US-Ratingagentur stuft Deutschland herab

Die US Rating-Agentur Egan Jones hat Deutschland auf AA- herabgestuft. Grund: Trotz wirtschaftlich überzeugender Performance lastet die gesamte Euro-Rettung auf den Schultern Deutschlands.

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Die Ratingagentur Egan Jones (EJ) sieht ein erhöhtes Risiko in Europa auch für Deutschland und hat daher die Bewertung deutscher Staatsanleihen von AA auf AA- reduziert (AA ist bei EJ die Bestnote; den Kriterien nach agiert EJ wie Standard & Poor’s, hat aber eine andere Logik bei den Noten).

Nach Einschätzung der Agentur ist Deutschland immer noch die beste Volkswirtschaft in Europa. Jedoch könnte die Last der Euro-Rettung für Deutschland trotz eines Exportüberschusses und einer guten Handelsbilanz bald zum Problem werden. Wegen der Euro-Krise erwartet Egan Jones eine höhere Arbeitslosigkeit und ein Ansteigen der Inflation in Deutschland. Die höhere Arbeitslosigkeit werde durch die erwarteten, weiteren Sparmaßnahmen in der Euro-Zone steigen. Die Inflation werde durch die erwartete Abwertung des Euro durch das vermehrte Gelddrucken der EZB steigen.

In seiner Beurteilung der wirtschaftlichen Lage sieht Egan Jones die größten Gefahren für die deutsche Volkswirtschaft in der Euro-Krise. Zwar wird die Defizit und vor allem die 83% Schuldenquote als zu hoch für ein gesundes Industrieland angesehen. Aber wirklich entscheidend für das Downgrade sind die Verpflichtungen und die zu erwartetenden Verluste aus der Euro-Krise. Vor allem die Garantien für den EFSF und die Einzahlungen in den ESM sieht die Agentur als Gefahr für die Volkswirtschaft. Anders als Standard & Poor’s verliert sich Egan Jones nicht in exzessiven politischen Betrachtungen, sondern erwähnt als einzigen politischen Aspekt die aufkommenden Spannungen zwischen Deutschland und den anderen Euro-Staaten (da waren EJ wirklich schnell, wie sich heute zeigt – mehr hier).

Eine Chance für die deutsche Wirtschaft sieht EJ dagegen in einer möglichen weiteren Schwächung des Euro, wodurch die Exporte weiter begünstigt werden könnten.

Das Wirtschaftswachstum bezeichnet EJ als robust und herausragend im Vergleich zu den anderen Staaten in Europa. EJ lobt die Schnelligkeit, mit der sich die deutsche Wirtschaft von der Krise 2008 erholt hat und zieht einen Vergleich mit Kanada, in dem Deutschland wesentlich dynamischer erscheint (siehe Grafik am Ende des Artikels).

EJ erwartet, dass die Zinsen für deutschen Staatsanleihen weiter niedrig bleiben. Dies könne sich jedoch ändern, wenn die starken Euro-Länder weiter die schwachen finanziell unterstützen müssen.

Egan Jones gehört zwar nicht zu den bekanntesten Agenturen, gilt aber wegen ihrer Unabhängigkeit als eine der besten. Die Agentur wird nur von institutionellen Investoren finanziert – ist also unabhängig von den Großbanken und Finanzeinrichtungen. Egan Jones waren die einzigen, die MF Global schon vergleichsweise lange vor dem Crash mit schlechten Noten versehen hatten. Die Stars der Branche wie Standard & Poor’s und Fitch gaben MF Global noch wenige Tage vor dem Zusammenbruch Bestnoten.

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Kommentare

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  1. Es ist schön zu wissen, dass nach dem globalen financecrash und der danach unausweichlichen Währungsreform alle überschuldeten, von Westmanagern ausgesaugten afrikanischen Länder, auf einen Schlag SCHULDENFREI sind. Die heute jugendlichen Menschen haben dann die große Chance eine tolle soziale Weltpolitik zu schaffen! Jugend, ich verlasse mich auf euch! Wolfram 65 j. alt!

  2. Klotho sagt:

    Diese US-Ratingagenturen arbeiten nur für die US-amerikanischen Interessen, nur um die Weltwährung Dollar zu erhalten und zu stützen. Aber das war schon vorauszusehen , das eine Ratingagentur Deutschland herabstuft. Es werden weitere Herabstufungen folgen, das ist im Kalkül der US-amerikanischen Finanzinteressen.

  3. cohika sagt:

    IWF braucht nicht 500 Millionen Dollar, wie Sie oben schreiben. Es sind 500 Milliarden Dollar.