Griechenland: Differenzen zwischen Paris und Berlin

Während der französische Finanzminister Baroin die Einigung mit den Gläubigern auf gutem Weg sieht, kritisiert Wolfgang Schäuble die schleppenden Reformen. Es ist unklar, ob die EU-Finanzminister noch am Montag einem Deal zustimmen werden, den es noch gar nicht gibt.

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In Paris und Berlin werden die Fortschritte bei der Griechenland-Rettung offenbar unterschiedlich bewertet. In Athen wird weiter um einen Deal gefeischt (oder auch nicht), Beobachter sprechen davon, dass ein Deal wenn überhaupt, frühestens am kommenden Montag vorliegen werde (unter anderem wohl deshalb, weil die Druckmittel gegen die Hedge Fonds nicht so effizient funktionieren, wie sich das manch einer gewünscht hat – mehr hier). Angela Merkel hat es jedenfalls ausgeschlossen, dass Deutschland den Griechen mit einem Überbrückungskredit aushelfen könnte, sollte sich der Poker um den Schuldenschnitt noch länger hinziehen.

In einer solch undurchsichtigen Gefechtslage erhalten Zwischentöne eine besondere Bedeutung. Hier fällt auf, dass die Franzosen die Lage sehr optimistisch beurteilen, während sich Deutschland auffallend zurückhält.

Der französische Finanzminister Francois Baroin sagte vor dem Treffen der EU-Finanzminister, dass ein umfassender Deal beim Schuldenschnitt „Gestalt annimmt“. Er erwarte eine Lösung in Kürze. Offenbar hofft Baroin, dass die EU-Finanzminister einem Deal zustimmen, dessen Details erst nach der Zustimmung ausgehandelt werden.

Deutschlands Wolfgang Schäuble dagegen beklagte die enorme Verspätung der Griechen bei ihren Reformanstrengungen (mehr zu den sehr bescheidenen Fortschritten – hier). Schäuble sagte in bei einer gemeinsamen Pressekonferenz mit Baroin und den Chefs der Notenbanken in Paris, dass man die zweite Hilfstranche im März zwar gerne ausbezahlen möchte, jedoch sichergestellt werden müsse, dass das griechische Haushaltsdefizit in zehn Jahren nach der Restrukturierung „nicht viel größer sein dürfe als 120% des BIP“. Viele Volkswirte halten dies beim gegenwärtigen Schuldenschnitt für aussichtslos (mehr zum Stand – hier). Dazu müsse Griechenland „seine Verpflichtungen einhalten“. Das sei „sehr schwer“ und es gäbe schon „große Verzögerungen“.

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Kommentare

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  1. verzweiflung sagt:

    Es ist vorbei, die EU hat alles versaut!
    Wir sind von „unserem“ gesamten Parlament verraten worden Die anderen „Staatsmänner“ vertreten ihre Völker – ENDE AUS SCHLUSS VORBEI

    Die ganze Zappelei mit hin und her ist doch nur Beruhigungstheater vor der Hinrichtungskammer – endlich ist Schluss mit dem deutschen Volk und die Sektkorken können knallen – ich bin nach dem 2. Weltkrieg geboren – was wollen diese Verbrecher von mir?

    • Cuzco sagt:

      Genau diese Frage habe ich mir auch schon gestellt!

      Leider keimt in mir der Verdacht täglich mehr, dass dies Alles letztlich in einen Krieg führen wird…

      • Julia sagt:

        Ich kenne keinen in meinem Land, der Krieg fuehren will in Europa. Wenn Du von einem Irankrieg sprichst, den die USA im Auge vom Friedensnobelpreistraeger hat, dem koennte ich schon eher zustimmen. Sollten sich die EU Laender dem anschliessen, besser, die korupten Regierungen, dann bekommen die Eurolaender die Bomben auf den Kopf.Und das werden nicht kleine Bomben sein. Denn Pakistan, Russland, Indien und China, werden dem Iran zur Seite stehen. Wer will eigentlich heute noch den USA beistehen? England, Frankreich und ein wenig Deutschland?
        Dann sollen sie.

