Italienische Innenministerin: Streiks von Mafia unterwandert

Die italienische Regierung war ebenso wie die Fernfahrerorganisationen von den Ausmaßen der LKW-Blockaden überrascht. Der Präfekt von Rom erließ eine Notverordnung, um für den Rest der Woche wenigstens den öffentlichen Verkehr in der Hauptstadt sicherzustellen.

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Die italienische Innenministerin Annamaria Cancellieri sagte am Abend in Rom, dass die Behörden Indizien hätten, dass die sizilianische Mafia die LKW-Streiks massiv unterwandert hätten. Die bis Freitag geplante, landesweite Blockade der wichtigsten Straßen hat am Dienstag den Straßenverkehr in Italien weitgehend zum Erliegen gebracht. Es gab verschiedene Zwischenfälle, unter anderem einen mit einem von einer deutschen Fernfahrerin bei einem Unfall getöteten Streikposten (mehr hier und hier).Die zum Teil chaotischen Proteste überraschten offenbar uch die Fernfahrer-Verbände. Sie sagten, dass viele der Blockaden von örtlichen Gruppen ohne Rücksprache mit der Zentrale organisiert worden waren.

Cancellieri sagte, dass man in Sizilien „die Anwesenheit verschiedener Mitglieder des organisierten Verbrechens“ festgestellt habe. Die würden vor allem versuchen, die Fernfahrer einzuschüchtern, um mit dem Streik das Land zu destabilisieren.

Dennoch respektiere man die Streiks als demokratisches Grundrecht und wolle angemessen reagieren. Der Präfekt von Rom hat unterdessen eine Notverordnung erlassen, um zumindest den öffentlichen Verkehr in der Hauptstadt sicherzustellen.

Premier Mario Monti betonte ebenfalls, dass die Regierung das Streikrecht achten wolle und rief die Italiener zur Verhältnismäßigkeit der Protestaktionen auf.

In Avellino wurde ein Tankstellenbesitzer von Finanzbeamten festgenommen, weil er auf eigene Faust die Bezinpreise um 10 Cent erhöht hatte. Lange Autoschlangen vor seiner Tankstelle hatten ihn auf die Idee gebracht. In vielen Städten mussten die Autofahrer lange Wartezeiten in Kauf nehmen, um an Benzin zu gelangen.

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Kommentare

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  1. Grauber sagt:

    Zitat:
    „Premier Mario Monti betonte ebenfalls, dass die Regierung das Streikrecht achten wolle und rief die Italiener zur Verhältnismäßigkeit der Protestaktionen auf“.

    Was sind Herrn Montis Vorstellungen von Streik ?
    Ausschließlich Spruchbänder und Fahnen wird es weder in Italien, noch in Griechenland, Portugal und ganz gewiss nicht in Frankreich geben.

  2. Fred Feuerstein sagt:

    Jetzt hat die EU endlich wieder einen Grund mehr, Milliarden € in den Brenner-Tunnel zu stecken. Derzeit ist es ja eher eine Luxus-Investition unter dem Motte „wan gach was is“. Genauso wie die Milliarden für den Koralmtunnel. Mann findet heute praktisch keine Bahnhöfe (außer in Städten) mehr, wo man noch einen Güterwaggon sehen kann. Vielleicht erinnern sich die Unternehmer einmal daran, dass es auch einmal eine Eisenbahn (ohne Mafia) gegeben hat. Dann würde Italien wieder funktionieren, ohne Stau´s und anderen Unannehmlichkeiten durch den LKW Verkehr.

    • jackcot sagt:

      Glauben Sie im ernst, daß sie die Eisenbahnen nicht lahm legen würden??? Wie Wurzel des Übels liegt doch nicht in der Art der Transporttechnik sondern nur darin, was die Fädenzieher erreichen wollen, oder nicht?

  3. Fred Feuerstein sagt:

    „Die Mafis“ ! Das wäre wieder eine Sache für Herrn Busch gewesen. Da hätte er sofort neue Gesetze gegen den Terror verordnen müssen.

    • jackcot sagt:

      Kennen Sie nicht die Rolle der Mafia im 2. Weltkrieg? Das war doch der verlängerte Arm (Partisanen) der amerikan. Regierung gegen die Deutsche Wehrmacht in Italien. Man kann mit Sicherheit davon ausgehen, daß diese Verbindung immer noch existiert. Das Ziel der Hochfinanz ist die Balkanisierung Europas !!

  4. Margrit Steer sagt:

    Und warum ist dieser Streik hier in keiner Tageszeitung ein Thema?
    Sind wir wirklich schon wieder so weit, dass nur veröffentlicht werdEn darf, was dAs Politbüro frei gibt?

    • joggler sagt:

      Wieso „wieder so weit“? Die BRD war nie anders, sicherlich nicht nach der „Wiedervereinigung“ oder 9/11. Also doch schon länger…

  5. Adlerhorst sagt:

    Monti sollte die Hälfte der Regierung entlassen und mit den dann freigewordenen Milliarden und aber Milliarden Geldern endlich das ganze Land sanieren. Nicht wegsparen sondern Alles in Bildung, Arbeit, Gesundheit, Familie und menschenwürdigeres Leben investieren. Dann gäbe es keine Streiks mehr und die
    Halbinsel Italien würde ein Juwel im Mittelmeer werden!

    • jackcot sagt:

      Sie vergessen die Korruption und die Mafia in Italien. Die freigewordenen Gelder würden total versickern … und eine großer Teil davon auf Nummernkonten in der Schweiz landen. Wünschenswert wäre vieles, aber die Realität ist leider eine andere – eine viel brutalere!