Spekulation: Einigung mit Griechenland auf 68% Haircut

Im Poker um Griechenland sagt ein Hedge-Fonds Manager aus der Gläubiger-Gruppe, man stehe unmittelbar vor einer Einigung auf einen 68% Schuldenschnitt. Für die Meldung gibt es keine Bestätigung.

Bruce Richards, Hedge Fonds Manager von Marathon Asset Management, sagte dem Nachrichtendienst Bloomberg, dass die Verhandlungen über einen Schuldenschnitt in Griechenland unmittelbar vor einer Einigung stünden. Demnach würden die Gläubiger einem 68% Schuldenschnitt zustimmen. Richards: „Es ist eine sehr, sehr hohe Wahrscheinlichkeit, dass dieser Deal durchgeht. Es ist das Maximum, das die Gläubiger bekommen können.“

Ein Sprecher des Bankenverbandes IIF wollte die Spekulation nicht kommentieren. Er sagte lediglich, dass die Verhandlungen weitergehen.

Richards ist Mitglied des 32köpfigen Gläubiger-Komitees, welches den Schuldenschnitt mit Griechenland verhandelt. Er sitzt jedoch nicht im Leitungsgremium, welches die Verhandlungen im Detail führt.

Richards sagte weiter, es werde etwa 4-5% Zinsen für die neuen Anleihen mit Laufzeiten von 20 und 30 Jahren geben. Er rechne damit, dass 70 bis 80 Prozent der Gläubiger diesem Deal zustimmen würden.

Die Gläubiger würden somit 32% ihrer Investments retten können. Ein Teil davon würde in neue Bonds umgewandelt, der andere Teil in Cash ausbezahlt. Dieses Geld für Banken und Hedge Fonds würde vermutlich von den Euro-Zonen Staaten bezahlt werden: Die Euro-Länder hatten sich beim Gipfel vom 26. Oktober auf die Zahlung von zusätzlichen 30 Milliarden Euro für die Griechenland-Rettung verpflichtet. Eine genau Zuordnung, was mit dem Geld geschehen sollte, wurde nicht vereinbart.

Noch ist unklar, ob es sich bei dieser Spekulation um Taktik handelt, um die Verhandlungen zu beeinflussen. Richards sagte nicht, in welcher Höhe er Bonds hält. Der Finanzblog Zerohedge spekuliert, dass Richards angeblich gar keine Griechenland-Bonds mehr hält.

Unklar ist ebenfalls, ob bei einem solchen Deal die CDS gezogen werden könnten. Einer Untersuchung der Duke-Universität zufolge unterliegen etwa 90% aller griechischen Staatsanleihen griechischem Recht, der Rest unterliegt meist britischem Recht. Demnach wäre das Risiko im Falle einer Zwangsumschuldung (Collective Action Clause, CAC) lediglich bei 25 Milliarden Euro.

Beobachter glauben, dass diese Summe vergleichsweise leicht von IWF, EZB und Euro-Staaten übernommen werden könne. Einzelne Analysten halten diese Einigung für denkbar – weil die Gläubiger Verluste in der Höhe eine 75% Haircut angenommen hatten. Demnach wäre ein 68% Haircut ein Gewinn ein Profit von 28% – und so könnten die Gläubiger in ihren unendlich geduldigen Bilanzen das Griechenland-Abenteuer als „überdurchschnittlich profitabel“ verbuchen. Sollte sich Griechenland nicht wie erwartet – mit 120% Schuldenquote auf das BIP – erholen, könnte die Pleite schon in wenigen Monaten wieder auf der Tagesordnung stehen. Nicht umsonst trägt der Hedge Fonds von Richards den schönen Namen Marathon.

Mehr zum Thema:
Griechenland: Auch EZB und Hedge Fonds müssen beim Schuldenschnitt mitmachen
Fitch: Griechenland geht vor dem 20. März pleite
Italienische Zentralbank: Italien hat sich bereits angesteckt

Kommentare

Dieser Artikel hat 10 Kommentare. Wie lautet Ihrer?

