Hedge Fonds lehnen ab: Griechenland-Pleite rückt näher

Im Poker um den Schuldenschnitt für Griechenland stehen die Zeichen auf Scheitern. Mehrere Hedge Fonds weigern sich, an einem Haircut mitzuwirken. Auch bei den Verhandlern macht sich offenbar Resignation breit: Vor dem 20. März werde es wohl keinen Deal geben. Damit wäre Griechenland auch offiziell pleite.

Aktuell:
US Rating-Agentur Egan Jones stuft Deutschland herab

In den vergangenen Monaten haben zahlreiche unbekannte Hedge-Fonds Griechenland-Anleihen gekauft, um bei einer Staatspleite die Kreditversicherungen (CDS) kassieren zu können (mehr hier). Genau diese Hedge Fonds stellen sich nun quer: Sie denken nicht daran, bei einem Haircut mitzumachen.

Wie die FT berichtet, haben mehrere Hedge Fonds mitgeteilt, dass sie nicht in die Verhandlungen (PSI) um einen Haircut involviert waren und „ einem Deal nicht zustimmen werden“. Auch mehrere Versicherungen und Pensionsfonds sollen ihre Zustimmung verweigern. Ein Bond-Holder sagte der FT, dass selbst wenn ein Deal geschlossen werde, werde er nicht länger als eine Woche halten. Es gibt einfach zu viele Unbekannte – weil viele Gläubiger auf einen Kurs verpflichtet werden müssen, von denen einige gar nicht am Verhandlungstisch sitzen.

Sogar die Mitglieder der Verhandlungsdelegation aus dem Team von IIF-Chef Charles Dallara glauben offenbar nicht mehr an ein gutes Ende: Es sei unwahrscheinlich, dass ein Deal vor der Deadline am 20. März zustande kommt. Dann aber muss Griechenland 14,5 Milliarden Euro an auslaufenden Staatsanleihen bezahlen. Kann es das nicht, ist es auch offiziell am Ende.

Am Dienstag vor Börsenschluss hatte noch ein Hedge Fonds Manager angedeutet, dass ein 68%-Haircut in greifbarer Nähe sei (mehr hier). Am Mittwoch soll dessen Fonds mit Staatsanleihen gehandelt haben – wenn es stimmt, ein klarer Fall von Insider-Handel, mit dem sich vermutlich die amerikanische Börsenaufsicht noch beschäftigen wird.

Diejenigen, die sich jetzt weigern, haben aus ihrer Sicht gar keine Veranlassung zuzustimmen. Sie warten auf die Pleite, weil sie dann die Kreditausfallversicherungen auslösen können. Die Drohung, die Premier Lucas Papademos am Mittwoch ausgesprochen hatten (hier), scheint ein Schuss nach hinten gewesen zu sein. Die Hedge Fonds argumentieren: Wenn sie über eine Zwangsumschuldung (CAC) gezwungen werden, ist es eine Pleite. Damit ist der Insolvenzfall gegeben. Auch die für die Feststellung dieses Falls zuständige Behörde ISDA, die sich bisher bedeckt gehalten hat und eher dazu neigte, den Haircut nicht als Pleite zu qualifizieren, dürfte dann wenige gute Argumente auf ihrer Seite haben.

Auch die Entwicklung bei den griechischen Staatsanleihen im Handel am Mittwoch deutet auf eine Pleite hin. Eigentlich müssten die Preise steigen und die Zinsen fallen, wenn der Markt auch nur ansatzweise an eine Einigung glauben würde: Denn dann wäre es jetzt ein günstiger Zeitpunkt, um eine schnelle Mark Euro zu verdienen. Danach sieht es aber ganz und gar nicht aus, im Gegenteil: Der Preis für diese kurzfristigen Bonds viel von 31,50 Euro auf 30 Euro – ein neuer Niedrig-Rekord für diese Anleihen. Die Zinsen lagen am Markt dagegen bei dem Rekordwert von 421 Prozent.

