Monti: Deutschland muss Italien beim Schuldenzahlen helfen

Italiens Regierungschef Mario Monti hat dafür plädiert, dass Deutschland und andere Gläubigerstaaten Italien helfen sollten, die Kosten für seine Schulden zu verringern. Sonst wäre die Entwicklung unerfreuliche Rückwirkungen auf Deutschland haben. Was er eigentlich will sind Eurobonds.

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Mario Monti ist ein typischer Investment-Banker (mehr zu seinem Goldman-Hintergrund – hier). Toll in der Theorie, recht profan in der Praxis. In einem Interview mit der FT sagt Monti wahre Sachen, garniert sie aber so, als hätte er einen Schnellkurs in politischer Intrige bei José Manuel Barroso oder Herman Van Rompuy absolviert: Deutschland müsse Italien helfen, seine Schuldenlast zu erleichtern. Das klingt wie eine Ouvertüre zu einer Debatte über einen Schuldenschnitt, wie der letzte Akt gerade in Athen zu beobachten ist. Da hat Monti in der Sache vermutlich sogar recht: Wenn die Zinsen für Staatsanleihen weiter so hoch bleiben, ist Italien bald genauso zahlungsunfähig wie Griechenland.

Daher sagt Monti: „In Italien haben wir nun ein Sparprogramm aufgelegt, und zwar zum Wohl der zukünftigen Generationen Italiens und nicht, um Berlin gefällig zu sein. Weil wir aber hier Opfer gebracht haben, muss uns nun anderswo finanzielle Erleichterung gewährt werden, und das kann nur bei niedrigeren Zinsen für unsere Staatsanleihen sein.“

Monti sagte, dass die Deutschen den Italienern in „ihrem eigenen aufgeklärten Interesse“ helfen sollten. Die Deutschen würden einen „schweren Rückschlag“ erleben, wenn sie nicht anerkennen, dass der deutsche Primat bereits erfolgreich in die Südländer „exportiert“ worden sei. Denn: „Wenn die Deutschen die starke Bewegung in Richtung Sparkurs und Stabilität in den peripheren Ländern nicht anerkennen, werde es einen mächtigen Rückschlag in jenen Ländern geben, die nur zum Sparen gezwungen werden.“

Monti hat als guter Investment-Banker natürlich einen Deal im Hinterkopf: Er will Eurobonds, und hat dies ja schon mehrfach gesagt (zum Beispiel hier). Eurobonds seien keine Gefahr für Deutschland: „Berlin kann ganz entspannt bleiben!“ Und außerdem gebe es ja den hervorragenden Fiskal-Pakt (ist nicht mehr als eine labbrige Lasagne – mehr hier). Wegen dieses prachtvollen Lippenbekenntnisses zum Sparen könne die EZB nun ebenfalls ganz beruhigt Geld drucken.

Eine weitere Finte präsentierte Monti, als die Sprache auf die Unabhängigkeit der EZB kam: Sarkozy, Merkel und er hätte „symmetrisches Schweigen“ gegenüber der EZB vereinbart, damit diese in ihrer „Autonomie“ Geld drucken könne, wenn sie es für nötig erachtet. Wie das Schweigen der Italiener Monti und Mario Draghi, dem Präsidenten der EZB, aussieht, kann man an der Hilfe der EZB beim Drücken der Zinsen der italienischen Bonds am Montag beobachten (mehr hier).

Als politischer Zauberlehrling präsentierte sich Monti auch in der Analyse der Herabstufungen durch die Ratingagentur Standard & Poor’s (mehr hier): Er sagte, dass S&P Italien nicht wegen seiner Regierung der Technokraten, sondern wegen „der europäischen Politik und der europäischen politischen Institutionen“ herabgestuft habe.

Monti leistet in seiner Analyse mit dieser Mischung zwar einen wertvollen Beitrag zur Rückkehr des Realitätssinns, indem er bekennt: Italien wird es aus eigener Kraft nicht schaffen. Die richtige sachliche Analyse verdirbt Monti jedoch gründlich durch unnötige Schuldzuweisungen, wie sie in der europäischen Suche nach dem Sündenbock schon zur Genüge verteilt werden. Diese Seitenhiebe zeigen eine gewisse Hilflosigkeit, und tragen dennoch zur Zersetzung der europäischen Gemeinschaft bei.

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Kommentare

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  1. Jürgen sagt:

    Wir pofitieren von Europa, Europa profitiert von uns.
    Italien hat seit 50 Jahren keine ordentliche Regierung hervorgebracht.
    Wie wir leben sie über ihre Verhältnisse.
    Nur haben wir eine leistungsfähigere Wirtschaft und sind noch
    in der Lage zu helfen.
    Italien ist politisch durch Berlusconi am Ende und Monti versucht nun
    mit faulen Tricks den anderen ein schlechtes Gewissen einzureden.
    Desweiteren versucht er die Schulden Italiens auf die Euroländer
    umzulegen. Das ist keine Perspektive mehr für ein geeintes Europa.
    Wir monövrieren uns in eine Sackgasse, deren Ausgang ungewiss
    ist. Wenn wir ein so enges Staatenbündnis sind, wie wir vorgeben,
    müssten wir uns auch mal die Wahrheit sagen können.
    Unter Bundeskanzler Schröder und Außenminister Fischer kamen die
    Griechen in den Euro, was nach den Zahlen nie geschehen hätte
    dürfen. Jeder hat es gewusst, keiner hat dagegen protestiert.
    Das weiß auch Monti.
    Wenn wir das nicht ändern, gehen wir auf einen noch grösseren
    Konflikt wie den 2. Weltkrieg zu. Der Hass und Neid auf Länder wird
    zunehmen und eskalieren.
    Dass so ein Konflikt gewollt ist, ist verständlich, da sich daraus
    unendlich viel Kapital schöpfen lässt.
    Leider bin ich der Meinung, dass wir auf einen großen Konflikt
    zusteuern.

  2. bendix sagt:

    Wenn wir alle unsere Euronen von den Banken nach Hause holen und jeder von uns
    noch zehn andere dazu bewegen kann usw. usw., dann könnten wir mal einen richtigen
    Herdentrieb entfachen.