Deutschland und Frankreich uneins über Lösung der Euro-Krise

Beim Weltwirtschaftsforum in Davos zeigte sich die Uneinigkeit über Lösungspläne für die Schuldenkrise. Während Wolfgang Schäuble für mehr Sparsamkeit eintrat, will der französische Finanzminister Francois Baroin mehr Geld für Wachstum ausgeben.

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Deutschland platzt der Kragen: Ultimatum an Griechenland!

Deutschland und Frankreich haben für die Stabilisierung Griechenlands gegensätzliche Pläne (der Konflikt schwelt schon eine Weile – mehr hier). Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble forderte beim Weltwirtschaftsforum in Davos weitere Sparmaßnahmen von Griechenland. Griechenland müsse nun wirtschaftliche und haushaltspolitische Reformen umsetzen, die in den vergangenen beiden Jahren verabsäumt wurden.

Schäuble warnte davor, falsche Anreize zu setzen. Weil die Wirtschaft in Griechenland so stark eingebrochen ist, sei es schwierig, ein erneutes Rettungspaket für Griechenland zu erstellen. Die Griechen müssten die Sparvorgaben der Troika einhalten. Wie das deutsche Ultimatum an Griechenland zeigt, will Deutschland diesen Kurs nun mit der Übernahme der Budget-Hoheit durch die EU erzwingen (mehr dazu – hier; zur griechischen Ablehnung – hier).

Während der deutsch Finanzminister zum Sparen mahnt, will sein französischer Amtskollege den umgekehrten Weg gehen (weitere Sparmaßnahmen lehnte Frankreich bereits ab – mehr hier): „Die unbegrenzte Liquidität durch die dreijährigen LTRO Tender der EZB hat Druck von den europäischen Banken genommen. Das wird helfen, das Vertrauen auf die Märkte zurück zu bringen. Nun müssen wir gemeinsam darüber nachdenken, wie wir das Wachstum fördern können“, sagte der französische Wirtschaftsminister Francois Baroin. Bei dieser Gelegenheit drängte der Franzose einmal mehr zu Eurobonds.

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Kommentare

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  1. Peter Ost sagt:

    Es hilft nur eins!
    Griechland muss raus aus dem Euro!…es wird kommen

  2. papperlapap sagt:

    Solange der $ dem Euro als Sicherung dient, solange wird EUROpa Amerika als $klave dienen.

  3. gogobang sagt:

    Da Frau Merkel nach Frankreich reisen wird, um Herrn Sarkozy in seinem Wahlkampf zu unterstützen, wird man den Mund schon nicht zu voll nehmen….bis Ende April….danach ???

  4. Wilfried sagt:

    Was wäre in Deutschland geschehen, hätten wir nicht Abwrackprämie, erweitertes Kurzarbeitergeld und die Konjunkturpakete 1 und 2 gehabt?

    Die Arbeitslosigkeit wäre sprunghaft angestiegen, ebenso die damit verbundenen Sozialleistungen.

    Hätte die große Koalition auf die Herausforderung durch die Finanzkrise so reagiert, wie es jetzt von Griechenland gefordert wird, ich bin sicher wir ständen jetzt nicht so gut da.
    Kaputtsparen führt nur dazu, dass jede Aussicht, jemals wieder den Schulddienst leisten zu können in weite Ferne rückt.

    Meiner Meinung nach benötigen wir eine Quarantäne des Bankwesens der EU, ein stückweises, chirurgisches Verbot des Handels von Derivaten und deren Streichung aus den Bilanzen der Banken sowie eine Wertberichtigung sämtlicher in den Büchern der EU Banken befindlichen Staatsanleihen. Banken die das nicht überstehen, müssen verstaatlicht werden wie die Commerzbank. Darüber hinaus benötigen wir schnellstens eine demokratisch gewählte europäische Volksvertretung mit den nötigen Kompetenzen und ein europaweites Konjunkturpaket 1.
    Endlich benötigen wir schnellstens europäische, unabhängige Ratingagenturen!

