Deutschland und Frankreich wollen Banken-Regulierung aufweichen

Deutschland fürchtet, die verpflichtende Kernkapitalquote durch Basel-III könnte eine Kreditklemme verursachen. Es unterstützt nun einen Vorschlag, der es vor allem französischen Banken leichter machen soll, die Kriterien zu erfüllen. Großbritannien ist darüber verärgert.

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Deutschland und Frankreich wollen die Bankenregulierung aufweichen. Die Finanzminister der beiden Länder wollen Anfang der Woche vorschlagen, die Basel-III-Bestimmungen über die Kernkapitalquote entscheidend zu verändern.

Wie die FT berichtet, sollen vor allem Banken profitieren, die Versicherungen besitzen. Ihr Kapital soll nicht jeweils für beide Geschäftszweige, sondern einmal gesamt gezählt werden. Würde das Kapital nur einmal gerechnet, müssten die betroffenen Banken wesentlich weniger Kernkapital aufbauen, um Basel-III erfüllen zu können.

Von dieser Änderung würden vor allem die beiden großen französischen Banken Société Générale und Crédit Agricole profitieren (sie gelten seit geraumer Zeit als Risikokandidaten – mehr hier). Sie besitzen beide Versicherungsanstalten. Mit der Änderung der Vorschriften wollen Wolfgang Schäuble und sein französischer Amtskollege François Baroin verhindern, dass die Banken die Kreditvergabe an die Realwirtschaft einschränken (mehr hier). Sie geben an, damit den Mittelstand entlasten zu wollen.

Außerdem soll die Veröffentlichung des Verschuldungsgrades der Banken verschoben werden. Bisher war geplant, dass Banken den Anteil an Fremdkapital ab dem Jahr 2015 offenlegen müssen. Der deutsch-französische Vorschlag, der morgen vorgelegt werden soll, will dies aus das Jahr 2018 verschieben.

Belasten dürfte der Vorschlag aber vor allem erneut die Beziehungen zu Großbritannien (mehr hier). Der britische Premierminister David Cameron hatte beim EU-Gipfel im vergangenen Dezember striktere Regeln für Banken gefordert. Er will eine Offenlegung des Schuldenstandes schon ab dem nächsten Jahr.

Im Dezember gaben globale Regulierungsbehörden Cameron recht. Nun befürchten die Briten, der gemeinsame Vorschlag Deutschlands und Frankreichs könnte diese Position ins Wanken bringen (mehr hier).

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Kommentare

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  1. hunsrückbauer sagt:

    klar hat london damit ein problem, wenn die bürden für eurolandbanken erleichtert werden, sie könnten dann den staatsbankrot von UK überleben.

  2. khaproperty sagt:

    GB ist natürlich gegen eine Aufweichung, weil sein Bankensystem damit fertig werden kann, was bei Deutschen und Franzosen (sowie anderen Euroländern) nicht der Fall ist.
    Alles was unter Euro-Währung läuft, hat wachsende Probleme mit dem Banken- und Finanzsystem und nachfolgend mit der wirtschaftlichen Entwicklung, was schon zu besichtigen ist.
    So ruiniert der Euro nach und nach aber sicher alle Volkswirtschaften, die sich auf ihn einließen.

  3. Karl Heinz sagt:

    Zitat: „Außerdem soll die Veröffentlichung des Verschuldungsgrades der Banken verschoben werden. Bisher war geplant, dass Banken den Anteil an Fremdkapital ab dem Jahr 2015 offenlegen müssen. Der deutsch-französische Vorschlag, der morgen vorgelegt werden soll, will dies aus das Jahr 2018 verschieben.“

    DA MUSS ACKERMANN IM KANZLERAMT ANGERUFEN HABEN !!!

    Es wird immer absurder. Das fällt keinem ein, der an der frischen Luft war.

    Das wird er absolut stabilste, stabilisierte Stabilitätspakt der Stabilitätsgeschichte.

    Ich klopf mir vor Lachen die Schenkel wund und mach mir fast in die Hose.

  4. wei sagt:

    der Verschuldungsgrad kann nicht einzeln sondern nur im Komplex aufgezeigt werden-aber das wäre der Horror.

    Plötzlich würde jeder erkennen das der IIF das sagen hat ,das sämtliche Infrastrukturen der Staaten den Banken gehören,das zusätzlich die Verschuldung dazu kommt und damit das taktieren der Eliten wie Marionetten gewertet wird.

    Jedes Land wird durch Verschuldung erpressbar-man tut das was die Banken wollen- das passiert gerade

  5. lionheart sagt:

    @werner: welche partei wäre das?

  6. gogobang sagt:

    „Außerdem soll die Veröffentlichung des Verschuldungsgrades der Banken verschoben werden. “

    Eine vertrauensbildende Maßnahme ist das nicht. Merkel, Schäuble und Lagarde beraten gerade…sieht alles nach einem weiteren Engpass aus. Die Krise hat sich wieder verschärft…bisherige Maßnahmen zeigen keinen Erfolg.

  7. Brasil sagt:

    Wieso die Politiker überhaupt noch irgendwelche Regeln vorschlagen, oder gar verabschieden, das will keinem vernünftigen Menschen mehr einleuchten!

    Wozu sollen Regeln gut sein, außer zur Arbeitsbeschaffung überbezahlter Beamter, wenn die Politikmarionetten sie als Erste und konsequent missachten?

  8. Dagmar Kohlrausch sagt:

    Der Verschuldungsgrad der Banken sollte ab sofort offen gelegt werden. Und dieses unseelige Verträge vorlegen und sie dann wieder zu verwässern, hat auch schon System.

    Es gibt sündhaft teure Kreditausfallversicherungen, die aber nicht gezogen werden dürfen/können, weil niemand weiß wer hinter diesen Versicherungen steht Warum gibt es sie dann überhaupt?

    Wir brauchen deutlich weniger EU, dafür aber wieder Nationalwährungen, meinetwegen mit dem Euro für den Außenhandel, nicht aber als offizilles Zahlungsmittel.

    • Syssifus sagt:

      Vielmehr sollte offengelegt werden,bei wem genau sich unsere Staats-
      schulden befinden und wer dafür die ca. 40 Mrd.Euro/Jahr an Zinsen aus dem Schuldendienst einstreicht.Diese Info’s, werden wie ein Staatsgeheimnis behandelt.

  9. Werner sagt:

    Mich kotzt der Opportunismus der Politiker nur noch an.
    Bei der nächsten Wahl werde ich eine neue, europa-feindliche Partei wählen um die gegenwärtigen Politiker in die Wüste zu schicken.

    mfg. Werner

    • Martina Fransewitz sagt:

      Ich schließe mich an.
      Meine Stimme bekommt weder CDU,FDP,SPD,GRÜNE geschweige denn die LINKEN.
      NUR eine Partei die entweder für den EURO-Austritt oder am besten für einen EU-Austritt plädiert ist meine Stimme wert.

    • schlaumeister sagt:

      wo gibt es diese Partei? Ich glaube, die müssen wir erst gründen.

    • Goldhamster sagt:

      Wäre doch ein Signal, nur noch 10% der Leute gehen zur Wahl.

  10. murksel sagt:

    Alles immer nur für die Banken.
    Und was machen die mit ihrem Geld ? Sie parken es bei der EZB ! Ja geht’s noch !

    Und jetzt merkt man wer wirklich die Banken regulieren will,nämlich Great Britain.
    Und unsere sauren Gestalten, dieses Hilfspersonal der Bankster denkt nicht im Traum daran. Alles nur verlogene Lippenbekenntnise der Kanzlerin und ihre Rollis.