Wirtschaftsweise Franz fordert Beteiligung der EZB an Griechenland Haircut

Der Wirtschaftsweise Wolfgang Franz hält es für sinnvoll, wenn auch die EZB am griechischen Schuldenschnitt beteiligt wird. Es sei nicht Aufgabe der EZB, Gewinn zu machen. Über das Target 2-System wäre auch die Bundesbank von einem Verlust betroffen.

Innerhalb der EZB wird derzeit heftig diskutiert, ob sich die Europäische Zentralbank an einem Schuldenschnitt für Griechenland beteiligen soll. Während Italiener und Franzosen für diese Idee durchaus offen sind, lehnen die Vertreter der Deutschen Bundesbank einen solchen Schritt strikt ab. Kein Wunder: Die Bundesbank als größter Gläubiger der EZB wäre durch eine solche Maßnahme über das Target 2-System direkt betroffen (mehr hier).

Nun haben die Südeuropäer Unterstützung von einem prominenten deutschen Wirtschaftsmann erhalten: Der Wirtschaftsweise und Mitarbeiter am Think Tank ZEW, Wolfgang Franz, sagte der Nachrichtenagentur Reuters, dass die EZB zwar unabhängig sei: „Niemand kann sie zu etwas zwingen.“ Er schränkte jedoch ein: „Eine Zentralbank muss nicht unbedingt Gewinne machen, während andere – Banken, Versicherer, andere Investoren – bluten.“ Franz sagte, die EZB könne einen Beitrag leisten, wenn eine Vereinbarung mit den privaten Gläubigern unter Dach und Fach ist.

Unter „keinen Umständen“ dürfe die EZB einem freiwilligen Schuldenschnitt zustimmen, weil diese der vom Gesetz verbotenen Finanzierung von Staaten gleichkäme. Franz unterstützt jedoch offensichtlich ein Rechenmodell, welches vom Bankenverband und dem IWF lanciert wurde: Die EZB hatte ihre knapp 40 Milliarden Euro an Staatsanleihen zu einem Preis gekauft, der etwa 75% des Nennwerts der Anleihen beträgt. Demnach würde die EZB bei Auslaufen einen Gewinn von etwa 12 Milliarden Euro verbuchen. Das ist genau die Summe, mit der die griechische Verschuldung auf die von der Troika geforderten 120%-Staatsverschuldung im Jahr 2020 bringen würde.

Wie genau die Beteiligung der EZB in diesem Dilemma aussehen soll, sagte Franz nicht. Denn zugleich sprach er sich wegen der CDS-Risiken gegen eine Zwangsumschuldung (Collective Action Clause/CAC – mehr hier) aus. Allerdings könnte nur einen solche Zwangsumschuldung die EZB dazu zwingen, die entgangenen Gewinne tatsächlich abzuschreiben.

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Kommentare

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  1. mybonni sagt:

    Leute bringt eure Kohle in Sicherheit, egal wie!
    Kauft Gold, Platin, Silber, ohne dabei aufzufallen, bunkert den Kram zuhause, so dass es nicht aufgefunden wird, gebt es im Notfall nur sehr sparsam aus und nur an gute Bekannte im Tausch, nie offiziell, ruckzuck habt ihr die Staatsmaffia im Haus…

    Vorsicht ist die Mutter der Porzellankiste und Insubordination des Systems funktioniert nur im Verborgenen.

  2. Euroblond sagt:

    Die EZB ist eines grössten schwarzen Löcher auf dem Planeten.
    Wer hat hier die Fiktion vom „Gewinne machen“,
    Man hat wirklich den Eindruck dass ein Teil der Eliten
    in ihrer Euromanie durchdreht und völlig irreale Gedanken- und Rechenmodelle
    entwirft.
    Gruppenpsychosen sind aber bekannterweise bei Eliten
    im Zuge der Verfolgung von Grossmachtfantasien nicht selten
    in der Geschichte.
    Am Ende steht immer die Ernüchterung und keiner ist es gewesen.

    • papperlapap sagt:

      Wir sitzen alle im selben Boot. Aber leider haben wir nichts zu essen. Deutschland meldet sich als erster. %(

  3. Beobachter sagt:

    Als Franzose und Italiener wäre ich auch dafür, das Deutschland zahlen soll…besser heute als morgen.

    Sehen beide Staaten doch wie es im Abgrund Griechenland läuft.

