China: Weniger Wachstum wegen Krise in Europa und USA

Im vergangenen Quartal hatte China das geringste Wachstum seit zweieinhalb Jahren. Sinkende Exporte, eine zu hohe Inflation und Maßnahmen zur Beruhigung des Immobilienmarktes waren die Ursache.

Nur um 8,9 Prozent wuchs die chinesische Wirtschaft im letzten Quartal 2011. Kontinuierlich hatte das Wirtschaftswachstum das ganze Jahr über abgenommen. Lag es im zweiten Quartal noch bei 9,5 % waren es im dritten bereits nur noch 9,1 Prozent. Mit Blick auf das gesamte Jahr lag das Wachstum 2011 bei 9,2 Prozent im Vergleich zum Vorjahr und somit ähnlich schlecht wie im Jahr 2009, als die Finanzkrise ihre Wirkung zeigte.

Ma Jiantang, Sprecher des Nationalen Büros für Statistik, sagte bei der Bekanntgabe der neuesten Zahlen, dass China sich in einer „düsteren, hochkomplizierten und ernsten internationalen Umgebung bewegt“. Diese Entwicklung sei jedoch vor allem auf die „Trägheit der am besten entwickelten Wirtschaften zurückzuführen“.

Zugegeben, das chinesische Wachstum ist in seiner Größe nicht vergleichbar mit der Situation in den USA oder der EU. Aber für China ist es die einzige Garantie, einen Crash zu verhindern. Mehrere Faktoren waren verantwortlich für das beunruhigend geringe Wachstum in den letzten drei Monaten des Jahres 2011. Faktoren, die noch immer eine akute Gefahr für Chinas Wirtschaft darstellen. Aufgrund der Krisen in den USA und in Europa, Chinas größten Absatzmärkten, sanken die Exporte des Landes deutlich (mehr hier). Doch auch die Importe Chinas nahmen stärker ab als erwartet. Viele der Importe werden zur Weiterverarbeitung in der Produktion genutzt werden, um anschließend fertige Produkte zu exportieren. So zeigt sich auch hier, dass mit einem weiteren Abschwächen der Exporte auch im Jahr 2012 zu rechnen ist.

In China selbst hatte die Regierung mit einer starken Inflation zu kämpfen, die im Juli bei 6,5 Prozent lag. Die wachstumsdämpfenden Maßnahmen der Regierung verringerten zwar die Inflation auf 4,1 Prozent im Dezember, aber beeinträchtigten so das Wirtschaftswachstum. Und noch immer sind die Lebensmittelpreise im Dezember auf einem gefährlich hohem Level von 9,1 Prozent gewesen (mehr hier).

Die wachstumsdämpfenden Maßnahmen wie straffere Kreditbedingungen waren auch eingeführt worden, um den boomenden Immobilienmarkt zu beruhigen (mehr hier). Hier droht noch immer eine Gefahr. Die Immobilienblase könnte platzen und viele lokale Regierungen sind aufgrund von Bauprojekten immens verschuldet (mehr hier). Andererseits war gerade der Immobilienboom in den vergangenen zehn Jahren einer der Hauptmotoren der chinesischen Wirtschaft.

Viele Experten rechnen auch 2012 mit einem weiteren Rückgang des chinesischen Wirtschaftswachstums. JP Morgan etwa geht aufgrund der sinkenden Exporte in die EU und Japan von nur noch 7,6 Prozent Wachstum im 1. Quartal aus.

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Kommentare

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  1. Gengster sagt:

    Es sind nicht nur China, Europa, USA verschuldet, sondern die gesamte Welt.
    Denn warum kaufen alle Staaten,die es Können,immer verstärkter die Edelmetalle
    Gold,Silber,Platin etc.

    Bitte Antwort auf dieser Seite von der Rdaktion.

  2. Wilfried sagt:

    Ansichten zur „Krise“ der chinesischen Volkswirtschaft von Folker Hellmeyer:

    Wenden wir uns damit China zu. Einige Kollegen erlaubten und erlauben sich latent, die „Performance“ der chinesischen Wirtschaft als riskant einzuschätzen. Das Thema Rezession wurde und wird immer wieder aufgeworfen. Die Positionen, die im Forex Report dazu eingenommen wurden und werden stehen im diametralen Widerspruch zu diesen Sichtweisen.

    Der klar geäußerte Wille der chinesischen Führung zielte auf ein Abkühlung der Wirtschaft, um Boomelementen mit den damit verbundenen Verwerfungen entgegenzuwirken. Auf diesem Weg ist China äußerst erfolgreich. Der Immobilienmarkt ist merklich abgekühlt. Der Inflationsdruck ist deutlich rückläufig. Nach der Einbremsung wurden zuletzt leichte Stimulierungsmaßnahmen getroffen, um den anvisierten Wachstumspfad von 8%+ Wachstum per 2012 zu sichern.

    Das BIP Chinas verzeichnete per 4. Quartal 2011 einen Anstieg in Höhe von 8,9% nach zuvor 9,1% im Jahresvergleich. Im Gesamtjahr 2011 stellte sich das Wachstum auf 9,2%. Exporte nahmen im Gesamtjahr um 20,3% zu, während Importe um 24,9% zulegten. China mit einem Anteil von circa 12% an der Weltwirtschaft ist und bleibt einer der wesentlichsten Motoren. Eine Staatsverschuldung von weniger als 20% des BIP, eine Konsumverschuldung bei 0% der Arbeitseinkommen und eine Sparquote bei 40% bei Devisenreserven von mehr als 3.150 Mrd. USD sind Grundlage einer äußerst kommoden Situation.

    http://www.godmode-trader.de/nachricht/SP-stuft-EFSF-von-AAA-auf-AA-gelassene-Marktreaktion-China-weiter-stark,a2736282,b605.html

  3. khaproperty sagt:

    In der Tat tragen die Immobilieninvestitionen erheblich zum GDP bei. Sie sind allerdings geprägt von Schlendrian, Korruption und sinnloser Verschwendung.

    Um die von der Zentralregierung verordneten Kredithemmnisse umgehen zu können, haben Provinz-, Regionl- und Stadtregierungen die aus USA (Immobilienkrise) sattsam bekannten „special purpuse vehicel“ tausendfach gegründet und sie in den „Verteiler“ als Kreditnehmer eingespeist. Was in USA und EU sowie anderswo als Versteck von zweifelhaften Immobilienanleihen diente, soll in China der ungehinderten Kreditaufnahme zur Finanzierung einerseits der Gemeindegrundstücksverkäufe und andererseits des Property-Developments (der Baumaßnahmen) dienen.

    Ein milliardenschweres Geschäft für die Regionalfürsten und deren Mitläufern. Durch die unbeschreiblichen Bereicherungsmöglichkeiten für sonst belanglose bis kleine Funktionäre blüht diese Geschäft fast ungehindert von den offiziell beschlossenen Eindämmungsmaßnahmen.
    Eine veritable Bombe.