Griechenland: Haircut-Verhandlungen in Sackgasse

Die Verhandlungen der privaten Gläubiger über einen Schuldenschnitt sind in eine Sackgasse geraten. Möglicherweise hat der IWF mit einem Vorschlag die Grenze des Zumutbaren überschritten. In Berlin kann man deshalb erste Absetzbewegungen von der Euro-Zone erkennen.

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Der Poker um eine Einigung über den Schuldenschnitt geht auch nach dem Wochenende weiter. Eigentlich hätte schon längst eine Einigung präsentiert werden sollen. Doch möglicherweise hat der Internationale Währungsfonds (IWF) mit einem Vorschlag den Bogen überspannt: Der IWF, der gemeinsam mit der Europäischen Zentralbank (EZB) einen offiziellen Gläubigerstatus genießt und vom geplanten Schuldenschnitt nicht betroffen ist, hatte am Freitag von den privaten Gläubigern gefordert, die Zinsen für die neuen, langfristigen Bonds um weitere 50 Basispunkte zu senken. Ein Banker sagte der FT, dies „könnte einen freiwilligen Schuldenschnitt unmöglich gemacht haben“. Der IWF war schon in den vergangenen Wochen in den Verdacht geraten, die Verhandlungen verschleppen zu wollen, um einen Crash in Griechenland nicht vor der Präsidentenwahl in Frankreich erleben zu müssen (mehr hier).

Die privaten Gläubiger müssen mit Haircuts bis zu 70% rechnen (mehr hier). Kurzfristig konnte man den Eindruck gewinnen, dies sei möglich (mehr hier). Dann reiste der Chefverhandler des internationalen Bankenverbandes IIF, Charles Dallara am Wochenende überraschend ab (das hektische Dementi des IIF bestätigt eher den Eindruck, dass etwas schiefgelaufen ist – mehr hier).

Am Sonntagsabend berieten Angela Merkel und Christine Lagarde über Auswege aus der Krise. Die privaten Gläubiger vertreten die Position, dass auch die EZB und der IWF zur Ader gelassen werden müssen (mehr hier). Daraufhin wurde der Vorschlag präsentiert, die privaten Gläubiger könnten Bonds am EFSF kaufen oder von der EZB anderweitig entschädigt werden (mehr hier).

Tatsache ist jedoch, dass das Griechenland Desaster weitreichende Folgen für die Euro-Zone haben wird – unabhängig davon, ob es noch einen formellen Deal oder die offizielle Staatspleite gibt. Denn mehrere Hedge-Fonds werden gegen eine Enteignung klagen (mehr über die sehr guten Erfolgsaussichten solcher Klagen – hier). Und nach geltender Rechtsmeinung wird am Ende die Deutsche Bundesbank die Ansprüche der Hedge Fonds befriedigen müssen (mehr zu dieser brandgefährlichen Situation – hier).

Weil zur gleichen Zeit das Investment für seriöse Anleger wie Pensionsfonds wegen der Schuldenlasten der Industrienationen zu einem No-Go geworden ist (mehr hier), werden sich die Spekulanten nach Griechenland die anderen Staaten vornehmen. Damit aber wäre es offiziell, dass Deutschland die volle Haftung für alle Staatsanleihen in Europa übernehmen müsste. Dies ist unwahrscheinlich: Finanzminister Wolfgang Schäuble hat am Sonntag dem Ansinnen von Mario Monti eine Abfuhr erteilt, den ESM aufzustocken. Die Zukunft des Euro hängt somit an einem seidenen Faden – der im Moment schon so dünn ist, dass ihn keiner mehr sieht.

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  1. paloma sagt:

    heute ist ein trauriger tag für kroatien.die mehrheit der kroaten hat für eine EU-mitgliedschaft gestimmt.

    nach 40 jahren komunistische diktatur und 20 jahre freiheit begibt sich kroatien freiwillig unter EU-bevormundung.

    die einzige hoffnung für griechenland ist ein staatsbankrott.denn nachher können die griechen neu anfangen.
    und die “freien” staaten schweiz und norwegen,werden beim neuaufbau der wirtschaft sicher helfen.

  2. Spartakus sagt:

    Was für ein Haircut?
    Die Fälligkeit wird auf 30 Jahren verschoben, Verzinsung um die 4% pro Jahr.
    Wo ist da der Haircut?