtsbehörde sagt Schattenbanken den Kampf an

Das internationale Kontrollgremium für die Stabilität der Finanzmärkte (FSB) will die Hedge Fonds aus dem Reich der Schattenbanken ans „grelle Tageslicht“ zerren. Ein hehres Unterfangen – mit zweifelhaften Erfolgsaussichten.

Der Finanzstabilitätsrat plant, die Schattenbanken ebenfalls unter Aufsicht zu stellen. Fast 60 Billionen Dollar umfasst dieses System mittlerweile. Aber auch die systemrelevanten Banken müssen Änderungen hinnehmen. Es soll weltweit eine Möglichkeit der geordneten Insolvenz geschaffen werden.

Was als Diskussionsforum unter dem Namen Finanzstabilitäts-Forum begann, soll nun als Finanzstabilitätsrat ein Vorkämpfer für globale Reformen zur Verhinderung einer erneuten Finanzkrise von 2008 werden. Im November wurde Mark Carney zum Vorsitzenden des Finanzstabilitätsrates (FSB) ernannt. Mark Carney, der auch Gouverneur der Bank of Kanada ist, verfolgt klare Ziele: Die großen globalen Banken sollen sicherer werden und das Regulierungsnetz muss ausgeweitet werden.

Der Finanzstabilitätsrat (Financial Stability Board) besteht unter anderem aus Notenbanken, Finanzministerien und Aufsichtsbehörden der G20 Länder und Ländern wie der Schweiz und Singapur. Aber auch die EZB, die EU-Kommission und Vertreter internationaler Organisationen sind Teil des FSB. Die Aufgaben des FSB umfassen das Auffinden von Schwachstellen im internationalen Finanzsystem, die Unterbreitung von Vorschlägen zu deren Beseitigung und die Überwachung der Umsetzung dieser.

Besonders die Schattenbanken sollen ans „grelle Tageslicht“ gezerrt werden, so Mark Carney in einem Gespräch mit der Financial Times. Diese machen mit einem Wert von 60 Billionen Dollar mittlerweile die Hälfte des traditionellen Bankensektors aus -  Tendenz steigend. Ihr Vorteil liegt derzeit auch darin, dass viele Banken ihre Kreditvergaben zurückkurbeln. Investment-Fonds, Hedge-Fonds und andere Finanzinstrumente müssen gezwungen werden, der realen Wirtschaft zu dienen, sagte Mark Carney der Financial Times.

Der Vorsitzende des FSB wolle alles daran setzen, dass die Banker aufhören, die eingeführten und geplanten Reformen zu verzögern oder aufzuweichen. Eine Rückkehr zu ihrem gewohnten Geschäft ist seiner Meinung nach nicht möglich, „die alte Normalität war deformiert“. Die von den Banken befürchteten Nachteile und Schwierigkeiten, die sich aus den zahlreichen Regelungen ergeben, „verblassen im Vergleich zu den Schwierigkeiten durch die verlorenen Gewinne und verlorenen Jobs“, die die Arbeitsweise der Banken ausgelöst haben.

Die FSB und Mark Carney wollen die Schattenbanken so umgestalten, dass diese von einer Bedrohung zu einem nützlichen Baustein für ein stabileres Finanzsystem werden. „Was ist der Vorteil dieser Hälfte des Systems? Es kann eine Streuung im Finanzsystem schaffen und so auch Stabilität“, so Carney.

Darüber hinaus sollen die 29 weltweit systemrelevanten Banken bis Ende des Jahres eine Art „Testament“ erarbeiten. Dadurch wären die Regierungen in der Lage, sehr große Banken aufzubrechen und abzuwickeln, statt sie um jeden Preis retten zu müssen. Geordnete Insolvenz soll nicht nur in einzelnen Ländern möglich sein. „Marktbasierte Systeme bedeuten, dass du mit den Konsequenzen deiner Handlungen lebst. Du scheiterst, wenn du ausrutschst.“

Die Kritik der Banken, die vielen Änderungen in den Regulierung würden die angeschlagene Wirtschaft untergraben und die Kreditvergabe verzögern, lässt Mark Carney nicht gelten. Er versprach, die weltweiten Aufsichtsbehörden würden die Änderungen an den neuen Regulierungen vornehmen. Allerdings nur, wenn die Industrie nachweisen könne, dass die Regeln unvorhergesehene Konsequenzen hätten. Aber warnte zugleich, dass sich die FSB nicht beirren lasse.