  2. TäglicherLeser sagt:

    Herr Schäuble macht sich doch lächerlich. Natürlich werden die Griechen zusagen, dass sie die 120% schaffen werden. Sie haben ja auch die anderen Reformen radikal durchgedrückt. Ha, ha. Wie will Schäuble das „sicherstellen“? Nur die Angst, dass keiner mehr rausgehauen wird von den dummen Deutschen, wird Verbesserungen „sicherstellen“.
    Warum zieht Schäuble nicht die Reißleine und zeigt endlich Entschlossenheit bei den notwendigen Schritten? Er hat doch sowieso nichts mehr zu verlieren. Seinen Platz in der Geschichte kann er nur noch verbessern.

    Danke DMN, bleibt weiter hart am Wind!

  3. Munnie sagt:

    Es scheint tatsächlich so etwas wie eine Linie Frankreich/Italien zu den Südländern zu geben.
    Unterhalb der Linie ist die Politik geprägt von Schlitzohrigkeit und einem Wettbewerb, wer es am besten schafft, die Partner übers Ohr zu hauen und abzuzocken.
    Und oberhalb der Linie ist man geprägt von Blödheit und Gutwilligkeit, sich das letzte Hemd auch noch ausziehen zu lassen.

    Alles ein riesengroßes „Spiel“, bei dem das Volk auf der Strecke bleibt.

  4. donauwaller sagt:

    Ich komme schier nicht über meine kopfschüttelnde Fassungslosigkeit hinweg…
    Unsere Politiker sind doch schliesslich auf den Eid „… das Wohl des deutschen Volkes zu mehren … “ verpflichtet. Im Sinne des deutschen Volkes kann es jedenfalls nicht sein, dass es sich ausnehmen lässt wie eine Weihnachtsgans und hierzu auch noch von Volksvertreterseite mittelbar aufgerufen wird !
    Das japanische, tatsächliche „Kamikaze-Ethos“ ist eine andere Kategorie, welche mir immerhin einigen/grossen Respekt abnötigt.
    Das Ganze zwecks Hinüberrettung einer falschen Konstruktion -die in ihrer Konsequenz inzwischen halb Europa gegen Europa echauffiert/aufbringt- nebst pubertärem Idealismus … ja wohindenn ! ? !
    Lasst doch in drei Zeus´ Namen die Griechen ziehen (Rausschmiss) – auf dass sie dann in Bälde nicht mehr kriechend daherkommen … abgewertet zwar … aber eine Chance auf einen Neuanfang,-erhalten. Natürlich ist so eine Odyssee kein Pappenstiel. Und ?

    Mein eigentlicher, immer grösser werdender Zorn gilt unseren Mächtigen – die keine Eier in der Hose haben ! Weichgespült durch Commonsense/WKI/IIassoz.Schuldkomplexe/Wiedergewähltwerdenwunsch uswusw. …Keine Traute, sich und uns gegenüber einzugestehen, dass sie gefehlt haben.

    So´n quasi-philosophischer Quatsch wie : „Kapitulation kann klug und geboten sein“ … kommt an keiner Stelle vor. Keine Nachdenklichkeit …
    Genau das ist es, was mich an uns „Europäern“ erschreckt: keine Nachdenklichkeit !
    Nirgends (als Haltung mit „Eiern“)

    verflixtverdammtnochmalbockmist … allenthalben
    (ich wäre so gerne konstruktiv)

  5. Gast sagt:

    Oh, es gibt Leute die sehen den Haircut mit ganz anderen Augen und mit ein wenig Weitblick. Zum Beispiel hier:

    http://www.zerohedge.com/news/qa-greek-restructuring-and-why-its-all-nothing

    Es ist wohl nicht entscheidend ob es eine erfolgreiche Verhandlung gibt sondern entscheidend für die Zukunft Griechenlands sind die ausgehandelten Konditionen.
    Was nützt ein Haircut, wenn dieser nicht auch dazu führt zukünftige Zinsen und Staatsanleihen bedienen zu können. 50% – 70% führen später in die gleiche Katastrophe. Zudem werden bei einem Haircut sicher die CDS fällig. Hoffentlich haben die Versicherer soviel Geld und sitzen nicht auch noch in Griechenland.

    Überbrückungskredit? Viel besser wäre ein Übergangskredit von Euro zu Drachme. Das kommt langfristig billiger und ermöglich der EU sich auf die nächsten Kandidaten einzustellen.

