Italien-Streik: In Rom werden Obst und Gemüse knapp

Die Streiks der italienischen Fernfahrer hielten auch am Mittwoch an. In vielen Städten kam es zu Engpässen bei Obst und Gemüse. Auch Benzin wird knapp. In kleineren Orten kann die Müllabfuhr nicht ausrücken. Die Bürger wurden aufgefordert, den Müll zu Hause zu lagern. In Rom versammelten sich die Fischer, es gab gewaltsame Auseinandersetzungen mit der Polizei.

Die Straßenblockaden in Italien dauern an. Zwar hatten die Innenministerin Annamaria Cancellieri und Premier Monti das Streikrecht als unantastbar bezeichnet (hier), doch die Folgen des Streiks weiten sich aus. Nach dem Produktionsstillstand vieler Firmen wegen unterbrochener Zulieferungen (mehr hier) zeigen die LKW-Blockaden nun weitere Auswirkungen. Viele Städte melden erste Engpässe bei Lebensmitteln und Benzin. Lebensmittelpreise steigen und öffentliche Verkehrsmittel stehen still.

In Schwimmwesten und mit großen Bannern „Europäische Gemeinschaft – wir versinken“ schlossen sich heute Morgen Hunderte Fischer den Protesten gegen den Anstieg der Kraftstoffpreise an. Sie kamen aus ganz Italien angereist, um sich in Rom vor der Abgeordnetenkammer zu versammeln. Einige der Demonstranten setzten Feuerwerkskörper ein. Es kam zu zahlreichen gewalttätigen Auseinandersetzungen mit der Polizei, die einige Verletzte forderten. Die Fischerei beklagt seit einiger Zeit zusätzliche Kosten durch EU-Verordnungen.

Ab morgen dürfte sich die Lage weiter verschärfen: Für den 26. Januar haben die Gewerkschaften zum Generalstreik aufgerufen. Bis auf einige Regionalbahnen wird auch der Zugverkehr eingestellt. Auch im Flugverkehr werden erhebliche Beeinträchtigungen erwartet. Immerhin sollen die römischen Flughäfen durch einen Notdienst mit dem Zentrum verbunden werden. Beobachter glauben außerdem, dass der Generalstreik den Verkehr reduzieren würde, weil viele Italiener eben einen Tag Zwangsurlaub zu Hause verbringen müssen (wie schon die Arbeiter bei Fiat – hier).

Infolge der Blockaden der italienischen Autobahnen werden viele Orte nicht mehr mit Lebensmitteln und Kraftstoff beleifert, so die Tageszeitung Corriere della Sera. Schon im Vorfeld hatten Behörden befürchtet, der Protest könnte außer Kontrolle geraten (mehr hier). Erstaunlicherweise wurden jedoch keine Vorkehrungen getroffen. Durch den Mangel an Kraftstoff werden öffentliche Verkehrsmittel und kommunale Dienstleistungen beeinträchtigt – der Einsatz von Schulbussen wurde ebenso zum Teil eingestellt. In dem Ort Casoria rief der Bürgermeister die Bevölkerung bereits dazu auf, ihre Abfälle zuhause zu sammeln, da die Müllabfuhr mangels Benzin nicht kommen kann.

In vielen Städten bleiben die Regale der Supermärkte leer. Auch Exporte nach Deutschland sind bereits betroffen (mehr hier). In Rom wurde am Dienstag bereits 70 Prozent weniger Obst und Gemüse ausgeliefert. Die Engpässe haben bereits zu einem sprunghaften Anstieg der Lebensmittelpreise geführt. In Sizilien wurden die Preise bereits um 10 bis 15 Prozent angehoben. Ein Kilogramm Zucchini erreicht schon 6,50 Euro, berichtet die Tageszeitung Il Messaggero. Angesichts dieser Preisdimensionen hat die Nationale Vereinigung der Landwirte Coldiretti beschlossen, Rentnern und Familien Obst und Gemüse kostenlos auszuhändigen. Neapel meldet vor allem eine Verknappung von Milchprodukten. Der Handelsverband Confcommercio sagt, es bestehe bisher kein Mangel an lebensnotwendigen Nahrungsmitteln.

Nach Angaben des Verbandes Coldiretti seien pro Tag noch verderbliche Lebensmittel im Wert von 50 Millionen Euro auf den Lastwagen. Insgesamt dürften die Blockaden täglich einen Schaden in Höhe von 200 Millionen Euro verursachen.

