In der Krise boomt die Schattenwirtschaft in Portugal

In Portugal ist die Schattenwirtschaft auf fast ein Viertel des BIP gewachsen – rund acht Milliarden Euro Steuereinnahmen entgingen dem Staat dadurch im Jahr 2010. Steuererhöhungen und steigende Arbeitslosigkeit haben die Schattenwirtschaft 2011 weiter begünstigt.

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Eine aktuelle Studie der Universität Porto zeigt, dass die Schattenwirtschaft in Portugal in den vergangenen beiden Jahren enorm gewachsen ist. Wie die Nachrichtenagentur Reuters meldet, hatte ihr Anteil am Bruttoinlandsprodukt 2010 um 2,5 Punkte auf 24,8 Prozent zugelegt. Das sind in etwa acht Milliarden Euro, die dem Staat damit entgangen sind.

Prof. Oscar Afonso, der die Studie leitete, sagt, bezüglich der Zahlen für 2011 seien man erst am Anfang der Analyse. Doch schon jetzt werde deutlich: Infolge der massiven Steuererhöhungen und steigenden Arbeitslosenquote sei die Schattenwirtschaft erneut gestiegen. Nur Griechenland würde derzeit noch Italien und Portugal mit den Ausmaßen seiner Schattenwirtschaft übertreffen, wie die Studie berichtet.

Um die entgangenen Einnahmen zu kompensieren, hat Portugal eine einmalige Übertragung von fast 6 Milliarden Euro aus den Pensionskassen in die Staatskasse vorgenommen. Ein rechtlich fragwürdiger Akt, ohne den Portugal die Auflagen der EU nicht erfüllt hätte. Damit konnte Portugal im vergangenen Jahr die Haushaltslücke von 8 Prozent auf 4-4,5 Prozent des BIP senken. Im Zuge des Sparpakets hatte es unter anderem eine Erhöhung der Mehrwertsteuer 2010 auf 21 Prozent und 2011 auf 23 Prozent gegeben. Diese Sparmaßnahmen haben einen beispiellosen Einbruch des privaten Konsums verursacht, sagt die Zentralbank. Damit wird die Wirtschaft in diesem Jahr voraussichtlich um 3,1 Prozent schrumpfen.

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Kommentare

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  1. Maria del Mar sagt:

    Hallo liebe Volkswirte und Co

    erst einmal vielen dank an die Redaktion für die schonungslose Aufklärung.
    In einen Verbrechersystem wie in Europa sind die Renten das geringste Problem.
    Der einzig sichere Hafen wird am ende die USA sein und der $! Europa wird in die Bedeutungslosigkeit versinken. Haut ab solange ihr noch könnt! Häuser lassen sich jetzt in Deutschland gut verkaufen und Gold ist immer noch billig. In den letzten 6 Wochen hat sich manifestiert das der Punkt zur Umkehr für immer verloren ist. Die Weltmacht USA hat Europa kaputtgeschossen. Bei den PIIGS steht die Depression vor der Tür und wird durch drakonische Sparmaßnahmen noch beschleunigt.

    Gugt euch Claus Vogt auf DAF an. Der erklärt das ganze sehr gut.

  2. Helmut Josef Weber sagt:

    Ja- der Griff in die Pensionskassen.

    Alle Menschen die in eine Rentenkasse einzahlen, machen einen Fehler: Sie vertrauen dem Staat.
    Ich kann nur jedem raten für seine private Altersversorgung eine Variante zu finden, bei der:

    1. Keine Provisionen abgezogen werden, wie bei Riester u. Co.
    2. Die Gewinne legal nicht versteuert werden müssen.
    3. Der Staat keine Kenntnisse von hat.
    4. Nicht besteuert wird, wenn die Vorsorge im Alter verbraucht wird.
    5. Keine Krankenkassenbeiträge von bezahlt werden müssen;
    daher auch keine Zuzahlungen für Medikamente usw. usw.
    6. Alles sofort und augenblicklich in einen anderen Staat gebracht werden kann.
    7. Auf der ganzen Welt als Zahlungsmittel anerkannt wird.
    8. Seit Jahrtausenden seinen Wert erhalten hat.
    9. Nicht durch Inflation oder Währungsreform wertlos werden kann.
    10. Beim Ableben des Inhabers der Altersversorgung, den Hinterbliebenen die Werte bleiben.
    11. Nicht bei der Berechnung von Wohngeld (bis 60.000 Euro Vermögen)angerechnet wird.

    Natürlich kann man Goldmünzen nicht essen, aber ungültige Banknoten auch nicht
    Oder ist Jemand der Meinung, dass aus den Pensionskassen geliehens Geld irgendwann einmal zurück gezahlt wird?.

    Viele Grüße
    H. J. Weber

  3. jay twelve sagt:

    In einem System der Staatsapparat-Absurditäten, ist die Schattenwirtschaft die einzige Lösung für die geplagte Bürger.
    Nach dem Zerfall des Feudalismus, haben sich diversen Formen der Isman, durch die Maasloser Verschwendung, Korruption, Selbstbedienung und Megalomanie, das Vertrauen der Bürgertums entledigt.
    Ob ein Staatsapparat, Bank oder die Amtskirche, alle Systeme sind von den Vollmachten und dem Vertrauen der Bürger abhängig. Ist das einmal im Kasino verspielt, sucht der Bürger nach praktikablen Lösungen, ohne Rücksicht auf die Versager.

