Griechenland-Haircut: IWF will, dass auch die EZB Federn lässt

Zwischen dem Internationalen Währungsfonds und der Europäisches Zentralbank hat hinter den Kulissen ein heftiger Schlagabtausch begonnen. Die IWF will, dass die EZB einen Teil ihrer 40 Milliarden Euro an Griechenland-Papieren abschreibt. Die EZB hat mit Krisen-Beratungen begonnen. Für die Deutsche Bundesbank könnte dies einen Verlust von etwa 5 Milliarden Euro bedeuten.

Aktuell:
Europas Banken schulden der EZB 830 Milliarden Euro

Die Troika zur Griechenland-Rettung (IWF, EU, EZB) zeigt leichte Anzeichen von Zermürbung, die nun auch innerhalb des Rettungsteams in erheblichen Spannungen geführt haben: EU-Offizielle und Beteiligte aus Finanzinstituten und Politik berichten, dass der Internationale Währungsfonds (IWF) offenbar heftigen Druck auf die Europäische Zentralbank (EZB) ausübt. Die EZB solle einen Teil ihres 40 Milliarden Euro Investments abschreiben, um eine Griechenland-Rettung zu ermöglichen. Der IWF bestreitet, dass man Druck auf die EZB ausgeübt habe. Bisher hat sich die EZB offiziell aus den Verhandlungen herausgehalten, weil sie als öffentlicher Gläubiger nicht wie die privaten Banken vom Schuldenschnitt betroffen wäre.

Die EZB hatte im Jahr 2007 Griechenland-Bonds gekauft, um den Markt der Staatsanleihen vor dem Absturz zu bewahren. Außerdem hatte die EZB griechische Staatsanleihen als Sicherheiten akzeptiert und den Griechen Kredite gewährt. Die Staatsanleihen sind mit etwa 7% verzinst – was im Falle einer Vermeidung einer Pleite in Griechenland ein sehr ansehnliches Investment wäre.

Auch der Chefverhandler der Banken, Charles Dallara, sagte auf einer Pressekonferenz am Dienstag, dass Banken und Versicherungen in ihren Zugeständnissen bereits sehr weitgegangen seien – und nun eine entsprechend e Würdigung dieser Haltung „von allen Seiten“ erwarten, also auch von der EZB.

In der EZB stößt dieses Ansinnen auf erbitterten Widerstand. Denn es gibt eigentlich nur zwei Möglichkeiten, die aber offenbar bereits bei einer Sitzung des 23-köpfigen Direktoriums diskutiert werden: Entweder die EZB verzichtet formal auf die Zinsen, die die Anleihen erbringen, wenn Griechenland nicht pleitegeht. Das Problem hier: Griechenland wird nach Einschätzung der überwiegenden Mehrheit der Beobachter auch in 30 Jahre nicht in der Lage sein, seine Schulden zurückzuzuzahlen. Denn der IWF hat ermittelt, dass das Defizit der Griechen im Jahr 2020 eher bei 130% liegen wird denn bei den ursprünglich vereinbarten 120%. IWF-Chefvolkswirt Olivier Blanchard sagte der FT, man halte an diesem Ziel fest – wie es erreicht werde, sei Sache der Griechen.

Die zweite Möglichkeit, die innerhalb der EZB diskutiert wird, ist, das Problem an die Zentralbanken der Euro-Staaten weiterzureichen. Damit würde der Ball wieder an die Nationalstaaten zurückgespielt.

Für die Deutsche Bundesbank ist diese Situation nicht besonders erfreulich, wenngleich der Verlust zu verschmerzen wäre. Eine genaue Summe ist schwer zu ermitteln, weil die Anleihen zu unterschiedlichen Preisen gekauft wurden. Weil die Bundesbank jedoch 27% am Kapital der EZB hält, gehen Beobachter davon aus, dass der mögliche Verlust für die Bundesbank bei einer Beteiligung an einem Schuldenschnitt irgendwo um die 5 Milliarden „eine realistische Größe“ sein könnte. Der Verlust könnte auch etwas geringer sein, weil die EZB die Papiere zu einem Zeitpunkt gekauft hat, als diese bereits deutlich unter dem Nominalwert gehandelt wurden.

In jedem Fall würde ein Teil dieses Verlusts den deutschen Bundeshaushalt treffen, weil die Einnahmen aus den Erträgen der Bundesbank langfristig im Haushalt eingeplant sind.

Die Bundesbank ist auch hier im Dilemma des Traget 2-Systems gefangen. Dieses (Erläuterung hier) bereitet der Bundesbank schon im Hinblick auf mögliche Klagen der Hedge Fonds Kopfzerbrechen (mehr hier). Vor allem aber würde hier eine Blaupause für weitere Schuldenschnitte erfolgen (der nächste kündigt sich schon in Portugal an – mehr hier).

Daher ist auch EU-Währungskommissar Olli Rehn entsprechend aufgeschreckt. Er fürchtet einen „Blockade“, wenn jede der involvierten Parteien eine Bedingung aufstellt, und die anderen Parteien darauf mit Gegenbedingungen kontern würden. Es wäre das Ende der Griechenland-Rettung und vermutlich auch der Anfang vom Ende einer funktionierenden Währungsunion im Euro-Raum.

Mehr zum Thema:
Griechenland-Haircut: Finanzminister lehnen Angebot ab
Griechenland: Differenzen zwischen Paris und Berlin
Griechischer Minister hat Bailout-Vertrag bis heute nicht gelesen

Kommentare

Dieser Artikel hat 30 Kommentare. Wie lautet Ihrer?

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *

  1. khaproperty sagt:

    Nun geht die Leichenfledderei los, wo der Euro tot ist.
    Lagarde möchte es ihren Franzosen erleichtern, wo im halbstaatlichen Bankensystem reichlich Griechenanleihen und andere liegen.
    Jeder Verzicht einer der öffentlichen 100%-sicheren Gläubiger wird es den Franzosen erleichtern – außerdem ihrem Parteifreund Sarkozy, die Wahl vielleicht doch zu gewinnen.
    Warum nur beginnt Lagarde denn nicht bei ihrem IWF. Der erhält sogar bevorzugt vor allen anderen stets 100% bei jedem Konkurs seiner Kunden.
    Nein, es muß schon die EZB sein. Das hätte den angenehmen Nebeneffekt, daß Deutschland gemäß seiner Gewinn-Verlust-Ratio ordentlich blutet und viele andere Gewährträger überhaupt nicht beteiligt werden, etwa die PIIGS, die nicht können und die 10 anderen Draußen, die nicht müssen.