Eurokrise: Deutschem Mittelstand droht Insolvenzwelle

Gerade die guten Zahlen verleiten die deutschen Unternehmen zu mangelnder Vorsicht in der Schuldenkrise. Spezialisten für Zahlungsmanagement erwarten eine Zunahme der Insolvenzen durch Zahlungsausfälle und verschleppte Zahlungen aus Krisenregionen.

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Durch die Schuldenkrise in der Eurozone steigt das Risiko für Unternehmen, in die Insolvenz zu geraten. Dafür gibt es vor allem zwei Gründe. Die Prüfungsgesellschaft Creditreform hat erhoben, dass die meisten Unternehmen durch einen Dominoeffekt in die Insolvenz geraten: Die Zahlung eines Kunden fällt aus und verursacht so die Zahlungsunfähigkeit des eigenen Unternehmens. Besonders tückisch ist, dass der entscheidende Zahlungsausfall oft von bis dato zuverlässigen Bestandskunden ausgeht. Geht eine langjährige Geschäftsbeziehung voran, verzichten viele Unternehmen bei Bestandskunden auf eine regelmäßige Bonitätsprüfung.

Nicht nur ein vollständiger Zahlungsausfall kann gefährlich werden. Als zweithäufigsten Grund für eine Insolvenz ermittelte Creditreform schleppende Zahlungen.

„Die wenigsten Mittelständler betreiben ernsthaftes Zahlungsmanagement. Doch das gewinnt an Bedeutung“, sagt Eberhard Ehret vom Kredit-Versicherungs-Unternehmen Coface.

Die Auslöser für den Ausfall und die Verzögerung von Zahlungen sind die stockende Investitionen durch den Staat und der sinkende Privatkonsum. Die Sparmaßnahmen gegen die Schuldenkrise wirken sich direkt auf die Unternehmen aus. Besonders betroffen sind exportorientierte Unternehmen, weil sie auch direkt in Krisenstaaten Geschäftsbeziehungen haben. Obwohl sich die Konjunktur in Deutschland gut entwickelt hat, sind deutsche Unternehmen keine Ausnahme: „Deutsche Unternehmen sind durch die Erfolgsmeldungen der vergangenen 2 Jahre unvorsichtig geworden. Sie sind aufgrund der guten Konjunktur in Deutschland euphorisch und rechnen nicht mit einem Zahlungsausfall“, sagt Eberhard Ehret vom Kredit-Versicherungs-Unternehmen Coface.

Wie das ifo-Geschäftsklima zeigt, ist die Stimmung tatsächlich positiv. Nach einem kurzen Rückgang sind die Geschäftserwartungen Ende vergangenen Jahres wieder gestiegen. Die Geschäftslage wird konstant als gut bewertet. Auch der Einkaufsmanagerindex ist zu letzt 3 Monate in Folge gestiegen.

Die Liste prominenter und großer Unternehmen in Deutschland, die in den vergangenen Monaten insolvent wurden bestätige, Ereht zufolge die Unvorsichtigkeit. Weitere Fälle werden folgen, sagt Ehret. Er empfiehlt Unternehmen in der Eurokrise regelmäßige Bonitätsprüfung der Kunden, das Forderungsmanagement ernst zu nehmen und sich gegen Kreditausfälle versichern zu lassen.

Ein anderes Risiko im Zuge der Eurokrise, ist ein plötzlicher Währungswechsel. Vor allem Handelsunternehmen sind längst darauf vorbereitet. Der deutsche Sportartikelhersteller Adidas beispielsweise erklärte der Süddeutschen Zeitung Ende des Jahres erklärt, es seien alle Vorbereitungen für einen solchen Fall getroffen. Innerhalb kürzester Zeit könnte Adidas mit neuen Währungen arbeiten. Auch wenn man nicht unmittelbar damit rechne, müsse man vorbereitet sein.

Auch die Automobilhersteller sind gewappnet. So bereiten sich alle großen Unternehmen auf „alle Eventualfälle“ vor. Auch wenn keiner namentlich genannt werden will, um „das Thema nicht zu einer sich selbst erfüllenden Prophezeiung zu machen“ gibt es bei den großen Dax-Autobauern fertige Pläne zum Umschalten. Gerade im gehobenen Preissegment hoffen die Autobauer jedoch, mögliche Einbrüche etwa in Spanien durch Verkäufe nach Asien, Russland oder in den arabischen Raum wettmachen zu können.