    Auch die Presse soll sich auf die neue Zeiten einschießen. Die Sohlen des gestiefelten Katers sind abgenutzt, der Kaiser findet keinen Schneider mehr und muss nackt herumirren, aber das Dornröschen (Matriarchat) wird allmählich wach gerüttelt.

  4. eli sagt:

    „Um die entgangenen Einnahmen zu kompensieren, hat Portugal eine einmalige Übertragung von fast 6 Milliarden Euro aus den Pensionskassen in die Staatskasse vorgenommen. “

    Dasselbe machte Orban in Ungarn und wurde unter anderem deshalb in Brüssel vor das „Standgericht“ gestellt, außerdem erlaubt sich dieser Orban die Zentralbank an das politische Band zu nehmen, bei der EZB ist das alle kein Problem.

    Liebe Mitbürger, denkt mal darüber nach, wohin sich diese EU entwickelt. Messen mit verschiedenen Maßen.

  5. hunsrücker bauer sagt:

    Was ist eine Schattenwirtschaft?

    • redakteur sagt:

      Zur Schattenwirtschaft zählt man alle privatwirtschaftlichen Aktivitäten, für die keine
      oder nur teilweise Steuern entrichtet werden und die deshalb gar nicht oder nur teilweise in
      die Berechnung des Sozialprodukts einfließen. Die Transaktionen werden also nicht offiziell erfasst. Typische Formen sind: Schwarzarbeit, Steuerhinterziehung, Schwarzmarkt, Scheinselbständigkeit, illegale Devisentransaktionen, Schmuggel, usw. Folgen: sinkende Steuereinnahmen und Sozialversicherungsbeiträge.

      Ich hoffe damit wird es etwas deutlicher.

      Die Redaktion

      • FDominicus sagt:

        Ich glaube das was ehre ironisch gemeint. Ich finde Schattenwirtschaft für eigentlich „normale“ Wirtschaft unangebracht. Die „normale“ Wirtschaft ist Schattenwirtschaft. Der Schatten der immer mit ausgehalten werden muß ist das Gewalt und Geldmonopol von Staaten und Bürokraten. Alle Begründungen warum das Alles so sein muß fand ich bisher wenig überzeugend.

        Und was Bankenrettung, EF was weiß ich etc nicht mit Schatten zu tun hat, konnte mir bisher niemand überzeugend darlegen. Warum es nötig ist 2 Billionen an Schulden zu haben etc sieht für mich alles nach einem langen Schatten aus. Dem Schatten des Bankrotts.

        Also tun die Portugiesen genau das Richtige Ihre Bankrotteure im Regen stehen lassen.

      • jay twelve sagt:

        Lieber „Redakteur“, das ist aber nur 1/4 der Wahrheit, was Du aufgelistet hast. „Schwarzarbeit“ z.B. ist eine Schimpfwort-Erfindung der Sklaventreiber.
        „Steuerhinterziehung“ ist eine beleidigende Definition der „Techno Kleptokraten“. Das liegt an der parasitären Gesinnung der „Geldverwalter“, die dem braven Bürger als „Milchkuh“, „Lastesel“ usw. taxieren.
        „Schwarzmarkt“ ist die Urform der Waren Austausch Wirtschaft. Erst mit der Machtübernahme der Obrigkeit-Parasiten, wurde das „verboten“.
        Insbesonderen die Deutschen sind dermaßen indoktriniert, dass sie sich kein Leben ohne Blutsaugender Obrigkeit vorstellen können.

        Setzt Dich hin und rechne mal durch, wieviel kosten uns die Bürokraten?
        Sogar Deine Urenkel, die noch nicht geboren sind, sind mit derzeit 39.000 Euro/Nase verschuldet, Tendenz steigend.
        Was meinst Du wohl, wer hat uns in diese Scheiße verleitet?
        Die Schwarzarbeiter oder die parasitären Techno-Kleptokraten?

        • J. C., geb. Püschl sagt:

          Prima!

          Und hier wäre noch wünschenswert, mal erklärt zu bekommen, wo eigentlich immer diese inoffiziellen Zahlen herkommen, die nirgendwo offiziell verbucht sind.
          Sind die frei erträumt worden?
          Sitzt da irgendwer im Keller und malt sich grosse, dunkle Ziffern für die Dunkelziffer?
          („Ick könnt mer peitschen vor lachen!“ 🙂 )

  6. Munnie sagt:

    „Diese Sparmaßnahmen haben einen beispiellosen Einbruch des privaten Konsums verursacht, sagt die Zentralbank.“

    Und so wird ein Land nach dem anderen durch „die Auflagen der EU“ niedergemacht.
    Ohne diesen Verein wären alle Länder wesentlich besser dran und könnten ihrer eigenen Wirtschaft gemäß handeln, abwerten oder aufwerten.

    Es ist kaum zu glauben, weshalb politischerseits so derartig an diesem diktatorischen Konstrukt festgehalten wird.

    • FDominicus sagt:

      Egal wie oft es die Neusprechleute betone. Sparen heiß nicht, Geld nicht auszugeben welches man NICHT hat. Sparen heißt Geld nicht ausgeben welches man hat. Und dieser Scheinreichtum durch Kredit ist nichts als heiße Luft.

  7. Guenter sagt:

    „Ein rechtlich fragwürdiger Akt, ohne den Spanien die Auflagen der EU nicht erfüllt hätte.“

    Sollte das nicht Portugal sein?