    • conforma sagt:

      @Wilfried,
      „schnellstens europäische, unabhängige Ratingagenturen!“
      – europäische haben wir längst und reichlich viele; die immer wieder genannten großen DREI haben die längsten und umfassendsten Erfahrungen, deshalb werden sie von den Finanz-Ministerien nahezu aller Länder beauftragt – auch von dem deutschen. Das kann man gut finden oder auch nicht. Kunden sind weiter Versicherungen, Renten-Kassen, Pensions-Fonds, Altersversorgungs-Systeme, Anlage-Gesellschaften und viele mehr. Neben den großen DREI gibt es weltweit viele weitere größere und kleinere Rating-Agenturen, die einen sehr guten Job machen. Auch gibt es Auskunfteien, die eine ähnliche Funktion haben. Auch die größte deutsche Kredit-Versicherung Euler-Hermes u.a. nimmt eine ähnlich Funktion wahr. Bei den IHK-Kammern z.B. können die Mitglieder auf Kammerbezirks-Ebene jede Menge Infos über Daten von Bonitäten und Firmen-Interna bekommen
      – unabhängige: Die EU-Politiker warten nur darauf, dass sie Institutionen bekommen, in die sie politisch eingreifen können und sie als devoten verlängerten Arm missbrauchen können. Damit ist niemandem gedient. So wie die Politik die Unabhängigkeit der Bundesbank und der EZB kaputt gemacht haben, wollen sie sich durch abhängige Rating-Agenturen aus ihren Verantwortungen stehlen.
      – Wollen Sie das?

  5. MIKE sagt:

    Der Streit muss weiter gehen. Und er geht so lange weiter, bis wieder die Gretchenfrage nach einer gemeinsamen Politik gestellt und endlich von jedem EU-Mitglied verbindlich beantwortet wird.
    Danach kann sich die EU neu ordnen oder es auch bleiben lassen.
    Der Begriff „Wachstum“ muss so schnell wie möglich aus allen grauen Zellen verschwinden, die Politik machen. Ich denke, dass inzwischen jeder weiß und wahrhaben muss, dass die Spielereien auf den Finanzmärkten kein Wachstum bringen kann.
    Wer etwas erreichen will, muss sparen und ein Kredit macht nur wirklich Sinn, wenn eine sichere Option besteht. Überall dort, wo aber die Schulden in den letzten zehn Jahren gestiegen sind, gab es statt dieser Optionen nur Luftblasen.
    Insofern muss ich Schäuble Recht geben.
    Jeder muss bereit sein ganz erheblich kürzer zu treten. Ansonsten droht der Offenbarungseid.

  6. mandelkern sagt:

    Eine lockere Geldpolitik gehört traditionell zur französischen Haltung.
    Deshalb hatten sie ja auch für Einführung des Euro einen ewig schwächelnden Franc, der dann von der stabilitätsorientierten deutschen Bundesbank durch Stützkäufe gestärkt werden musste.
    Die Franzosen versuchten sogar, sich auf diese Stützkäufe ein vertragliches Recht zu sichern, was aber von der Bundesbank abgewehrt werden konnte, die auf ihre Unabhängkeit pochte.

    Einer der Gründe, Deutschland den Euro aufzuzwingen, war die Möglichkeit, sich der verhassten historisch bedingten Disziplin der deutschen Bundesbank zu entledigen.
    Dieses Ziel haben die Franzosen erreicht, gut bekommen ist es ihnen und anderen romanischen Ländern aber nicht.

    Die Idee eines Nord-Euro, an dem Deutschland zusammen mit Frankreich teilnimmt, in der Art wie ihn Henkel vertritt, kann daher auch nicht in unserem Interesse sein.
    Die deutsche und die französische Sichtweise in monetären Fragen ist einfach nicht kompatibel.

  7. Dalien Forester sagt:

    Sehen Sie sich (ab Min 2:33) Merkel`s Atemfrequenz an:
    http://www.zdf.de/ZDFmediathek/beitrag/video/1551528/Merkel-mit-harter-Linie-in-Davos
    Eine Marionette hat Angst!