China: Mehr Kredite an Entwicklungsländer als die Weltbank

In den vergangenen Jahren hat sich der Einfluss chinesischer Investoren in den Entwicklungsländern enorm ausgeweitet. Derzeit vergibt China an afrikanische Länder deutlich mehr Kredite als die Weltbank – und für die Länder zu besseren Konditionen. Beobachter warnen vor gefährlichen Abhängigkeiten.

Seit einigen Jahren haben sich Delegationen der großen Banken Chinas verstärkt Geschäften mit den Entwicklungsländern zugewandt. Jamie Metzl, stellvertretender Vorsitzender der Asia Society, sagt der BBC: „Vergangenes Jahr hat China mehr Kredite für Entwicklungsländer zur Verfügung gestellt als die Weltbank“. Zum Vergleich: 2010 hat die Weltbank Ghana ein Darlehen im Wert von 313 Millionen Dollar und Sambia im Wert von 95 Millionen Dollar bereitgestellt – allein die chinesische Export Import Bank gab Kredite über 9,87 Milliarden Dollar und 315 Millionen Dollar.
Der Vorstoß chinesischer Investoren reicht von Lateinamerika über Afrika bis hin zu Asien. Grund: Immer mehr internationale Investoren, vor allem traditionelle Partner, seien aus dem Geschäft ausgestiegen, weil das geförderte Land zuvor seine Schuldenpflicht nicht eingehalten hatte. Hannah Erdinger, Forschungsleiterin bei Frontier Advisory, berichtet, die Risikobereitschaft Chinas sei anders – so habe China das Loch fehlender Investoren gefüllt.

Beispielsweise finanziert China Angola seit dem Bürgerkrieg 2003. Bis heute hat es seine Kreditlinien auf 15 Milliarden Dollar erweitert. Die Chinesen bauen die neue Infrastruktur und bekommen im Gegenzug Öl. Chris Alden, vom China in Africa Projekt, kritisiert, die besondere Abmachung habe ihre Mängel. „Im Grunde bleibt das Geld in China – es ist auf das Projekt konzentriert und zirkuliert nicht in Angola – und damit ist es auch kein Anstoß für die Wirtschaft.“

Chilufya Chileshe, Forscher der sambischen Zivilgesellschaft, schließt sich der Kritik an und fügt hinzu, dass dies auch der Grund für den starken Groll gegen Chinesen im Land sei. Auf den Straßen seien die Aktivitäten chinesischer Baukonzerne durch Verkehrsschilder, Geldautomaten und Plakate sichtbar, aber zwei Drittel der Bevölkerung bleiben in Armut und nur zehn Prozent haben offiziell Arbeit. Daher geben viele Sambier den Chinesen die Schuld für ihre Notsituation.

Das wahrgenommene Versagen der chinesischen Geldmittel, steigert zudem den Vorwurf, dass die Bemühungen der Weltbank durch die günstigen Konditionen der chinesischen Kredite untergraben werden. So sollte unter anderem Kambodscha ein Darlehen von der Weltbank in Höhe von 600 Millionen Dollar bekommen. Die Bedingungen waren: Transparenz, Anti-Korruption und Rechenschaftspflicht. China gab einen Kredit über 601 Millionen – ohne Auflagen.
Metzl ist der Meinung, China vernachlässige die moralische Pflicht, mit ihren Krediten für eine langfristige Gesundheit der Wirtschaft zu sorgen. China müsse noch viel mehr tun, um ihre globale Verantwortung und ihr Engagement für den Aufbau eines internationalen Systems zu zeigen. Er fordert daher die Zusammenarbeit mit der Weltbank, um sicherzustellen, Darlehen seien an härtere Auflagen wie Transparenz, Anti-Korruption und Rechenschaftspflicht gebunden.

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Kommentare

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  1. Walter Schneider sagt:

    Ein Beobachter meint, afrikanische Länder gerieten in eine „gefährliche Abhängigkeit“?

    Und wie bezeichnen sie die jetztige Situation dank Geldern aus den USA und Europa?