Ob die zahlreichen geplanten Regulierungen zu der Stabilität des Finanzsystems tatsächlich beitragen können, bleibt abzuwarten. Bisher waren die Banken mit der Entwicklung von neuen Finanzinstrumenten sowie dem Auffinden großer und kleiner Schlupflöcher immer mindestens drei Schritte schneller als die Aufsichtsbehörden. Um beispielsweise zu verhindern, dass ihre Tochtergesellschaften der nationalen Aufsichtsbehörde des Landes, in dem sie agieren, unterliegen, änderten die Banken einfach die Rechtsform ihrer Tochtergesellschaften (mehr hier). Da wird es die FSB sicher freuen, dass London sich jetzt als führenden, westlichen Offshore-Markt für die chinesische Währung etablieren will.

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  1. khaproperty sagt:

    Zwar können von denen auch einige Risiken realisiert werden, aber von wem nicht?
    Immerhin verwalten sie regelmäßig nur private (risikobewußte) Gelder nebst den vom System genehmigten Kredithebeln. Bei Letzterem ließe sich vielleicht etwas machen, recht einfach und schlicht sozusagen.
    Aber sonst werden sie offenbar weit überschätzt zumal aktuell nicht viel los ist mit ihnen, weil es an Gelegenheiten und – es klingt grad jetzt schon merkwürdig – an Geld mangelt.

    Ein grundsätzlicher und offenbar unausrottbarer Irrglaube bleibt es, vermittels restriktiver Regularien in Abläufe eingreifen zu müssen, um sodann Probleme gelöst zu sehen.
    So ist historisch belegbar, daß bald alle (staatlichen) Regulierungen dazu führten, daß der Markt (= die Menschen) zu dem Schluß gelangten:
    Der Staat eröffnet ein Spiel zu seinen Regeln – dann soll er es auch zu Ende bringen (zu Lasten seiner Steuerzahler), auch und gerade, wenn es schiefläuft.
    Dieser Überlegung ist ihre zwingende Logik nicht abzusprechen.
    So erklärt sich, daß Staatsgläubigkeit und Unmündigkeit “Hand in Hand” anwachsen.
    Politiker haben es dann und deshalb immer leichter, ihre Bevölkerungen zu manipulieren und zu drangsalieren unter Verlust derer Freiheiten.

  2. Dagmar Kohlrausch sagt:

    Auch wenn es weh tut, lasst die Banken gnadenlos gegen die Wand kacheln.

  3. Karl Heinz sagt:

    Interessant – die Aussagen des FSB stehen im krassen Widerspruch zu den Beschlüssen des letzten G20. Da wurden die systemrelevanten Banken ausgekegelt, die auf jeden Fall gerettet werden müssen.

    Vielleicht interessant für andere. Kanada hat die Probleme der anderen krisengeschüttelten Länder nicht, weil sie ihren Bankenmarkt -nicht- dereguliert haben.
    Kanada hat sein striktes Trennbankensystem beibehalten.

    @ Redaktion – Wer steckt hinter dem FSB?

  4. FDominicus sagt:

    Wieder so ein Wortungetüm. Wie halt im Sozialismus so üblich.

    • Chris sagt:

      Ja, denn das Problem ist nicht allein in den Banken zu suchen, sondern auch bei den Regierungen. Die versorgen sich über die Banken mit billigem Geld, um ihre Sozialstaatsträume realisieren zu können. Die Banken dienen nur als Alibi, um der Bevölkerung vorzugaukeln, daß die Nationalbanken kein Geld drucken können. Für die Banken ein einträgliches Geschäft. Und DAS hat nichts mit Marktwirtschaft zu tun!

  5. Waltraud Schlimm sagt:

    Die Bankenlobby ist so mächtig. Sie werden Wege finden an die keiner denkt. Ich könnte mir vorstellen das es dann Schwierigkeiten gibt.
    Die Banken haben die Macht auch Staaten fallen zu lassen. Dazu ist die Abhängigkeit zu groß. Das wird nichts, aber es hört sich gut an.

    • Chris sagt:

      Ja, Leute ich wie ich sind genau dazu ausgebildet. Und ich kann versprechen, daß noch so komplexe Konstrukte möglich sind, daß der Zertifikatemarkt blass dagegen aussieht!

      In Zukunft werden es nicht die Investmenkänker sein die gutes Geld verdienen. Denn die können tatsächlich garnichts!

      Die Schnittstellen von Ökonomie, Rechtswissenschaft und Betriebswirtschaft sind so komplex, daß es nur wenige extrem gute Leute gibt, die da den Überblick behalten können. Auch wenn man nicht den Eindruck haben sollte, aber in den Banken sind auch sehr viele Looser unterwegs!

  6. hunsrückbauer sagt:

    propaganda zur besänftigung des pöbels..
    sonst nix.