Bei den langfristigeren griechischen Papieren sah es ähnlich aus: Die Spanne für 5-Jahres Anleihen zwischen Angebot und Nachfrage war mit 23,25 Euro zu 18,75 ziemlich groß. Lediglich der CDS-Markt entspannte sich etwas. Kein Wunder: Diejenigen, die jetzt noch mitpokern, lehnen schon seit einiger Zeit entspannt an der Theke und warten darauf, dass der Showdown für sie als Zahltag endet.

Mehr zum Thema:
Fitch: Griechenland vor 20. März pleite
Papademos schließt Rückkehr zur Drachme aus
Griechenland-Schuldenschnitt: EZB und Hedge Fonds müssen mitmachen

Kommentare

Dieser Artikel hat 55 Kommentare. Wie lautet Ihrer?

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *

  1. Retronuclear239 sagt:

    Menschen ohne ohne Skrupel und Moral investieren in Hedge Fonds.

    Wer bei Hedge Fonds mitarbeitet oder in diese investiert ist genauso ein Mörder wie ein Soldat.

  2. G.N. sagt:

    -Diejenigen, die jetzt noch mitpokern, lehnen schon seit einiger Zeit entspannt an der Theke und warten darauf, dass der Showdown für sie als Zahltag endet.- Das kann also NICHT der deutsche Steuerzahler sein, denn er haftet voll für die Bürgschaften, die die Bundesregierung rechtswidrig vergab. Kommt die Pleite, sind wir alle dran, weil dann die Kreditausfallversicherungen in Milliardenhöhe ausgelöst werden!!!!

  3. luther sagt:

    alles Illusion, die läppischen 14,5 Milliarden im März schiebt der Schäuble im Vorbeirollen rüber. GR wird im Euro gehalten koste es was es wolle und die Griechen wissen das.

    • hap sagt:

      Ja, aber eine Versorgung mit KiTas für 5 MRD ist nicht tragbar, weil das würde die Arbeitslosenstatistik versauen.

    • Snadboy sagt:

      genauso sehe ich das auch

    • TNT sagt:

      Off-Topic:

      …wie war das nochmal mit den fehlenden 200 Mio. für den Transrapid, um die wir uns noch unlängst 10 Jahre lang in Deutschland gestritten haben?

      Denke mal, wir hätten mittlerweile ein ganzes Transrapidnetz von Flensburg bis Garmisch.

  4. schlaumeister sagt:

    Die Hedge Fonds haben auf die Pleite von GR mit CDS spekuliert und möchten
    doch abkassieren, das muß man doch verstehen, sie wollen endlich die Ernte
    einfahren. Die Emitenten der CDS sind Banken, die dann in größte Schwierigkeiten
    kommen würden, genaue Zahlen sind Mangelware, da der Markt ja unreguliert
    ist, dank unseren superschlauen Politikern. Die CDS Bombe tickt, die Lunte
    brennt jetzt. Alle haben Angst vor dem Dominoeffekt.

    • hap sagt:

      Wie kann man einem Retter (Politiker) vertrauen, der ein finanzielles Interesse am Schadensfall hat und ihm mit Milliarden aushelfen?

      Die 23 Milliarden Euro Frage : Verkaufte Papandreou Griechenland?
      http://der-klare-blick.com/2011/05/papandreou-klaut-23-milliarden/

      Könnte es sein, dass diese CDS ausgerechnet von deutschen Banken verkauft wurden, die dann haften?
      „Außerdem wurden auf griechische Staatsanleihen weitere Abschreibungen auf jetzt rund 40 Prozent des Nominalwerts vorgenommen. Insgesamt hat die Bank in den ersten neun Monaten des Jahres in der Gewinn- und Verlustrechnung Belastungen aus der Staatsschuldenkrise in Höhe von rund 750 Millionen Euro verarbeitet. “
      http://www.lbbw.de/lbbwde/1000025649-s1048-de.html

      Hat man da schon etwas gehört, wie sich Kofferträger Herr Schäuble dazu stellt? Nein erst müssen wir klären ob Wulff sich zu gute Konditionen für seinen Privatkredit ausgehandelt hat.

      Gut wenn auch ein paar Hedgefonds mitspielen als rotes Tuch und Blitzableiter.