  6. Dagmar Kohlrausch sagt:

    Fakt ist doch, dass alles was Griechenland verkaufen will (oder auch nicht), ist marode und fährt Defizite ein. Griechenland hat jetzt deutlich höhere Schuldem als von den Rettungsaktionen. Damals lag der Schuldenstand bei 130% des BIP, nach dem Schuldenschnitt soll er wieder so hoch liegen. In den nächsten 8 Jahren soll dieser Schuldenstand um 10% gesenkt werden, bis dahin pumpen wir wieder jedes Jahr Milliarden nach Griechenland.

    ICH WILL DAS ALLES NICHT MEHR!!!

  7. khaproperty sagt:

    Prinzipiell aber auch wegen der näherrückenden Wahl in Frankreich spreizen sich die Ansichten zwischen den alten Widersachern in Europa, die nur wegen des toten Euro glaubten tun zu müssen, als ob sie Freunde wären.

    Frankreich weiß, daß nur Deutschland ihm helfen kann, aus der selbstverursachten Misere ein wenig herausschauen zu können. Zu retten ist Frankreich auf Dauer ebensowenig wie Griechenland, mit dem es mehr gemein hat, als es zugeben möchte.

    Es bleibt bei den zwei grundsätzlich verschiedenen Mentalitäten, die sich untereinander auch noch sehr zu unterscheiden vermögen: Mediterran und Nordeuropäisch.
    Da ist Polen und Finnland näher als etwa Frankreich oder Italien, England und Niederlande anverwandter als Portugal oder Spanien.

    • Julia sagt:

      Ich verstehe nicht Deine Argumentation . Ich verstehe sie als boeses Blut;

      Wir sind im Wahlkampf. Das schlimmste was Sarkozy passieren kann ist, wenn Griechenland pleite geht. Denn dann sind Banken bei uns pleite.

      Von welcher Mentalitaet sprechen sie? Schlimmer ist der Buecklingsmentalitaet vor Madame Lagarde, was Frau Merkel da abzieht;
      Frau Merkel hat uns als Volk genau so viel Schaden zugefuegt wie Eurem Land. Sie laesst die Macht des Suedens zu. Ein guter Europaeer braucht die den Euro als Waehrung nicht; Frau Merkel hat schon fast ein kriegsurteil gesprochen, indem sie sagte…ohne Euro kein Europa…

      Zum ausspeien was sie da sagte. Als wenn alles nur in Geld gerechnet wird auf dieser welt.

      Ich werde mich dagegen wehren unsere Mentalitaet als schlechtes darstellen zu lassen….und es lesen jetzt viele Franzosen hier mit…nur weil eine Frau nicht faehig ist, ihre Linie durchzufuehren und wie ein Kleinmaedchen laechelnd die ganz Europa in die Armut treibt.

      • Toni sagt:

        @ Julia

        Ich verstehe Deine Abneigung gegenüber Merkel
        und teile sie selbstverständlich.

        Doch leider sind die deutschen Politiker
        und ich vermute der größte Teil in der EU alles Volksverräter.

        Ich denke, wir haben es hier mit einer Systemkrise zu tun.
        Deshalb müssen die Völker in Europa aufwachen
        und in ihren Ländern dieses korrupte System beseitigen.

      • khaproperty sagt:

        @ Julia:

        Von Wertung war nicht die Rede.

        Besser oder schlechter ist nicht zu beurteilen, denn das ist eine Frage (nein, nicht der Mentalität), die jeder für sich zu entscheiden hat, privat sozusagen.

        So sind etwa die Griechen zu beneiden um ihre mediterrane Lebensweise und um die bald philosophische Sicht der Dinge.
        Wie etwa auch die Franzosen um ihre Lebensart – vornehmlich beim Essen und Trinken, was ich z.B. sehr schätze.

        Es wäre allerdings aus meiner Sicht auf die auch bestehenden Differenzen – die Sie selbst völlig richtig beschreiben – deutlich hinzuweisen, wenn es um die Bewertung politischer Strukturen einer u.a. deswegen funktionsunfähigen Währungsunion geht.

        Es geht um die Sache, nicht um böses Blut, welches eher dadurch entsteht, daß Ungleiches zwanghaft gleichgemacht werden soll,
        ursprünglich eine kommunistisch-sozialistische Krankheit, dies zu versuchen. Es ging historisch stets schief.