Europäische Banken bereiten sich auf den schlimmsten Fall vor

Europäische Banken halten eine ernste Verschlimmerung der Krise jederzeit für möglich. Deshalb haben sie damit begonnen, übermäßig hohe Mengen Geld zu horten.

Aktuell:
US-Ratingagentur stuft Deutschland herab

Anstatt Kredite zu vergeben oder zu investieren, horten die europäischen Banken ihr Bargeld. Sie fürchten eine Verschlimmerung der Euro-Krise und eine wirkliche Kreditklemme am Finanzmarkt. Insgesamt müssen die Finanzinstitute in diesem Jahr Schulden in Höhe von 650 Milliarden Euro zurückzahlen. Allein 40 Prozent davon werden bis Ende März fällig.

Die neue Kernkapitalquote, die sie bis Mitte des Jahres erfüllen müssen (mehr hier), und eine sich zunehmend verschlimmernde Situation am Interbankenmarkt erhöhen die Nervosität der Banken (mehr hier). Wenn sich die Euro-Krise dann zusätzlich verschlimmert, könnten sie ihren Verpflichtungen nicht mehr nachkommen. Ihre „große Befürchtung ist, dass sich die Lage vielleicht verschlechtert“, bestätigt auch Bernd Hartwig von der Nord/LB der Nachrichtenagentur Reuters. Die “politischen Entscheidungen brauchen zu lang und die meisten Banken bauen sich Liquidität auf – nur für den Fall, dass etwas passiert“, erläutert er. „Sie sind sehr beunruhigt, dass die neue Krise größer werden könnte als 2008“.

Entsprechend gut wurde der 3-Jahres-Tender der EZB in Anspruch genommen (mehr hier). Während der Krise 2008, so ein Banker zu Reuters, wurden die gewährten Kredite überwiegend in neue Anleihen investiert. Aber derzeit sei es völlig anders. „Diesmal können die Banken dies nicht tun, da die ihre Kapital und ihre Liquidität schützen müssen“, sagt Elie el Hayek von der HSBC.

Dies ist auch der Grund, warum gerade kurzfristige Staatsanleihen in den vergangenen Tagen gekauft wurden (mehr hier). Diese bieten die Möglichkeit, aufgrund ihrer kurzen Laufzeit relativ sicher und verhältnismäßig schnell wieder einlösbar zu sein. Zumal die Anleihen eines Landes wie Spanien oder Italien überwiegend von heimischen Banken gekauft wurden (mehr hier). Viele ausländische Investoren kaufen keine Anleihen von anderen Ländern mehr. Sie kaufen keine neuen Anleihen von fremden Kunden und Anbietern, weil es sich im Fall der Fälle als zu schwierig erweisen könnte, diese wieder zu verkaufen (mehr hier).

Ein weiteres Zeichen für die Angst unter den europäischen Banken ist die Nachfrage am Sekundärmarkt. Diese ist stark zurückgegangen. Auch hier zeigt sich die Scheu der Finanzinstitute in neue Anleihen zu investieren, besonders wenn sie von anderen Ländern als ihren Heimatländern offeriert werden. Entsprechend hoch war das Eingreifen der EZB am Sekundärmarkt (mehr hier). „Wir schätzen“, so Pavan Wadhwa zu Reuters, dass die „EZB ihre derzeitigen Käufe von italienischen und spanischen Papieren mehr als verdoppeln muss, um die Märkte auf längere Sicht zu stabilisieren“. Mario Draghi hat bereits erste Schritte eingelenkt (mehr hier).

Die Angst der Banken zeigt sich aber auch in den Übernachteinlagen bei der EZB. Täglich erreichten diese einen neuen Rekord und lagen diese Woche bei teilweise bis zu 528 Milliarden Euro (mehr hier). Höher als nach dem Kollaps von Lehmann Brothers. Die Banken befinden sich in einem Standby Modus. Obwohl Rendite der EZB-Einlagen viel niedriger ist, als die zu zahlenden Zinsen für das geliehene Geld, nehmen die Banken die Verluste in Kauf. Wichtig ist nur, genügend Geld zu horten, sagen Experten.

Mehr zum Thema
Italien: Mit 50 Milliarden Euro Top-Kreditnehmer der EZB
Wirtschaftsforscher sehen Inflations-Gefahr für die Schweiz
Fiskal-Pakt: Irland muss unterschreiben, um weiter Hilfsgelder zu bekommen

Kommentare

Dieser Artikel hat 6 Kommentare. Wie lautet Ihrer?

Hinterlasse eine Antwort

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *

Du kannst folgende HTML-Tags benutzen: <a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <strike> <strong>

  1. khaproperty sagt:

    So versteht sich auch der unerwartete Rückgang der Fed-Twister:
    kurze Treasuries zu verkaufen, um lange erwerben zu können.
    Der (internationale) Andrang bei US-Treasuries führte aktuell dazu, daß die Fed nicht mehr kaufen muß. Täte sie es weiterhin, verursachte sie erhebliche Verspannungen im (Zins-)Gefüge.
    Daher auch schielt Ben nicht mehr ganz so ängstlich auf das über ihm schwebende Damoklesschwert des Congress, dem er regelmäßig Rechenschaft abzulegen hat, was zum Wahltermin hin immer problematischer wird.
    In der Tat ist die Explosion des Euro nur noch eine Frage der Zeit.

  2. King Balance sagt:

    DER unausweichliche VERFALL der “EUROPÄISCHEN UNION” schreitet voran.
    http://kingbalance.blogspot.com/2012/01/der-verfall-der-europaischen-union-vi.html

  3. mionideutsch sagt:

    Anscheinend geht es jetzt zum Endspurt über und das Zerbrechen ist nicht mehr auf zu halten, das diese korrupte Politik projektiert hat.

    Es wird daher Zeit sich an unsere richtige Verfassung wieder zu errinern, die immer noch Gültigkeit hat, für das DEUTSCHE VOLK

    http/www.reichsamt.info

  4. Zeitzeuge sagt:

    Mit Firmenzusammenbrüchen wegen fehlender oder zu teurer Finanzierung ist nun regelmäßig zu rechnen.

  5. Selbstdenker sagt:

    In 50 Jahren wird das alles anders sein. Da werden unsere Enkel von der EU “total begeistert” sein:

    http://de.ibtimes.com/articles/25195/20120118/eu-propaganda-bereits-im-kindesalter.htm

  6. schlaumeister sagt:

    Die Krise beschleunigt sich, immer neue Tricks sind nötig um den Kollaps noch et-
    was hinauszuzögern. Der Untergang ist nahe.