Spaniens Pendler formieren Widerstand: „Yo no pago“

Mehr als 10.000 Spanier schlossen sich einer auf Facebook gegründeten Protestbewegung namens “Yo no pago“ („Ich zahle nicht!“) an. Um gegen die Ticketpreiserhöhungen für die U-Bahn zu protestieren, sprangen sie geschlossen ohne ein Ticket einzulösen über die Drehkreuze der U-Bahnhöfe.

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Nachdem Spanier immer wieder mit massiven Preisanstiegen im öffentlichen Sektor – insbesondere bei öffentlichen Verkehrsmitteln – konfrontiert waren, gründeten Mitglieder der Indignados Bewegung die Facebook-Seite „Yo no pago“ (Ich zahle nicht). Am vergangenen Sonntagnachmittag wurde die Protestbewegung erstmals außerhalb des Internets aktiv, berichtet der französische Sender France 24. Von den bereits 10.000 Anhängern der Bewegung, versammelten sich zahlreiche Spanier in Madrid, Valencia, Barcelona, Sevilla und Bilbao an den U-Bahnhöfen. Demonstrativ sprangen sie geschlossen über die Drehkreuze der U-Bahnhöfe, um gegen die Preiserhöhungen der Tickets zu protestieren.

In den meisten Städten war es ein friedlicher Protest, ohne Zwischenfälle. Nur in Madrid reagierte die Polizei gewaltsam und machte Gebrauch von ihren Schlagstöcken. Vier Demonstranten wurden verhaftet.

Nach Ansicht der Protestierenden muss das spanische Volk – bereits infolge der Sparpakete durch Lohnkürzungen oder Arbeitslosigkeit unter enormen Druck (mehr hier) – nun die Fehler der Politiker und Banker ausbaden, die in ihren Augen bei der Verwaltung öffentlicher Angelegenheiten versagt hätten. Tatsächlich sind die U-Bahn-Ticketpreise innerhalb eines Jahres in Bilbao von einem Euro auf 1,50 Euro gestiegen – in Barcelona von 1,45 auf zwei Euro. Damit hat Spanien das Niveau von französischen Preisen erreicht. Mit dem einzigen Unterscheid: In Frankreich ist der Mindestlohn doppelt so hoch.

Inspiriert wurde die Demonstranten von der griechischen „Den Plirono“ Bewegung. So hatten auch die Griechen im vergangenen Jahr zunächst gegen Ticketerhöhungen demonstriert. Wie ein Mitglied der Bewegung berichtet, sei dies nur der Anfang. Eine ähnliche Protestaktion sei nun auch für Mautstellen geplant – auch das haben die Griechen bereits vorgemacht (mehr zu dieser originellen Aktion – hier).

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Kommentare

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  1. emerghente sagt:

    Yo no pago! porque millones de españoles,europeos y gente del mundo no hemos creado esta crisis!Que pagen los políticos,banqueros y especuladores que esta gentuza cabrona si que ha creado esta crisis.(„Ich zahle nicht!“)

  2. PrinzBlödBeowulf sagt:

    Niemand hat die Absicht ein Drehkreuz zu errichten.

  3. tomorrow sagt:

    OK, das ist eine (nette) Aktion.
    Aber wenn man eine Dienstleitung beansprucht, sollte man auch dafür bezahlen.
    Wenn jeder meint, er könnte nach Gutdünken ein paar Cent locker machen oder nicht, wird daraus nicht weniger als Anarchie. Was unterscheidet uns dann von der Tierwelt?
    Klar ist alles teuer, aber wir müssen die Kohlen berappen, wenn wir von A nach B wollen.
    Gibt es außer dem Autofahren noch weitere Alternativen? Laufen oder Radeln.