Angst vor China-Crash: Wachstum immer langsamer

Nur weiteres, deutliches Wachstum kann in China einen Crash verhindern. Doch danach sieht es nicht aus: Beobachter rechnen mit dem geringsten Wachstum seit zweieinhalb Jahren. Die Industrieproduktion wird ebenfalls schlechter ausfallen.

Am Mittwoch werden in China unter anderem die Daten zu den Einzelhandelsverkäufen und der Industrieproduktion veröffentlicht. Doch die meisten Beobachter sind sehr skeptisch. Die Zahlen dürften nicht gut sein. Eine Befragung von 26 Ökonomen durch Bloomberg zeigt, dass die Chinas Wirtschaft angeschlagen ist. Es wird geschätzt, dass die Wirtschaft Chinas im letzten Quartal 2011 so wenig wie zuletzt vor zweieinhalb Jahren gewachsen ist. Vermutlich nur eine Steigerung von 8,7 Prozent im Vergleich zum Vorjahresquartal. Auch wenn das für europäische Verhältnisse sehr viel ist – aber für die zweitgrößte Wirtschaft der Welt ist das ein deutlicher Abschwung. Und das sind nur die offiziellen Zahlen: Schon haben institutionelle Anleger begonnen, Teams nach China zu entsenden. Diese sollen prüfen, wie schlimm die Lage wirklich ist (mehr hier).

Für die Industrieproduktion im Dezember rechnen die Experten nur mehr mit einem Anstieg von 12,3 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Zuletzt war das Wachstum in der Industrieproduktion im August 2009 so niedrig. Auch hier spielt die schwächelnde weltweite Wirtschaft eine Rolle – aber auch die chinesische Regierung. Um die drohende Immobilienblase abzuwenden (mehr hier), ergriff sie abkühlende Maßnahmen. Dadurch sanken die Immobilienverkäufe sowie die Investitionen. Entsprechend rückläufig war die Nachfrage nach Rohstoffen. Selbst in der Autoindustrie ist eine Sättigung eingetreten (mehr hier).

Ein weiterer Grund für das geringere Wachstum in China ist auch die geringe Zunahme der Exporte. Dies ist vor allem auf die stagnierende Wirtschaft weltweit und besonders in Europa zurückzuführen (mehr hier). Für dieses Jahr sind die Erwartungen allerdings keineswegs besser. „Das Schlimmste wird noch kommen. Die dämpfenden Maßnahmen“ der chinesischen Regierung, wie etwa zur Bekämpfung der Inflation (mehr hier), werden bald zu spüren sein, so Zhang Zhiwei von Nomura Holdings in Hong Kong. Im ersten Quartal 2012 gehen die Experten von einem Wachstum von nur noch 7,5 Prozent aus.

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Kommentare

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  1. Gast sagt:

    Das Kartenhaus wackelt an allen Ecken und Enden.
    Ein kleiner Ruck und alles fällt in sich zusammen, demnächst.

  2. khaproperty sagt:

    Richtig, China steht am Abgrund.
    Man muß wissen, daß chinesisches Wachstum von mindestens 6% nötig ist, um eine dramatische Rezession zu verhindern. Alles, was drüber geht, ist bitter nötig, um eine Katastrophe einigermaßen zu vermeiden.
    Hinzu kommt, daß die offiziellen Zahlen nicht vertrauenswürdig sind und mit dem Schlimmsten gerechnet werden sollte.
    Evident ist die Exportabhängigkeit und die schleppende Inlandsnachfrage – sieht man von den paar wenigen Luxus-Spinnern mal ab, die zahlenmäßig nicht ins Gewicht fallen.
    Die Inflation ist entgegen inländischer Propaganda keineswegs im Griff. Lebensmittel sind kaum bezahlbar.
    Alles in allem verwundert die Unbeschwertheit in den westlichen Industrieländern, die sich darauf zu beschränken scheinen, Nabelschau zu betreiben.

    • Wirtschaftsinteresse sagt:

      Können Sie mir das weiter erläutern? Ich würde es gerne in meine Argumentation übernehmen, mir fehlen nur Logikargumente. Also 6%+ ist wie bei uns +/-0%. Das kann ich teilweise nachvollziehen. Welche Faktoren gibt es, die ein Wachstum von 6% neutralisieren? Ich vermute es ist die Bevölkerungswachstumsrate, die Lohnsteigerungen und was noch?

      Desweiteren liegt der Wert ja bei 8,9%. Also 2,9% über dem Wert Null. Also wächst es ja noch erheblich. Was etwas anderes als der nahende Zusammenbruch ist. Was spricht noch gegen diese Annahme?

      Was muss man alles noch bedenken um auf eine so negatives Gesamturteil zu kommen wie Sie und Herr Schlaumeister? Ich bin sehr offen für Minderheitenmeinungen (Nicht-Mainstreammeinungen), aber im Argumentationskampf müssen diese Stichfest sein.

  3. schlaumeister sagt:

    Da tickt eine Mammut-Zeitbombe. Unvorstellbar, wenn ein 1,3 Milliarden Einwoh-
    ner Land aus dem Gleichgewicht kommt. Das hatte bisher kein Experte auf dem Ra-
    dar. Unsere Exporte nach Asien, auf die wir so stolz sind werden gewaltig einbre-
    chen.

  4. FDominicus sagt:

    Vor gar nicht langer Zeit schrieb ich hier, Wer Geisterstädte baut, macht auch noch anderen Unsinn. Damals wurde mir erzählt, das Alles sei schon richtig so….

    • Xico sagt:

      Für mich erinnert China mehr und mehr an die sozialistischen Länder in den 70 und 80. Auch die BRD war nach der Wiedervereinigung erschrocken, wie desolat die DDR Wirtschaft war und das obwohl sie jahrelang durch den BND gute Spionagenetze aufgebaut hatten…dachten sie zumindest.
      Aber immerhin wurde in der DDR jedes Jahr der 5 Jahresplan übererfüllt…das sollte jedem zu denken geben in Bezug auf China …