        • eueueu sagt:

          @hap: Danke – unglaublich

        • spion und spion sagt:

          Schäuble ist ein Schwätzer.
          Denn wenn die Kohle weniger wird, werden die Fähigkeiten, Veränderungen durchzusetzen, kleiner.
          Das erste, wonach es einen Politiker verlangt, ist Geld.
          Und das wird reichlich verballert.

          • hap sagt:

            Deswegen, weil Seine Möglichkeiten weniger werden, kann dies nur bedeuten, dass er Möglichkeiten (durch Not) für andere schafft. „International Governance“ ist sicher nicht für Schäuble gedacht.

        • spion und spion sagt:

          #Schäuble ist ein Schwätzer.
          Denn wenn die Kohle weniger wird, werden die Fähigkeiten, Veränderungen durchzusetzen, kleiner.
          Das erste, wonach es einen Politiker verlangt, ist Geld.
          Und das wird verballert, als gäbe es kein Morgen.
          Ich würde Schäubles Visionen nicht so ernst nehmen.

      • schlaumeister sagt:

        Die Gangsterbanken Goldman Sachs und JPM mit als größte CDS
        Halter sind da u.A. zu nennen. GS schleußt Marionetten überall ein:
        Draghi, Monti, Papademos etc und hat am Vertuschen der Bilanzen
        von GR u. I und weiß der Kuckuck noch wo verdient. Jetzt wird auf
        den Bankrott spekuliert. Der Zynismus ist nicht zu überbieten:
        :
        „we are doing gods work „- sprach Blankfein – der Teufel erhebt sich
        zum Gott der Wallstreet.

        Die wenigen, die durchblicken werden in den MSM nicht auftreten,
        sie könnten ja die Bevölkerung aufklären und verunsichern.

  5. Bernd sagt:

    Auch wenn es schön wäre, wenn dieser ganze Zirkus langsam aber sicher ein Ende finden würde, so denke ich nicht, dass man Griechenland pleitegehen lässt. Die Angst vor einer flächendeckender Katastrophe ist viel zu groß. Die Banken sitzen auf griechischen Anleihen, die im Falle einer Pleite abgeschrieben werden müssten. Viele Banken (vor allem französische Institute sollen stark betroffen sein) würden buchstäblich pleite gehen und müssten vom Steuerzahler gerettet werden.

    Aber das ist ja nicht alles, die ganzen Bürgschaften, die unsere verehrte Regierung da in Höhe von 211 Milliarden gemacht hat (wobei die Medien sich mit Zahlen überschlagen haben und im Extremfall von sehr viel höheren Beträgen geschrieben haben), würden doch dann fällig werden. Ein weiteres Problem ist unsere eigene Bundesbank, die bald 500 Milliarden an Forderungen angehäuft hat, die ebenfalls teilweise abgeschrieben werden müssten in unbekannter Höhe. Noch viel schlimmer dürfte es aber bei der EZB sein, die in den letzten Jahren in unbekannter Höhe Anleihen aufgekauft hat, sollten die abgeschrieben werden müssen, wäre die EZB pleite wenn das ihr Eigenkapital übersteigt und Deutschland und alle anderen Staaten müssten diese retten und das Eigenkapital wieder aufstocken – was für Deutschland verdammt teuer werden würde, da der Anteil an der EZB 27% beträgt.

    Also so wie ich das sehe ist man in einer Sackgasse gelandet aus der man nicht mehr rauskommt, von daher wird man Griechenland nicht pleitegehen lassen und vor der Pleite Geld überwiesen. Aber vielleicht übersehe ich da auch etwas?!

    • spion und spion sagt:

      Die Tranchen sollten ehrlicherweise direkt an die Societe Generale überwiesen werden, statt den Umweg über Griechenland zu nehmen.
      Die Griechen haben gar nichts davon.
      Die Societe Generale ist die zweitgrößte Bank Frankreichs mit dem Portfolio einer C-Waffe und erhöhtem Abschreibungsbedarf.
      Ein Bankrott ist unmöglich, so die Parole, deshalb ist Sarkozy so sehr an der Griechenrettung interessiert.
      Die Deutsche Bank ist der größte Devisenhändler der Welt, gilt als systemrelevant, gehört aber mehrheitlich dem Ausland.
      Ich will hier aber nichts verharmlosen.