  2. Irmgard sagt:

    Mein Kommentar

    Kongo lebte mit sich und der Welt in Harmonie, bis die Kolonialisten kamen, da geschah die erste Abhängigkeit ausbeuten lassen oder sich wehren und dafür sterben. Die Kolonialisten wollten auf Kosten der afrik. Länder reich, sehr reich werden. 15 Mill. Menschen sind dafür gestorben.
    Dann kam die sog. Unabhängigkeit durch göttlich Gnade der Kolonialisten. Doch die hörten nicht auf, die wollten weiter vom Kuchen des Reichtum und schafften sich ihre Gönner, wer nicht gehorchte wurde eliminiert
    Wurden sie abhängig gemacht durch die sogenannten (Entwicklungs) Helfer, durch all die Kredite die man ihnen aus lauter „Nächstenliebe“ bis zum Exodus gewährte bis heute, die besonders den Kongo zerstörten ? Die sog. Geber wurden alle sehr reich, ihre Wirtschaft wuchs und wuchs, während die „unterentwickelten“ Länder der sog. Dritten Welt“ am vollen Fressnapf ihrer Erdschätze verhungern müssen bis heute..

    Jetzt sind die lieben lieben Chinesen in Afrika eingefallen, die in Konkurrenz mit anderen sog. Weltmächten stehen, jetzt wollen auch die Afrika „retten“. Wieder neue Kredite, dafür viele viele Erdschätze aus dem Kongo, damit sie viele viele Handys produzieren können, damit viel sehr viel Profit gemacht werden kann auf Kosten der Menschen in Kongo, ich spreche nur vom „einfachen“ Volk, das ist absolut arm.

    50 Jahre der „Freiheit“ sind weitere 50 Jahre einer anderen Art Kolonialismus geworden. Man spielt sich als Retter auf und meint die Erdschätze. Würde man die Menschen meinen, dürfte Kongo nicht in einer so miserablen Verfassung sein. Schaut genau hin, wer dort im Kongo wütet, wer durch den Kongo Milliarden verdient hat ohne Rücksicht auf Verluste der hungernden Menschen.

    Hunger, enormen Hunger, kaum noch Schulbildung, kaum Arbeit für die Menschen, kaum med. Versorgung wegen der Armut, dafür sogenannte demokratische Wahlen, die von der westlichen Welt auch noch beglückwünscht wird, um sich den Präsidenten bzw. seine Erdschätze verfügbar zu halten. Das Volk des Kongo ist wütend, aber ihre Wut wird im eigenen Land nieder geprügelt, nieder geschossen, Menschen verschwinden oder sterben plötzlich, es wird alle pol. Macht genutzt, das keine Informationen in die Welt gehen, Journalisten verfolgt und lt. Meldungen getötet. Das ist Demokratie ? Die Welt schaut wie üblich weg, die Medien schweigen.

  3. Brasil sagt:

    Ein schöner Bericht, der die Machenschaften der Weltbank, deren Tochter der IWF ist, beschreibt:

    Muss gesehen werden.!

    Hier der Link zum Teil 1 von 9 Teilen:

    http://www.youtube.com/results?search_query=Economic.Hitman.german.1-9&oq=Economic.Hitman.german.1-9&aq=f&aqi=&aql=&gs_sm=e&gs_upl=10941l11404l0l11748l2l2l0l0l0l0l285l327l1.0.1l2l0

    Da ist China Lichtjahre entfernt von solchen Machenschaften!

    • mueller sagt:

      danke für link, ich bin immer wieder froh um solche hinweise!
      ps link funktioniert so nicht, aber economic hitman eingeben und schon ists da 🙂
      und ein danke an den blog hier, ich wäre aufgeschmissen ohne euch! die zeitungen in der schweiz drucken echt nur unreflektierten, beschönigenden, abgenickten mist. und son link würde niemals als kommentar gepostet… weiter so!

    • khaproperty sagt:

      @ Brasil:

      Nicht Tochter – Schwester ist die Weltbank vom IWF.
      Gemeinsame Mutter ist die UN.

    • Hein sagt:

      ad Brasil.

      China hat eine ganz andere Haltung Afrika gegenueber.
      Es wird verhandelt um Plantagen zu errichten oder Rohstoffe zu kaufen.
      Der grosse Unterschied ist aber dass China sich nicht interessiert fuer Politik in diese Laender. Uebrigens wird auch die Infrastuktur verbessert weil es auch zu Guensten ist fuer beide Partner. Ein Afrikanisches Land kann auch viel ekstra bekommen aber meistens gibt es eine Bedingung dass man arbeiten darf mit Chinesen. In libyen zum Beispiel arbeiteten mehr als 30.000 Chinesen.
      Es werden Haefe gebaut und es werden auch Produkte aus China importiert zum Ausgleich von Importe aus diese Laender und zum wohl von China