Sean Egan: „Europa und USA sind nicht mehr kreditwürdig“

Die Ursache der Krise sei eindeutig, meint der Chef der Ratingagentur Egan Jones: Europa, die USA und Japan haben durch hemmungsloses Schuldenmachen ihre Bonität verloren. Ermöglicht hätten die die Banken durch eine „dumme Kreditvergabe“. Die Politik der westlichen Industriestaaten habe nur noch die Kraft zu einer Lösung: nämlich der Monetarisierung der Schulden durch Inflation.

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Der Chef der Ratingagentur Egan Jones hält die Angst vor der „Ansteckung“ in Europa durch Griechenland für ein Märchen. Sean Egan sagte den Deutschen Mittelstands Nachrichten: „Das Problem liegt doch darin, dass alle Staaten in Europa in den vergangenen Jahren exzessive Schulden gemacht haben. Dasselbe gilt für die USA und für Japan. Wir stehen vor der historisch einzigartigen Situation, dass alle wichtigen Industrienationen der Welt gleichzeitig nicht mehr kreditwürdig sind. Das sind unbekannte Gewässer. Niemand weiß, was jetzt als nächstes geschehen wird.“ Die Krise rühre aber nicht von einer „Ansteckung“ durch Griechenland. Egan: „Das ist so, wie wenn Sie sagen würden: Ein Dorf in einem Schweizer Kanton geht pleite, also muss auch der Kanton pleitegehen und dann die ganze Schweiz. Das ist ein Denkfehler.“

Das Problem sei vielmehr, dass die großen institutionellen Investoren das Vertrauen in die Staatsanleihen weltweit verloren hätten. Egan: „Die wichtigsten Staaten sind alle überschuldet. Warum sollten Investoren ihr Geld in Staaten stecken, von denen sie nicht wissen, wie diese Staaten morgen dastehen werden?“ Schon die Diskussion um den Schuldenschnitt in Griechenland habe auf die Investoren „abschreckende Wirkung“. Egan geht davon aus, dass Portugal in ähnliche Schwierigkeiten geraten wird. Ähnlich pessimistisch sieht er auch die Lage im restlichen Europa: „Die Verschuldung von Italien wird sich erhöhen. Und wie in Frankreich erwarten wir, dass sich das Verhältnis von Schulden und Bruttoinlandsprodukt verschlechtern wird – weil keiner dieser Staaten im Jahr 2012 ein Wachstum aufweisen kann.“

Für die Euro-Zone habe diese Entwicklung gravierende Folgen. Egan: „In seiner gegenwärtigen Form ist die Euro-Zone nicht aufrechtzuerhalten. Sie muss entweder zu einem lockereren oder einem engeren Wirtschaftsverbund werden. Das ist eine politische Entscheidung, und ich glaube nicht, dass die Politik in Europa derzeit die Kraft hat, eine engere Wirtschaftsunion zu formen.“

Es sei zu dieser dramatischen Fehlentwicklung gekommen, weil die Banken „dumme Kreditentscheidungen getroffen“. Egan: „Natülich hätte man Griechenland niemals so viel Kredit geben dürfen. Die Banken haben massenhaft faule Kredite vergeben. Das gilt für Europa genauso wie für die USA.“

Egan erwartet, dass es auch Sicht der Staaten nur eine Lösung gibt, die Krise zu bewältigen: „Die Staaten werden das Drucken von Geld beschleunigen. Wir sehen das in den USA, wo es nur eine Frage der Zeit ist bis wir die nächste Welle der Geldmengenausweitung erleben (QE3). Und wir sehen es in Europa, wo die EZB natürlich schon mit dem Gelddrucken begonnen hat.“

Dies sei kurzfristig natürlich auf den ersten Blick eine Lösung. Langfristig jedoch „wird dadurch die Kreditwürdigkeit der Schuldenstaaten nicht gestärkt, sondern weiter geschwächt.“ Besonders erstaunt ist Egan, dass die EZB ihre Kredite gegen immer schlechtere Sicherheiten vergibt: „Sie verletzten dabei ganz klar ihre eigenen Regeln. Früher konnten nur wirklich erstklassige Banken gegen erstklassige Assets Kredite bekommen.“

Egan erwartet, ähnlich wie andere Beobachter, dass „Europa rund 2,5 Billionen Euro frisches Kapital braucht, um durch die Krise zu kommen“. Dieser enorme Betrag werde, wenn er über die Zentralbanken in den Markt gepumpt wird, „zu einer Abwertung des Euro als der gemeinsamen Währung führen“.

Deutschland sieht Egan als den sichersten Ort in Europa, jedoch auch nicht ohne Probleme: Zum einen sieht er „das Problem bei der Commerzbank als nicht gelöst“ – trotz aller euphorischen Erklärungen aus der Bank. Und zum andern glaubt Egan, dass die Deutschen am Ende für die Rettung Europas werden geradestehen müssen: „Deutschland hat eine starke Wirtschaft und eine hohe Sparquote. Die Kosten der Euro-Rettung wird die Wirtschaft treffen, auch wenn sie kurzfristig durch einen weichen Euro profitiert. Und die Inflation wird natürlich die deutschen Sparer treffen.“ Dass es eine Inflation geben wird, dafür habe man „signifikante Beweise“, so Egan. Der Euro ist für Egan daher eine „unsichere Währung“. Welche Währung er für sicher hält? Egan: „Den kanadischen Dollar, den australischen Dollar und den Singapur Dollar.“

Den US-Dollar nennt Sean Egan nicht als sichere Währung. Damit untermauert er die Unabhängigkeit seines Unternehmens. Seine Ratingagentur, die erst kürzlich Deutschland herabgestuft hat, ist nämlich ausschließlich den Investoren verpflichtet (mehr hier).

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Kommentare

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  1. Mr Fred Hookson sagt:

    Brauchen Sie einen Kredit? Wenn dem so senden Sie uns eine E-Mail
    Mail zurück mit Ihren vollständigen Namen, Kreditbetrag
    notwendige Dauer und Telefonnummer, damit wir fortfahren können

  2. Franz Dreesen sagt:

    Egan hat vollkommen recht!Deutschland wird am ende die Hauptlast tragen.Merken werden das am ende nur diel kleinen Normalbürger,wenn ihnen immer weniger in der
    Lohntüte-sofern sie noch eine haben-bleibt.Merkel,Schäuble,Baroso&das ganze andere Gesocks werden ihren Gürtel weiterschnallen-so wie damals,als die kriminelle,hohle Birne Kohl sagte: wir alle müssen den Gürtel enger schnallen…Der Normalbürger hat seidem Jahr für Jahr enger geschnallt!Doch Politiker,Banker&Manager Jahr für Jahr den Gürtel weitergeschnallt!Weiter so!!Irgendwann arbeiten wir nur noch für Lebensmittel&Kleidungsgutscheine,alles andere kassiert dieser Betrügerstaat ein!