Griechenland: Angeblich Fortschritt, 70% Haircut denkbar

Die Verhandlungen mit den Gläubigern sollen kurz vor einem Durchbruch stehen. Allerdings kommen die Informationen von griechischen Regierungskreisen, da ist Vorsicht geboten.

Schon den ganzen Tag hatten griechische Regierungskreise versucht, die Medien mit positiven Nachrichten zu füttern (mehr hier). Nun soll es wieder einmal so weit sein: Der Durchbruch sei nah, sagen verschiedene Beamte. Das Resultat soll bereits mit Brüssel abgestimmt sein, wobei die Griechen zugeben, dass man bei der EU noch nicht wirklich Zeit gefunden habe, sich mit den Details zu beschäftigen.

Die wichtigste Neuigkeit: Nun soll der Schuldenschnitt 70% betragen – eine überraschend hohe Zahl. Während des Tages waren es mal 50% gewesen – eine Zahl, der alle Beobachter von Anfang an mit Skepsis begegnet sind. Diese Woche hatte ein Hedge-Funds Manager einmal von 68% gesprochen (hier), was ja dann nicht so weit weg wäre.

Die insgesamt verbleibenden ca. 200 Milliarden Euro sollen in 30-jährige Anleihen umgewandelt werden. Die Verzinsung soll bei 3,1% beginnen und bis 4,75% ansteigen.

Allerdings gestehen die griechischen Informanten auch ein, dass ein Scheitern immer noch möglich. Größere Gläubiger könnten die Verhandlungen immer noch wegen Details platzen lassen.

Die Beamten gehen jedoch davon aus, dass der Deal über das Wochenende finalisiert werden kann.

Die Nachrichtenagentur Reuters berichtet unterdessen, dass sich die Verhandlungen noch bis nächste Woche ziehen könnten. Auch die Rolle der EZB soll diskutiert werden: Im Moment sind die EZB und der IWF vom Schuldenschnitt ausgenommen. Für etliche Gläubiger ist dieser Zustand nicht akzeptabel (mehr hier).

Kommentare

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  1. so-ist-es sagt:

    was glaubt ihr, wer diesen Haircut bezahlt. Na?
    WIR – einzig und allein WIR ! das sogennante reiche deutschland.
    und das alles nur, weil unsere politiker einen wahn haben,- den EU-Wahn!
    die bevölkerung interessiert keinen einzigen dieser gauner.

  2. Elisabeth Wehmeier-Püthe sagt:

    Diese Dinge beschäftigen mich dabei:

    1. Über die Verhältnisse leben wird also belohnt durch Schuldenerlass.
    2. Wer bescheiden und sparsam lebt, ist der Dumme. Er bezahlt die Party der anderen mit.
    3. Da die Einnahmen wohl weiterhin höher als die Ausgaben sind, geht das Schuldenwachstum gleich wieder weiter – wo und wann soll das mal enden?
    4. Es gibt noch mehr hochverschuldete Euro-Länder. Man kann davon ausgehen, dass sie dasselbe anstreben. Also wenn meine Bank meinem Nachbarn die Schulden erläßt, dann will ich das aber auch haben und nicht noch dafür aufkommen. Ist doch logisch.
    5. Die durch Schuldenerlass entstehenden Verluste der Banken müssten eigentlich in den Bankrott derselben führen. Die Regierungen werden sie stützen, wenn nicht verstaatlichen müssen und sind dabei selber pleite.
    6. EZB und Bundesbank sind bereits die größten BadBanks der Welt und wurschteln einfach immer weiter wie bisher. Die eine stellt unbegrenzt ungedeckte Schecks aus und die andere lässt sich ohne Gegenwehr und Widerrede durch Target 2 regelrecht abzocken. Es ist eigentlich Betrug im Deckmäntelchen von „Mechanismen des Systems“.
    7. Bei all den hunderten Milliarden die man Deutschland bereits abgeluchst hat, die unwiederbringlich verloren sind, gibt es kein Dankeschön sondern nur weitere Forderungen und Vorwürfe. Das ist unerträglich.

    Man kann es drehen und wenden wie man will. Der Euro kann nicht funktionieren. Der Währungscrash ist unausweichlich.

    • Zeitzeuge sagt:

      Unerträglich ist, daß die, die zur Kasse gebeten werden – die Deutschen – dagegen nichts tun, sondern grübelnd hinterm Ofen hocken bleiben und ihr Schicksal beklagen!