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

  1. khaproperty sagt:

    Mit den mehr oder weniger altbekannten Buchhaltertricks läßt sich eine Zeitlang vielleicht noch Verwirrung stiften.
    Am Tag der Wahrheit – und der scheint nahe – allerdings helfen auch die nicht mehr.
    Dann nämlich stehen alle nackt da und der Anblick stimmt je nach Mentalität depressiv bis recht heiter.

  2. der Bauer vom Hunsrück sagt:

    68% das wird reichen um GR weiter in Armut zu halten..

  3. emiliabolo sagt:

    Denkt doch mal weiter! Wer das kleine Griechenland (vergleichbar mit Hessen) nicht rettet, sondern in die Drachme treibt – hat den ganzen Schlamassel am Hals. Jeder Portugiese, jeder Italiener usw. wird dann ähnliches für sich nicht mehr ausschließen d.h. sein Geld ist möglicherweise nur noch die Hälfte wert und wer das dann nicht schneunigst rettet (Gold, Dollar u.ä.) dem ist nicht mehr zu helfen. Euro mausetot. Deutscher Euro Aufwertung + 20 Prozent = 1 Million Arbeitsplätze.
    Nur hätte man die Griechenrettung sehr viel billiger haben können! Dankt es Angela und ihren Topökonomen!

    • Zeitzeuge sagt:

      …abolo, so einen Schmarrn habe ich lange nicht gelesen.

      • bauer vom hunsrück sagt:

        hallo Zeitzeuge,
        das ist garnicht so falsch, was emiliabolo da so schreibt. D ist der Hauptprofiteur des €, weil der € den wechselkurs, der die d wirtschaft repräsentiern würde um ca. 50% nach unten zieht…..

        das kanst du bei verschiedenen quellen nachlesen, bevor du draufloshaust

  4. conforma sagt:

    Jeder von all den weltfremden Politikern der Brüsseler Pöstchen-Anstalt kann das griechische Problem drehen und wenden, wie er will. Es ist der falsch konstruierte und uns allen übergestülpte €uro, der die €uro-Länder in die jetzige Katastrophe gestürzt hat. Die Schulden insgesamt können nicht mehr zurück gezahlt werden, also muss ein Schnitt gemacht werden letzlich auf Kosten der normalen Bürger, die ihre Ersparnisse verlieren und somit enteignet werden sollen – wetten, dass? Ein Haircutt wird Griechenland nur wieder etwas Aufschub geben, doch es ist und bleibt Pleite. Die „Rettungs“-Milliarden verbleiben – für die EU-Bürger undurchschaubar – wie in einer Black-Box und wandern in undurchsichtige Kanäle, werden direkt an die Gläubiger-Banken überwiesen, werden für umfangreiche Waffenkäufe in den USA verwendet, wie man hören und lesen kann, und/oder werden deutschen U-Boot-Gläubigern überwiesen. Griecheland sollte aussteigen, eine neu-alte Drachme-Währung regenerieren, die dann von den EU-Staaten lediglich subventioniert werden kann. Das ist billiger als immer neue Rettungs-Schirm-Milliarden ohne sinnvolle Ergebnis-Planung. Verdammt – gibt es denn Niemanden, der bei dieser ganzen griechischen Tragödie gegensteuern kann und will?

  5. so-ist-es sagt:

    griechenland ist mausetot.
    die aktionen, die jetzt vorgenommen werden, nennt man leichenfledderei.

    dieses totesvirus steckt in der gesamten eu-zone.
    etliche eu-länder liegen bereits auf dem sterbebett und werden künstlich beatmet.

  6. mandelkern sagt:

    Die Marathon-Legende sagt, der Bote Pheidippides sei schliesslich an Erschöpfung gestorben…

  7. Albert Albern sagt:

    Das passiert mir auch oft:
    „man stehe unmittelbar vor einiger Einigung“

    Die Gedanken sind schneller als die Finger und die Finger machen sich die Arbeit oft noch schwerer…

    • redakteur sagt:

      Danke für den Hinweis, ist korrigiert (genau so war es, wie Sie schreiben!) Die Redaktion