 

Kommentare

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  1. Sven Barthel sagt:

    Sehr gelungener Beitrag.

    Warum berichten die deutschen Medien im TV davon nichts, weil sich das italienische Volk nicht alles gefallen lässt?
    Genau so ist es, denn es könnte ja auch in Deutschland die Bevölkerung darauf kommen das die Europäische Union gar nicht so toll ist wie sie beschrieben wird.
    Da lenkt man lieber ab und schiebt immer Griechenland und Co. vor.

    Unser Gruselkabinett in Berlin, was ja angeblich dem deutschen Volke dienen will
    denkt doch eh nur an sich.

    MfG Sven aus der Uckermark

  2. Garnichsokompliziert sagt:

    …..Survival of the fittest……die einzige Wahrheit die es gibt und immer geben wird runtergebrochen darauf erscheinen alle gegenwärtigen Ereignisse in einem ganz klaren Licht…..

  3. Kerstin Butta sagt:

    Ich gratuliere Ihnen zu dieser Berichterstattung.
    Andere Zeitungen in Deutschland trauen sich an dieses Thema nicht heran.
    Die Streiks haben vor mehr als einer Woche auf Sizilien angefangen und haben sich nun auf ganz Italien ausgebreitet. Selbst auf Sardinien steht alles still.

    In meinem Blog berichte ich täglich darüber

    http://kerstinbutta.blog.de/

  4. ab1710 sagt:

    Das sollte man mal flächendeckend in Europa machen, damit mal alle aufwachen und sehen, wie abhängig wir alle von der Branche sind, deren Arbeit und Mitarbeiter am meisten von allen gehasst wird und unsere Medien es immer wieder schaffen, durch negative Berichte eins drauf zu setzen. Uns Spediteuren kanns egal sein, schlechter kann unser Ruf nicht mehr werden!
    Man solte mal überlegen, dass diese Branche nur versucht, Geld damit zu verdienen, was Nachfrage und Angebot für sie bereithält, das sollte sich jeder Verlader, Verbraucher und schimpfende Autofahrer mal vor Augen führen…

  5. Pittiplatsch sagt:

    Von links nach rechts.
    Von oben nach unten.
    Warum stellt denn DMN die Logik immer noch auf den Kopf ?
    Jeden Abend muß ich ganz nach unten scrollen, um den geistigen Faden rückwärts durch die Kommentare zu finden.
    Besteht denn noch Hoffnung auf Rückstellung ?
    Ansonsten, weiter so !

    • Marlene sagt:

      Ich gebe Ihnen recht. Ich komme meistens auch erst spät abends zum Lesen.

      Es ist schon sehr gewöhnungsbedürftig, sich von unten nach oben durchzuarbeiten.

      Vielleicht ist als Alternative ja möglich, wie bei der FAZ eine Auswahl zuzulassen, in der Form „älteste Kommentare zuerst“ oder „neueste Kommentare zuerst“.

      Dann kann sich jeder selbst entscheiden.

    • FredEric Porschéé sagt:

      nicht scrollen sondern CTRL + END

      Liebe Redaktion:
      Es gibt auch andere Meinungen, meine z.B. ! Ich empfinde die bestehende AN – Ordnung als besser und auch logischer.

      Überhaupt denke ich: auch hier sollte man es mal wieder deutlich sagen:

      Dank an die Redaktion! und an die Sponsoren fürs „journalistische Projekt“!
      Wir müssen jede Gelegenheit nutzen unsere Entscheidungs – Freiheit zu wahren um Dinge tun zu können jenseits reinen Rendite- Denkens, d.h. die einen sozialen und zukunftsträchtigenn Sinn machen.

  6. Justin Time sagt:

    Bei diesen Bildern flammt wieder ein Fünkchen Hoffnung auf. Es gibt also doch noch Menschen, die sich nicht alles schweigend gefallen lassen.

    Bei dieser Gelegenheit ein herzliches Dankeschön an das Team von DMN für Eure gute Arbeit.

  7. PITderAdler sagt:

    Es ist wirklich interessant. Gerade habe ich mit unter manchem würg durch die verdummungspresse gearbeitet und kein Wort über die Streiks in Italien gefunden. Es scheint so zu sein, dass diese ganze sogenannte Presse nur zu schreiben hat was den Dunkelmenschen dient. Ein halbes Land liegt darnieder und es wird nicht darüber berichtet. Es muss also wirklich kurz vor dem Kollaps sein.