Italien: Behörden fürchten, dass LKW-Blockaden außer Kontrolle geraten

Italienische Trucker haben den Verkehr auf den Autobahnen des Landes teilweise zum Erliegen gebracht. Die Regierung fürchtet, dass die Aktionen außer Kontrolle geraten könnten. Denn die Fernfahrer haben angkündigt, den Verkehr bis zum Freitag lahmlegen zu wollen.

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Die italienischen Fernfahrer hatten ihre Protestaktion genau getimt: Zum Auftritt von Mario Monti in Brüssel, wo der technokratische Premier seine großen Sparerfolge präsentierte, sollten die Trucker zeigen: Die Realität in Italien ist eine andere. Ihr Ziel: Sie wollten Mario Monti vor der EU bloßstellen. So hielten sie Blockaden der wichtigsten Autobahnen von Sizilien und Gioia Tauro bis Turin ab. Besonders betroffen war die Lombardei.

Die italienischen Fernfahrer protestieren mit der Aktion gegen das geplante Sparpaket von Monti, welches am Donnerstag im Parlament diskutiert werden soll. Sie sind besonders vor Steuererhöhungen betroffen, die die Preise für Benzin und Diesel in die Höhe treiben werden. Monti hatte den Abgeordneten bereits „geraten“, das Paket nicht zu verwässern. Silvio Berlusconi wiederum hatte angekündigt, nur wachstumsfördernde Maßnahmen unterstützen zu wollen (mehr hier).

Die Fernfahrer wollen bis zum 27. Januar demonstrieren. In vielen Städten kam es schon am Montag zu chaotischen Zuständen, ebenso an Bahnhöfen und Flughäfen, weil auch die Taxifahrer wieder streiken. Sie lehnen eine Öffnung des Taximarkts ab.

Daher steigt die Sorge der Verantwortlichen, dass aus dem ungewöhnlich langen Streik eine neue Qualität der Aggression erreichen. Innenministerin Annamaria Cancellieri sagte: „Wir beobachten die Entwicklung sehr genau. Wir können nicht ausschließen, dass die Unzufriedenheit noch zu einer anderen Art des Protests führen.“

Die Trucker dagegen geben sich gelassen: Wenn die Regierung die geplanten Änderungen wieder zurücknimmt, werden sie die Blockaden selbstverständlich früher beenden.

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Kommentare

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  1. Detlef sagt:

    Nah also es wird auch mal zeit das die LKW Fahrer was unternehmen, denn die haben
    sich bisher nur alles gefallen lassen. Am meisten sind es die Deutschen LKW Fahrer
    die man am A.. hat. So ein Streik müsste auch in Deutschland durchgeführt werden .( aber in D: haben wir LKW Fahrer ja keine Gewerkschaft also keine Rechte!!) .

  2. Toni sagt:

    Tolle Aktion, so macht man ordentlich Druck.

    Jeder kann und muß was tun,
    um diesem EU Wahnsinn ein Ende zu machen.

    Siehe dazu:
    http://www.deutsche-mittelstands-nachrichten.de/2012/01/36250/#comment-45912

  3. hunsrückbauer sagt:

    ach was wäre ich stolz, wären wir aus diesem Holz
    ich würd´ tanzen, singen lachen und mir in die Hose machen
    schlafen tät ich wieder gern ohne diesen Strassenlärm
    ach was wäre ich so stolz, wären wir aus dem italien-Holz.

  4. Livia sagt:

    Auch wenn Berlusconi eine Lachnummer in Europa war, so war er doch zumindest demokratisch gewahlt. Den Banker und Finanzkapital Lobbieisten Monti hat man den Italienern dagegen ganz undemokratisch vor die Nase gesetzt – entweder ihr akzeptiert ihn, oder es gibt kein Geld!!!
    Daß der Deutsche erst zur Solitarität in der Lage ist, wenn die Feinde schon im Land stehen, hat schon Tiberius gewußt, als er feststellte „… überlassen wir die Germanen ihren inneren Streitigkeiten!“ Und daß man sich lieber gerne unternander anschwärzt wußten z.B. auch schon Metternich und Mielke zu nutzen.
    Sich mit Trivialitäten zu beschäftigen, wenn es eigendlich gefährlich wird, ist hingegen wohl eine Art „Schutzmechanismus“ des Gehirns. Je schlechter die Zeiten, desto oberflächlicher die Unterhaltung und das Ignorieren der Gefahr. Die englische Oberschicht Rhodesiens machte nach der Gründung Simbabwes auch erst mal so weiter, als wäre nichts gewesen, bis daß die Plünderer und Totschläger vor der Haustür standen.
    Daß die Leute, die lesen und sich informieren, schon den Gleichsprech leid sind sieht man daran, daß die Verkäufe der üblichen Tageszeitungen konstant rückläufig sind, sogar die Blödzeitung jammert!
    Und schließlich kommt hinzu, daß bei einer stark überalterten Bevölkerung keiner (mehr) auf die Straße geht. Wenn man dafür sorgt, daß die Jungen ihr Auskommen haben – oder auswandern, kann man den Alten ruhig den Brotkorb höher hängen – die gehen in der Regel nicht auf die Straße. Genau das ist in Ländern wie Italien, Spanien, etc. anders; die haben eine hohe Jugendarbeitslosigkeit!

  5. Kerstin Butta sagt:

    Ich berichte in meinem Blog schon seit dem die Streiks angefangen haben und dies geschah auf Sizilien. Von vielen im Norden anfangs belächelt begannen vor gut einer Woche die LKW-Fahrer und die Bauern auf Sizilien und dort stand alles still. Lebensmittelgeschäfte waren innerhalb kürzester Zeit leer und auch alles andere fehlte bald.
    Nun haben auch die Festland-Italiener kapiert, dass sie sich diesem Streik anschließen müssen und ich hoffe es bleibt weiterhin friedlich…denn es knistert.