Wirtschaftsforscher sehen Inflations-Gefahr für die Schweiz

Die Koppelung des Franken an den Euro ist eine bleibende Gefahr für die Geldwertstabilität der Schweiz. Spekulanten könnten jederzeit den Franken ins Visier nehmen. Die SNB stünde dann in diesem Fall ziemlich einsam da.

Die Inflationsrate in der Schweiz könnte schon bald stark ansteigen. Denn die Schuldenkrise in der Eurozone breitet sich weiter aus und das Vertrauen in Staatsanleihen schwindet. Der dadurch sinkende Kurs des Euros stellt auch ein Problem für die Schweiz da. Die Nationalbank muss durch den Ankauf von Devisen den Frankenkurs drücken.

Die Nationalbank könnte zwar unbegrenzt Euro kaufen, um den Frankenkurs zu halten: „Aber es braucht Hunderte von Milliarden, um wirklich Einfluss nehmen zu können. Das kann ein paar Tage lang gutgehen. Aber wenn sich die Spekulanten an den Börsen herausgefordert fühlen und weitermachen, sitzt die Nationalbank bald auf einem riesigen Schuldenberg“, meinte bereits im vergangenen Jahr Walter Wittmann, ehemaliger Professor für Finanzwirtschaft der Universität Freiburg in einem Interview mit dem Beobachter.

Und das Problem ist heute noch genauso wie vor einem Jahr – gerade weil die Schweizerische Nationalbank (SNB) ihre Bilanz bereits erheblich aufgeblasen hat. Stellvertretend für viele seiner Kollegen, die in ihrer Beurteilung zu einem ähnliche Ergebnis kommen, sagt der Wirtschaftswissenschaftler Jörg Baumbauer von der Universität St. Gallen: „Die Gefahr einer höheren Inflation besteht definitiv. Das dauert nur eine Weile. Die wichtigste Frage ist, wie die Nationalbank aus dieser Politik wieder aussteigen will. Die Inflation kann auch erst in zwei bis drei Jahren kommen.“

Bereits Ende der Siebzigerjahre kam es in der Schweiz zu einer ähnlichen Situation. Die Nationalbank musste den Frankenkurs durch Devisenankäufe gegen jenen der Deutschen Mark abgrenzen. Drei Jahre danach kam es zu einer Inflationsrate zwischen sechs und sieben Prozent.

Doch aktuell hat die SNB vermutlich wenig Alternativen: „Außer der Beeinflussung des Wechselkurses durch den Ankauf von Fremdwährung hat die Nationalbank praktisch keine Möglichkeiten, dem Problem des starken Frankenkurses entgegen zu wirken“, sagte Baumberger. Eine Beruhigung der Eurokrise ist also auch für die Schweiz von großer Bedeutung.

Die Rating Agentur Moody’s hat diese Woche die höchste Bonität der Schweiz bestätigt. Während fast alle europäischen Staaten von Standard & Poor’s herabgestuft wurden, behält die Schweiz ihre Bestnote. Auch der Ausblick auf die Entwicklung der Kreditwürdigkeit bleibt erhalten. Moody’s begründet dies mit der stabilen politischen Situation, der umsichtigen Steuerpolitik, einer starken Position als Gläubiger und der stabilen Währung.

Für die Nachhaltigkeit der Wirtschaft ist sie diese Politik nicht förderlich. Es zeigt sich, wie begrenzt letztlich das analytische Arsenal der Ratingagenturen ist: „Das Rating bezieht sich auf die Solvenz des Staates. Es berücksichtigt die Probleme, die das Land hat nicht vollständig. Wie praktisch überall in Europa, verspricht auch das Schweizer Pensionssystem mehr als es halten kann. Das Schweizer Sozialsystem ist nicht nachhaltig“, meint Baumberger.

Aspekte wie die Inflation oder ein aufgeblähtes Sozialsystem mögen zwar die kurzfristige Kreditwürdigkeit der Schweiz nicht gefährden, ihre Aufnahme in eine Bewertung würde aber eine realistische Einschätzung der Entwicklung ermöglichen. Dass Moody`s dies nicht berücksichtigt, zeigt, wie eng die Perspektive der traditionellen Rating-Agenturen letztlich ist.

Kommentare

Dieser Artikel hat 7 Kommentare. Wie lautet Ihrer?

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

  1. khaproperty sagt:

    Die Schweiz ist nicht England und nicht jeder Investor ein Soros.
    Und für all die anderen eignet sich der Franken nicht, weil er zu wenig Volumen aufweist.
    Da kann eine veritable Spekulation schon mal schwerst in die Hose gehen.
    Am Ende braucht es doch immer auch eine vernünftige Exit-Strategie.

  2. Maria del Mar sagt:

    Hallo liebe Schweizer,

    Gratulation, ihr habt euch gerade euer Geschäftsmodell der letzten Jahrhunderte zerstört! So doof zu sein das muß man erst einmal schaffen. Eure Währung wird Stück für Stück entwertet, oder die haben euch um die Volkseigene Kaufkraft betrogen. Im Vorfeld wurde das Bankgeheimnis kastriert. Und ihr meint ihr seit so gut das ihr darauf verzichten könnt. So wird in den nächsten Dekaden aus einer Industrienation eine DDR-3! Ihr könnt euch bei euren rückradlosen Merz bedanken, der euch an die Deutschen verraten hat.

    • khaproperty sagt:

      @ ..del mar:

      Da haben Sie etwas mißverstanden:
      Der Franken wertet auf, nicht ab.

      • Silverager sagt:

        Der Franken w ü r d e aufgewertet ohne die unsäglichen Eingriffe der SNB. So aber klettet sich die Schweizer Währung auf Gedeih und Verderb an den Euro.
        Meine Meinung: eher auf Verderb.

  3. Haikubehindert sagt:

    „aufgeblähtes Sozialsystem“ Das hat die Schweiz nicht.
    In letzter Zeit wurden hier die Kosten sogar reduziert, so dass sich die Schweiz nun lediglich im EU -Mittelfeld (EU-27) befindet. Im Übrigen ist ein gutes Sozialsystem wichtig für den Firmenstandort und das Binnenwachstum. Wie überall im Westen erkenne ich hingegen Tendenz zum Sozialdumping wie Niedriglohnarbeit, was nicht unbedingt Wachstum förderlich ist und tendenziell nach einiger Wirkzeit die Staatschulden aufblähen kann -im Wesentlichen aber ein demokratiefeindliches Umfeld schafft mit ungerechter Einkommensverteilung.

    Sozialausgaben im internationalen Vergleich – im Verhältnis zum BIP
    http://www.bfs.admin.ch/bfs/portal/de/index/themen/13/01/blank/key/sozialausgaben_im/2000.html

  4. paloma sagt:

    ich lebe in der schweiz.

    und ich sehe das die preise für lebensmittel und artikel für den täglichen gebrauch sinken.
    also nichts mit inflation in der schweiz!!!!!!!!!!!!!!!!!!

  5. schlaumeister sagt:

    Anstatt in Edelmetalle zu investieren, bringen die scheinbar schlauen Reichen ihr
    Geld in die Schweiz, wo es kaum besser gesichert ist als im Euroraum.