    • Juergen Kunz sagt:

      Nein, das endet nicht im Krach. Das endet so, wie es immer geendet hat:
      In der Waehrungsreform mit anschliessendem Neubeginn auf niedrigem Niveau.

  3. Steuerzahler sagt:

    An diesen Fortschritt glaube ich eigentlich nicht. Die Hedgefonds werden nicht freiwillig verzichten, sonst werden die CDS wohl kaum ausgezahlt werden. Würde ich als Versicherung auch nicht machen.

    Die Winkelzüge der Politiker zeigen deren Einfallsreichtum. Genauso wie beim Reinschwindeln in den Euro.

    Leider sind unsere Politiker auch nicht besser!

  4. Nokeli sagt:

    Super.

  5. Zeitzeuge sagt:

    Das wird diesmal nicht gutgehen, weil tatsächlich markante Vermögensschäden zurückbleiben werden, die nicht mehr wegzutricksen sein werden, so oder so. Zinsen unter 6%? Nicht einmal ein Inflationsausgleich! Wer solchen „Problemlösungen“ zustimmt, wird wohl eher mit dem Verlust seines Lebens oder dem ihm wertvoller Menschen bedroht.

  6. Hans-Peter sagt:

    Mal eine Frage an die Redaktion.

    Da ja das kleine Griechenland mit 10 Millionen Einwohnern seit 2 Jahren „Hauptthema“ und eine Art „Haupt-Bedrohung“ für den Weltfrieden ist.Und Ich meine nicht die korrupten Politiker dort sondern ja augenscheinlich alle Griechen,inkl. alte Menschen die angeblich „zu viel Rente kassieren“ und sonstigen Griechen die (trotz geringerer Privat-Schulden als die Deutschen) „weit über ihre Verhältnisse gelebt haben“ und so riesige Defizite und Schulden aufgebaut haben;

    Nach dem zwei Staatsanwälte und die Chefin der griechischen Statstikbehörde (ELSTAT) unter Druck und regelrechter Drohung zurück treten mußten weil sie aufdeckten das die EU und die eigenen Regierungen Papandreou/Papadimos die Defizite und Auslandsschulden Griechenlands künstlich aufblähten um das IMF und die Sparmassnahmen in das Land zu holen kommt nun der nächste Staatsanwalt und versucht sein Glück.

    Heute hat Er Anklage gegen den ehemaligen Ministerpräsidenten Papandreou und dessen damaligen Finanzminister Papakonstatinou erhoben:
    http://www.capital.gr/gmessages/showTopic.asp?id=2707675&nid=1386088

    Leider gibt es die Nachricht nur auf griechisch.

    Aus dem einfachen Grund das sich augenscheinlich keiner der Live vor Ort in Athen sitzenden,sehr zahlreichen Horror-Vermelder und Hetzer von Murdoch,Springer und Bertelsmann dafür interessiert.

    Die Frage die Ich der Redaktion stellen möchte:
    Auch diese Seite also-DMSN-ist doch sonst so fix mit den Horror-Meldungen aus dem Süden.Zumindest stand (und steht immer noch) diese Nachricht in allen griechischen Zeitungen und allen internat-Portlas des Landes.Ist auch ihnen das entgangen?Oder passen solche Meldungen nicht in das Konzept?

    Hier mal ein wenig Vorgeschichte:
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    Skandal: EU zwang Griechenland zur Fälschung der Verschuldungszahlen
    22. September 2011 • 13:23 Uhr
    In Griechenland simmerte seit einiger Zeit ein Skandal und ist jetzt an die Öffentlichkeit gelangt. Mehrere Mitarbeiter der Statistikbehörde ELSTAT sind inzwischen entlassen worden – nicht weil sie etwas falsch gemacht hätten, sondern weil sie auf Zahlenfälschungen, die auf Druck der EU stattgefunden haben, hinwiesen. Dabei war die Verschuldungslage Griechenlands dramatischer dargestellt worden, um die Verabschiedung drastischerer Sparmaßnahmen zu erreichen.