  4. Skydiver sagt:

    Wolfgang Franz ist seit 01.03.2003 Mitglied im „Sachverständigenrat“. Seit 2005 wetten die Finanzmärkte gegen GR, seit 2007 gegen alle GIPSI Staaten. http://is.gd/B4y0IC

    Man hätte alle Zeit der Welt gehabt, die Überschuldung frühzeitig festzustellen und sukzessive Sparmassnahmen einzuführen, ganz ohne die Wirtschaft zu schädigen. Jetzt erklären uns die „Sachverständigen“ von ihrem Elfenbeinturm herunter, dass nur der (deutsche) Steuerzahler den Euro noch retten kann, notfalls eben um 3 Ecken und mit üblen Taschenspielertricks. Wofür bekommen solche Leute ihre üppigen Gehälter?

    • sammi sagt:

      Es gab eine Handvoll Volkswirten die von Beginn an warnten – es gab jedoch auch Volkswirte denen eine geneigte Aussage in Richtung Politik die Hoffnung und Realisierung auf den Ausbau der Netzwerke für die eigene Karriere wichtiger waren. „Radfahrer“ sind gerade bei diesem Projekt sehr beliebt.

      Vernunft und Augenmass oder auch ein bischen Demokratie hätte das Desaster verhindern können.

      Der Normalbürger wird eine elende Zukunft in diesem Land haben, da zu dem gesamten Deaster die nächste Ideologie zugeschlagen hat. Die Energiepreise werden in den nächsten explodieren !!

  5. HJRGI sagt:

    Kann man mir mal erklären, warum die EU nicht darauf drängt, dass Griechenland die ausstehenden Steuerschulden von 17 Milliarden endlich mal von ihren reichen Bürgern einfor dert. Auslandsgriechen? – Nach meiner Info ist jeder US-Bürger, der im Ausland lebt verpflichtet am Jahresanfang seine Steuererklärung an die US-Behörde zu leiten und die Steuer zu begleichen. Tut er das nicht wird ihm die Staatsbürgerschaft/US Pass entzogen. – Würde ich auch ganz gerne bei anderen Steuerflüchtlingen sehen.
    Ach ja, der Besitz in GR gehört dann im Nichtzahlungsfalle eingezogen und versilbert.
    PS: Eine seltsame Methode die Steuersünderliste als griechische Namensliste für den Rest der EU darzustellen; wäre ja auch für die Kreditinstitute in der EU incl. GB als mögliche Kreditgeber interessant zu wissen.

  6. sammi sagt:

    Das EURO Betrugssystem wird zerplatzen.
    Jetzt aktivieren die Politiker all ihre Netzwerke während die Blase immer grösser wird – nur weil die grossen Herrscher die Fehler nicht eingestehen wollen – sie haben Angst und versuchen nun nur noch sich selbst zu retten. Für den Erhalt ihrer Macht und im Angesicht der eigenen Alternative werden sie jede Ressource nutzen den EUROknall hinauszuzögern. Spannend wird wer zuerst aus der Vasallentreue in diesem Untergangsszenario aussteigt und Gewissen zeigt.

  7. Dagmar sagt:

    „Die EZB hatte ihre knapp 40 Milliarden Euro an Staatsanleihen zu einem Preis gekauft, der etwa 75% des Nennwerts der Anleihen beträgt. Demnach würde die EZB bei Auslaufen einen Gewinn von etwa 12 Milliarden Euro verbuchen.“

    Glaubt Herr Franz denn tatsächlich, dass die 100% bei Fälligkeit zurück gezahlt werden können? Und über die Target II Salden zahlt wieder nur der Bürger.

    Banken und Versicherungen müssen bluten? Haben die nicht über Jahre hinweg kräftig Zinsen kassiert und an Aktionäre und Vorstände mit der Giesskanne ausgekippt? Ist es nicht mehr als gerecht, dass die einen kräftigen Anteil mittragen?

  8. Fonda sagt:

    Und was haben alle beschwichtigt, dass das Target2 nicht wichtig wäre.
    Ich erinnere mich an Artikel in der ZEIT etc.
    Da muss man Sinn (und anderen) im Nachhinein mal Recht geben, dass er auf diese Problematik aufmerksam machte.
    Auch in Wirtschaftsforen wurde abgewiegelt, Sinn würde das nicht richtig deuten.
    Jetzt haben wir den Salat.
    Sinn war nie mein „Freund“ – aber da hatte er Recht.

    • sammi sagt:

      Er war vor allen Dingen so ehrlich seine anfängliche pro Euro Meinung zu revidieren – hat sich dafür entschuldigt und gravierend zur Aufklärung von diesem Desaster beigetragen! Respekt – wenn man sich vor Augen hält was in D an Gehirnwäsche und Diffamierung von Eurokritikern gelaufen ist!