Portugal: Gewerkschaften knicken ein

Portugal steht enorm unter Druck. Die portugiesische Regierung musste heute Arbeitsmarktreformen auf den Weg bringen. Eine Gewerkschaft war so empört, dass sie die Verhandlungen frühzeitig verließ.

Die neuen Arbeitsmarktreformen sind „der größte Rückschritt auf dem Arbeitsmarkt in der Geschichte Portugals“. Mit diesen Worten verließ der Chef des größten Gewerkschaftsbund CGTP mitsamt seinen Mitarbeitern frühzeitig die Verhandlungen. Die Arbeitsmarktreformen, die Ministerpräsident Pedro Passos Coelho am Dienstag durchsetzen wollte, sind ein starker Einschnitt in die Arbeitsbedingungen der Portugiesen. 17 Stunden dauerten die Verhandlungen.

Dennoch stimmten die Gewerkschaften und die Arbeitgeber den Reformen zu. Am Mittwoch soll der Pakt unterschrieben werden. Urlaubskürzungen, eine Senkung der Abfindungen und Erleichterung bei der Kündigung von Arbeitnehmern sind das Ergebnis. Die anfängliche Idee der Regierung, den Arbeitstag in der Privatwirtschaft um 30 Minuten zu verlängern, wurde jedoch verworfen. Nur so schien eine Einigung möglich. „Portugal zeigt der Welt, dass wir unsere Probleme lösen können“, sagte der portugiesische Wirtschaftsminister Alvaro Santos Pereira im Anschluss an die Verhandlungen.

Das Land hat allerdings gar keine andere Wahl, als die Probleme anzugehen. Portugal muss in diesem Jahr sein Haushaltsdefizit von 9 Prozent im Jahr 2010 auf 4,5 Prozent verringern (mehr hier). Seit der Herabstufung durch Standard & Poor’s hat das Land einen Junk-Status und wird so zunehmend Probleme haben, sich zu refinanzieren. Nach dem Downgrade stiegen die Preise für die Absicherung gegen eine Portugal-Pleite (CDS). Im Falle eines Griechenland-Bankrotts gilt Portugal als höchstgefährdet (Fitch rechnet bereits mit einer Insolvenz Griechenlands – mehr hier).

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Kommentare

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  1. Schwarzsauer sagt:

    Als Dritte-Welt-Land qualifizierte sich Portugal natürlich hervorragend für die Euro-Gurken-Zone. Das Gejaule jetzt ist mehr als lächerlich: die haben nichts und werden nichts, das aber mit ihrer ureigenen Theatralik, höre Fado. Jetzt heißt es sparen, liebe Südländer, Deutschland ist gottseidank pleite.
    Dass ein Erz-Kommunist wie Barroso hier einen auf dicke Hose machen kann, zeigt die moralische Verkommenheit von Eurotologie.

  2. schlaumeister sagt:

    wenn sie von dem leben, was sie einnehmen, sind sie erledigt. Sie haben sich an
    ständiges Schuldenmachen durch den zinsgünstigen Euro gewöhnt. Jetzt geht es
    zurück in die Armut.

  3. Druidenstein sagt:

    Auch für Portugal gilt:

    Eine Kolonialmacht, investiert nicht in die heimische Infrastruktur, wenn man auch ohne Investitionen in den Kolonien zu Reichtum gelangen kann. Als die Kolonien abgestoßen wurden, regierten die Sozis in Lissabon. Und die wollten Portugal natürlich nicht aus dem alten Kolonialtraum erwecken. Und so spielte man weiter den Kolonialstaat, allerdings ohne die dazu nötigen Kolonien. Gibt es noch etwas außer Tourismus und Kork, und Armut was dieser Staat zu verkaufen hat?

    • Willi Wucher Hehlerkönig sagt:

      Portwein, Fado, Azulejos die tollen Kacheln, Fisch, Oliven, Vinho Branco e Tinto, und viele viele hübsche Portugiesinnen, die schönsten Frauen von Europa.