Referendum geplant: Schottland will Abspaltung von England

In Großbritannien wird es ein Referendum geben – nicht über die EU-Mitgliedschaft, sondern über das Vereinigte Königreich selbst: Die Schotten wollen los von London. Die EU ist ratlos: So etwas gab es noch nie.

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Schottland will sich vom Vereinten Königreich abspalten. Auch wenn Cameron und die Mehrheit der der großen britischen Parteien das Vereinte Königreich aufrechterhalten wollen, teilen sie zumindest den Wunsch nach einem Referendum, so Reuters. Cameron möchte ein baldiges Referendum durchsetzen – mit der Begründung, Unsicherheiten zu zerstreuen, die der schottischen Wirtschaft schaden könnten.

Alex Salmond, Chef der schottischen Regionalregierung, sagte vergangene Woche, er wolle am Termin für das Referendum Ende 2014 festhalten. Weil dies mit dem 700. Jahrestag der Schlacht von Bannockburn zusammenfallen würde – die mit einem Sieg der Schotten über die Engländer endete, erwartet er, mehr Befürworter zu bekommen. Denn aktuelle Umfragen von ICM Research and Survation zeigen: Zustimmung für die Abspaltung Schottlands kommt eher aus Reihen der englischen Wähler.

Unter den schottischen Wählern würde Salmond derzeit keine Mehrheit für die Trennung von dem Vereinten Königreich erhalten. Die Umfragen spiegeln das finanzielle Verhältnis der regionalen Regierung Schottlands und Großbritanniens wider. So erhält das dezentrale Parlament Zuschüsse aus der britischen Staatskasse für Gesundheit, Bildung, usw. Die Scottish National Party (SNP) sagt, diese Ansicht berücksichtige jedoch nicht die Nordsee Öl-Einnahmen – welche wiederum nach London fließen. Ein unabhängiges Schottland könnte diese Einnahmen für sich allein in Anspruch nehmen.

Die britische Regierung intervenierte vergangene Woche und sagte, Schottland könne derzeit kein rechtmäßiges Referendum durchführen. Um ein faires, einwandfreies Referendum abzuhalten, gäbe es noch rechtliche Probleme, die gelöst werden müssten.

Auch die EU ist ratlos: Erst einmal – 1985 – hatte es etwas Vergleichbares gegeben, als sich nämlich Grönland von Dänemark abspaltete. Grönland verließ daraufhin die damalige Europäische Gemeinschaft. Der Verfassungsrechtler Jo Murkens von der London School of Economics sagte dem EU-Observer, dass das geltende Recht vorsehe, dass England und der Rest des UK in der EU bleiben würden, Schottland dagegen müsse sich neu bewerben. Ob die Schotten das wollen, ist eine andere Frage: Sie haben angekündigt, sich Skandinavien anschließen zu wollen (mehr hier). Auch keine leichte Sache: Schweden und Dänemark sind in der EU, Norwegen nicht. Und Finnland gehört zum Euro-Raum. Aber ein echter Skandinavier sieht Finnland ohnehin jenseits der nordischen Gemeinschaft: Früher standen die Finnen unter dem Einfluss der UdSSR, heute stellen sie mit Olli Rehn den Währungskommissar.

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Kommentare

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  1. Florian sagt:

    Ich finde das gut, wenn sich Schottland unabhängig erklärt. Zumal Schottland und England sich viele blutige Kriege lieferten die die beiden Länder nicht wirklich in einer Freundschaft enden. Und die Schotten auch über die Queen nichts gutes erzählen. Fremdherrschaft will doch keiner. Und ich hoffe das es ein friedliches auseinandergehen gibt. Ende 2014 werden wir es wissen. Alles Gute Schottland.

  2. Helmut sagt:

    Ich kann verstehen, das die Schotten sich abtrennen vom sogenannten Mutterland. Bei unserer letzten Reise nach Schottland war es schon überall zu spüren, das England nicht mehr so sehr beliebt ist. Die richtige Antwortt bekamne wir anschliessend in England (London). Wir hatten noch Pfundwährung aus Schottland
    und konnten mit diesem Geld bei Geschäften und anderen Gelegenheiten nicht mehr einkaufen, so dass wir gezwungen waren, diese bei einer NL der RBS (Royal Bank of Scotland) in englische Pfund umzutauschen. Meine Meinung ist, das sich Schottland trennen sollte vom sogenannten Mutterland.