Der nächste Kandidat: Portugal braucht Schuldenschnitt

Portugal könnte schon bald ins Visier der Spekulanten geraten. Nach der Herabstufung durch S&P stiegen die Zinsen diese Woche auf ein Rekordhoch. Beobachter sehen Portugal als den nächsten Kandidaten für einen Schuldenschnitt.

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Noch sind die Verhandlungen über einen Schuldenschnitt mit Griechenland nicht abgeschlossen, da drängt sich bereits der nächste Kandidat für einen Haircut auf: Portugal. Im Laufe der Woche stiegen die Zinsen für zehnjährige portugiesische Staatsanleihen auf beinahe 15 Prozent. Auch wenn Portugal am Mittwoch überraschend problemlos (mehr hier) 2,5 Milliarden Euro neuer Staatsschulden aufnehmen konnte (dies lag vor allem an der Geldschwemme durch die EZB – mehr hier), scheint ein Schuldenschnitt unerlässlich.

Beobachter erwarten vor allem, dass sich nun die Hedge Fonds den portugiesischen Papieren zuwenden werden. Sie können – analog zu Griechenland – mit dem billigen Erwerb und abgesichert durch CDS mit Portugal wieder einen attraktiven Kandidaten für profitable Investments gefunden haben.

Der Anstieg der Zinsen dürfte durch die Herabstufung des Landes durch Standard & Poor’s mitverursacht sein. Vergangen Freitag war Portugal als zweites Land der Eurozone auf Junk-Status gesetzt – das erste Land war Griechenland, das jetzt um einen Schuldenschnitt ringt (mehr hier).

Trotz der Reform des Arbeitsmarktes und der Bemühungen, das Defizit einzudämmen, scheint sich Portugal nicht mehr stabilisieren zu können. Jürgen Michels, Ökonom der Citigroup rechnet damit, dass die portugiesische Wirtschaft in diesem Jahr um 5,8 Prozent und im Jahr 2013 um 3,7 Prozent schrumpfen wird. „Wenn das so weitergeht wird es extrem schwer weitere Sparmaßnahmen durchzusetzen: Dann würden politische Probleme durchkommen“, sagte Michels dem Telegraph.

Portugal läuft die Zeit davon. Die Sparmaßnahmen und Reformen könnten zu spät kommen, um wirklich eine Wirkung zu erzielen. Reformbedarf gäbe es noch zur Genüge (mehr hier).

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Kommentare

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  1. werner henrique tönjes sagt:

    C U I B O N O ?

  2. Michael sagt:

    Zweierlei Fehler:
    1. Von der Rendite muss man 30% Quellensteuer abziehen.
    2. Die Rendite von um 15% abzüglich Quellensteuer kassieren nur die, die Papiere zu diesen Preisen wirklich kaufen. Junk-Bonds muss man nicht haben.

    Die Umsätze, auch bei Griechen – JunkBonds an den Börsen waren weniger als 1% der Emissionsbeträge.
    Richtig, die Downgrades führten jedes einzelne Mal zum Anziehen der Renditen. Interessant ist, dass die Anleihen von Island, auch BBB- bei 100% notieren. Rußland BBB+, auch nicht gerade verlockend, ebenfalls über 100%. Da wird ein ganz übles Spiel gespielt, mit dem die EZB gezwungen werden soll Staatsanleihen nach angloamerikanischer QE-Manier anzukaufen, um die Renditen zu drücken.