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Kommentare

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  1. boettcher.bochum sagt:

    Wenn die Industrie im allgemeinen für Eventuelitäten einstellt ist das zu begrüßen.Aber ,wenn auch ich dazu neige das beste währe Rücker zu nationalen Währungen,weil nur so die schädliche Wirkung einer GEMEINSCHAFTSWÄHRUNG aufgehoben währe und erst dann entstandene Schäden beseitigt werden könnten. Ich glaube nicht darann.:Eher wird man so weiterwurstelln ,bis nach längerer Zeit alles an die Wand fährt und Änderung erzwingt., bis dahin rechne ich eher mit Einsetzender Inflation und endgültigen EUROverfall. Aber bis dahin werden all Beteiligte ihre Rente beziehen und für nichts verantwortlich zu sein.Das ist das Schlimme und Verführende zugleich.Wer an WUNDER GLAUBT kann natürlich auch davon ausgehen der EURO-Staat entsteht plötzlich ganz schnell.(EURO währe dann IO:)

  2. khaproperty sagt:

    Das Dilemma mit den immer noch guten Stimmungsindiktoren, etwa ifo, aber auch andere, ist, daß sie (nur) Stimmungen abfragen – mit Fakten hat das nichts zu tun.
    Die Realitäten können schon völlig anders aussehen, sind nur noch nicht ins Bewußtsein oder die Gefühlslage aufgerückt.
    So hält sich die Illusion von Wohlergehen zu lange aufrecht – und keiner bemerkt, daß es bereits geraume Zeit wieder (einmal) abwärts geht.
    Zahlungsausfälle, Konkurse und Firmensterben sind die Folge.

    Ganz nebenbei läßt sich schon längere Zeit feststellen, daß die von Politik und EZB betriebene Zeitgewinn-Strategie (ohne Probleme zu lösen, darin ähnlich Gov/Fed in USA) von realistisch denkenden Unternehmen eifrig dazu genutzt wird, sich auf die Rückabwicklung der Einheitswährung Euro in je nationale Währungen einzustellen.
    Daran tun sie gut, denn parallel dazu wollen die Gerüchte nicht verstummen, daß verschiedene Druckereien ( etwa de la Rue in Großbritannien ) mit Druckaufträgen für nationale Währungen beauftragt wurden.

    Sollte daran etwas real sein, erklärten sich schlagartig verschiedene Maßnahmen (sowie deren Unterlassung), Taktiken und Wortspiele führender und weniger wichtiger Politiker in der EU und auch der Eurounion fast von ganz allein.

  3. yankeedudle sagt:

    war da nicht was?
    ist das ziel des kapitalismus nicht die monopolisierung des angebotes? da war doch was, 1. Sem. BWL. na diesem ziel kommt das Kapital ja dank der hilfe der politik und der bürgschaft der bürger ein gutes stück näher. spätestens seit dem alle banken systemisch und too big to fall sind, war doch klar wohin der zug rollt.

    das Kapital und die sog. freie Marktwirtschaft (eine wenig frei, nicht frei – gibts nämlich nicht, das wäre planwirtschaft, ebenso wie das hirngespinst soziale mws) haben nur ein ziel, die monopolisierung. die ist defacto diktatorisch und verträgt sich daher nicht mit den demokratischen grundprinzipien. wer es immer noch nicht kappiert hat, sollte drüber nachdenken. Marktwirtschaft und Demokratie geht nicht! Fragt sich halt, was wir wollen? Konsum und Diktatur = Konsumterror oder Bedürfnisbefriedigung und Demokratie? Die letzten Jahre waren wohl eher Konsum und Diktatur, ich schließe mich da nicht aus.

  4. Bernd Hamann sagt:

    Es muß erst alles zerstört werden, bis viel zu spät einige mehr begreifen, daß tatsächlich eine totale Verschwörung im Gange ist.
    Diese fußt auf Misantrophie und okkultem kabbalistischem Wahn-Irrsinn, der die Welt durch Zerstörung „erretten“ und „bereinigen“ will.

    Der Mittelstand ist die Bildungsbasis einer jeden Nation, und so muß nicht nur die
    natürliche Ordnung der Nationen, sondern auch deren Mittelstand destruktiv bekämpft werden.

    Genau so, wie es auch in den Protokollen steht. Die, egal von wem sie stammen, jeden
    Tag aufs neue bestätigt werden, und einen Scheiß eine „komplette Fälschung“ sind.

    Das alles begreift natürlich nur, wer die richtigen Texte und Bücher liest, statt sich in der scheinbaren Sicherheit der späten Nachkriegsjahrzehnte zu verkriechen.

  5. Ulrich Pranger sagt:

    Sogar der Baltic Dry Index (Schifffracht) scheint frisiert zu sein:

    http://www.marktorakel.com/index.php?id=3794796903690240929

  6. Meckerziege sagt:

    Ich habe vor 3 Jahren schon alle Weichen in meiner Firma gestellt und danach einmal im Halbjahr eine „Crash-Übung“ veranstaltet – seit ca 4 Monaten monatlich einmal, was natürlich nichts aussagt, dass es auch Überraschungen geben kann.

