Griechenland: IIF dementiert Abbruch der Verhandlungen

Der Chefverhandler für die Banken hat Athen mitten während der Verhandlungen verlassen. Charles Dallara sei jedoch planmäßig aus privaten Gründen abgereist, weil das Team weiterverhandle, erklärte das International Institute for Finance. Eine geordnete Abreise sieht anders aus.

Der Internationale Bankenverband gibt sich Mühe, die Konfusion um die Griechenland-Verhandlungen hoch zu halten. Am Samstagabend teilte ein Sprecher mit, dass der Chefverhandler keineswegs überraschend, sondern geplanterweise aus Athen abgereist sei. Der Grund: Er habe eine dringende, persönliche Verpflichtung außerhalb von Griechenland und könne daher nicht mehr weiterverhandeln. Die Verhandlungsdelegation sei noch in Athen und spreche mit den Vertretern der griechischen Regierung.

Dieses Dementi ist etwas seltsam: Denn entweder nimmt der IIF die Verhandlungen nicht ernst (sonst würde der Chefverhandler nicht abreisen, immerhi geht es um die Zukunft des Euro); oder aber die Verhandlungen sind gescheitert (dann sollte man das sagen).

Die Verhandlungen über einen Schuldenschnitt in Griechenland scheinen jedenfalls in einer Sackgasse: Die direkten Gespräche wurde am Samstag ohne Ergebnis abgebrochen. Nun sollen mit der EU und dem IWF weitere Konsultationen stattfinden, wie die Krise gelöst werden kann. Der Streit geht, wie schon mehrfach, über die Zinsen für die neuen Coupons. Ein Verhandler sagte der Nachrichtenagentur Dow Jones: „Im Moment gibt es keine Gespräche mehr. Die Gespräche sind sehr schwierig geworden, weil es wieder neue Forderungen wegen der Zinsen für die Coupons gibt.

Die Banken haben offenbar erhebliche Bedenken. Deshalb wurde ihnen zwischenzeitlich angeboten, Entschädigungen aus dem EFSF zu erhalten – offenbar jedoch auch vergeblich (mehr hier).

Der Chefverhandler der IIF, Charles Dallara ist abgereist. Sein Team ist noch in Athen. Dass die Banker aber weiterverhandeln ist unwahrscheinlich.

Die Banken und Hedge Fonds erwarten nun offenbar eher die Pleite. Für die Hedge Fonds ein gutes Geschäft wegen der CDS, für die franzsöischen Banken dagegen könnte es nun zu ernsten Problemen kommen.

Die Verhandler gehen nun nicht mehr davon aus, bis Montag eine Einigung vorlegen zu können. Dann treffen sich die europäischen Finanzminister, die über die nächste Griechenland-Tranche entscheiden sollen. So wie es jetzt aussieht spenden sie das Geld besser für einen guten Zweck.

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Kommentare

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  1. Johannes Eber sagt:

    Lieber „steuerembargo“,

    der „PARADIGMENWECHSEL“ wird kommen, die Schmerzgrenze des „deutschen Volkes“ ist noch nicht erreicht und Faktum ist zudem, daß „Viele“ schon resigniert haben aber das muß nicht so bleiben. Mein Vater und meine Mutter sagten mir immer wieder, man muß „nur warten“ können und sie haben immer „RECHT BEHALTEN“.

    Ich wünsche allen LESERN und der REDAKTION noch einen schönen Sonntag.

  2. Bürger sagt:

    Außer Spesen nichts gewesen.

  3. spion und spion sagt:

    Der Untergang des Teuros kann wohl noch ein bißchen hinausgezögert werden, aber nicht verhindert.
    Das Finanzwesen funktioniert so einfach nicht.

    @dparvus
    Stimme Ihnen zu.
    Es sind ja auch nicht die Griechen, die gerettet werden sollen, sondern u.a. die Franzosen.
    Die Societe Generale hat sich am Anleihenmarkt nämlich verzockt – mit irischen, portugiesischen, griechischen, italienischen, spanischen Anleihen.

    • spion und spion sagt:

      Meinte eigentlich „Eudank“.
      Aber Erstgenanntem stimme ich auch zu.

    • schlaumeister sagt:

      Dass das Finanzwesen so nicht mehr funktioniert, wollen die Finanz-
      und Politaffen einfach nicht wahrhaben oder auch nur verstehen.

  4. steuerembargo sagt:

    Zwischenzeitlich geht einem die Meckerei ueber die Politiker, Banker usw. mehr auf den Geist als das Desater selbst.

    Maulaffen brauchts da nicht, sondern verantwortliche und selbst handelnde Buerger.

    Wenn ihr genau so viel Energie fuer den realen Widerstand erbringen wuerdet, wie fuer die immer gleichen Sprueche, so waere die Situations sicher schon um einiges Besser!

    • Munnie sagt:

      Da stimme ich dir zu. Das wird mir auch immer klarer.

      Nur leider weiß ich nicht, was ich tun kann. Effektiv sollte es ja schon sein.

    • so-ist-es sagt:

      so weit – so gut.

      aber, dann organisiere mal.
      kannste nicht? na, dann bleibts wohl beim alten.

  5. hap sagt:

    Als Ersatz für den Chefverhandler kann doch Merkel fungieren oder Monti und mal eben ein paar Deutsche Milliarden locker machen.