    Staatsanwalt Grigoris Peponis hat aufgrund von Aussagen einer ehemaligen Mitarbeiterin von ELSTAT eine Untersuchung in Gang gesetzt. Zoe Georganta hatte ausgesagt, daß die Defizitzahlen für 2009 auf Intervention des europäischen Statistikamtes Eurostat nach oben korrigiert wurden, um stärkere Einsparungen zu rechtfertigen. Georganta, Professorin für Ökonometrie, sagte der Tageszeitung Eleftherotypia, daß man so das Verhältnis des griechischen Haushaltsdefizits zum Bruttosozialprodukt als das ungünstigste in ganz Europa hinstellen konnte. „2009 wurde dieses Verhältnis absichtlich von Eurostat mit 15,4 Prozent angegeben. Es sollte schlimmer als die 14 Prozent von Irland sein, um härtere Maßnahmen gegen Griechenland erzwingen zu können.“ In einem Radiointerview bezifferte Georganta später das damalige Haushaltsdefizit mit 12 Prozent vom BSP aber dann sei Athen von Eurostat unter Druck gesetzt worden, auch die Schulden von Staatsbetrieben in die Rechnung aufzunehmen ohne deren Einnahmen zu berücksichtigen.

    Da diese Anschuldigungen schon längere Zeit innerhalb von ELSTAT kursierten hat die griechische Regierung gegen die Kritiker hartes Geschütz aufgefahren. So wirft man einem der Kritiker, dem früheren Vizepräsidenten von ELSTAT, Nikos Logothetis vor, er habe sich in die E-Mails von ELSTAT-Präsident Andreas Georgiou gehackt. Georgiou, der früher eine hohe Position im IWF bekleidet hat, ist verantwortlich für die Einbeziehung der offenen Posten der Staatsbetriebe in die Statistik, was so weder in Deutschland noch in Frankreich gemacht wird.

    Inzwischen ist Finanzminister Evangelos noch einen Schritt weitergegangen und hat den ganzen Vorstand von ELSTAT gefeuert, mit Ausnahme des Präsidenten Georgiou. Da das statistische Amt unabhängig und nur dem Parlament rechenschaftspflichtig ist, hat dieser eigenmächtige Schritt des Finanzministers die Oppositionsparteien allarmiert und die Regierung wird sich eine Reihe peinlicher Fragen stellen müssen.

    http://bueso.de/node/4830
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    • redakteur sagt:

      Danke für diesen Hinweis. Wir haben bereits einen Artikel zu diesem Thema in Vorbereitung. Dass wir zu EU-freundlich sind hören wir hier zum ersten Mal. Die Redaktion

      • Hans-Peter sagt:

        Ich bin tief beeindruckt und nehme alles zurück.

        Sie erfüllen Ihre Aufgabe bestens.Und die heißt die Bevölkerung aufzuklären und so mit auch letzt endlich vor den Verbrechern in Politik und Finanz-Wirtschaft zu beschützen.

        Nehmen sie also meine Entschuldigung entgegen.

        Die Frage bleibt allerdings bestehen wieso die restlichen System-Medien davon nicht berichten.Obwohl die Antwort mehr als klar zu sein scheint.

        Wen sollen die Menschen sonst hassen und die Schuld an dem geben was da bald kommt wenn nicht einem kleinen Land das weit weg liegt und aus dem man nur sehr schwer an neutrale Nachrichten heran kommt?

        Doch wohl nicht etwa die Banker und deren Kettenhunde in der Politik die das alles zu gelassen und forciert haben!

        • Lotus sagt:

          Die Sendung „Historie“ von Guido Knopp wird leider erst Jahrzehnte später zur Aufklärung beitragen.

          Stattdessen wäre Kontraste oder Monitor die richtige Adresse.

      • Julia sagt:

        Danke liebe Redaktion und danke Hans-Peter fuer diese Nachricht.

        Bei uns kein Wort darueber. Es ist doch eine Meldung die jeder wissen sollte in Europa.

        Vielen Dank!

    • murksel sagt:

      Irgendwie sieht es immer mehr so aus , als sei das ein Experiment, für das Griechenland ausgesucht worden ist.
      Die Drahtzieher (trilaterale Kommission? Bilderberger ? usw ) wollen sehen wie weit kann man gehen bei einem Volk, dass eher als renitent und obrigkeitskritisch gelten könnte.
      Bei uns Deutschen (dass wissen die Leute ) ist das ja kein Problem.
      Mit den kann man alles machen.

  7. eumel sagt:

    Wer einmal lügt, dem glaubt man nicht!