    Dazu gehören auch Notbetten/Notrationen, um in der heißen Phase im Büro (private Haus-und Grundstücksverwaltung) rund um die Uhr anwesend sein zu können und noch ganz viele Kleinigkeiten, die aber ganz wichtig werden können.

    Außerdem keinerlei Kredite (und da bin ich besonders stolz drauf – noch nie Kredite gebraucht), die Sicherung aller relevanten Vorgänge an 3 voneinander völlig unterschiedlichen Orten (Servern) sowie Verstärkung der Einbruchsicherheit und die unauffällige Herstellung verschiedener Fluchtwege.

    Die wichtigsten Schriftstücke natürlich auf Papier – auch doppelt und auch an unterschiedlichen Orten gelagert.

    Auf Überraschungen kann man schnell reagieren, wenn man mental vorbereitet ist und nicht in Angststarre verfällt.

    Forderungsmanagement läuft am Tag nach dem fehlenden Geldeingang mit der Bonitätsprüfung (kriegen wir innerhalb von 1 Minute hilft aber längst nicht immer) und danach 1 Anruf los, innerhalb 1 Woche noch eine höfliche und freundliche Mahnung und geht nach 14 Tagen als Mahnbescheid raus, das ist bereits auf den Rechnungen vermerkt … auch für langjährige Kunden.

    Die wenigsten zucken sondern zahlen dann wirklich gleich und die die zucken, sind teilweise bereits pleite oder kurz davor.

    Vorbedingung ist natürlich ein ordentlicher Auftrag / Vertrag, der eindeutig in der Auslegung ist.

    • G.N. sagt:

      weiterhin viel Erfolg!

    • Steffen sagt:

      Größere Summen kann man absichern und bei Zahlungsverzug ist es immer am besten anzurufen oder vorbei zu kommen. Manche Buchhalter sind sich da aber zu fein (einfach rausschmeißen).

      • Meckerziege sagt:

        Mit dem Vorbeikommen ist das so eine Sache: unsere Kunden sind ziemlich verstreut auch rund um die Welt. Und mit Rausschmeißen ist das auch nicht so leicht dank unserer Gesetzgebung.

        Wir haben natürlich auch unsere „speziellen“ Argumente beim Anrufen (da ruft die Chefin persönlich an und nicht der Buchhalter – ganz wichtig), dass z.B. ansonsten die Heizgasversorgung eingestellt wird, die Miteigentümer darauf dringen, dass … oder ähnliches. Das macht vieles leichter. Wir haben dafür ganz andere Schwerpunkte.

        Und es gibt keinen Vertrag, in welchem nicht unserer Firma das Erstzugriffsrecht gesichert ist. Was auch hilfreich ist, die Firmen der Region schließen sich kurz und treffen sich in letzter Zeit auch öfters zum Gedankenaustausch, teilweise halten Rechtsanwälte Vorträge über die spezielle Thematik. Hier macht sich auch keiner Illusionen, dass es zum großen Crash kommt.

        Aus der Not heraus, entwickelt sich vieles ganz spontan und das ist es auch, was mich hoffen lässt, dass sich das bewähren wird, wenn die Zeiten noch schlimmer kommen.

    • Erich Schlapphut sagt:

      -grins smaily-

  7. Der Andere sagt:

    Tatsächlich wäre eine enorme Vielzahl exportierender Unternehmen bereits pleite – wenn man nicht den Target 2 – Trick vorgeschaltet hätte.

    Der hier offene Saldo in Höhe von rund 500 Mio. EUR resultiert alleine daraus, dass die Bundesbank Gelder vorstreckt, die die Empfänger der Exportleistungen nicht mehr aufbringen können.

    Faktisch schiebt die Bundesbank so seit geraumer Zeit die Insolvenz einer Vielzahl deutscher Unternehmen hinaus – und verhindert damit die längst überfällige Bereinigung.

    • schlaumeister sagt:

      Die Bereinigung wird kommen: Eurocrash u. Hyperinflation

    • Siggi40.de sagt:

      +++ 500 Milliarden, mein Lieber, nicht Millionen +++
      Das war unser erträumter, kreditfinanzierter Aufschwung der letzten 3 Jahre.
      Jetzt ist Schluss mit lustig.

  8. Hahnel sagt:

    Das System ließ vielen nicht die Möglichkeit genauer hinzusehen.
    Das wird sich schlagartig ändern.
    Viele werden sich überfordert fühlen und so manch einer wird nicht besonnen reagieren.

    Die meisten verschließen sich der Realität.