London: Investment-Banker müssen zum Pfandleiher gehen

Im Finanzbezirk der Londoner City boomen die Pfandhäuser. Eines davon befindet sich in der Nähe der Niederlassung von Goldman Sachs. Die Banker haben teilweise horrende Ausgaben. Weil die Bonuszahlungen nicht mehr sicher sind, landet schon mal ein Diamant auf dem Tresen eines Pfandleihers.

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Während Mario Draghi bekennt, dass sich die Euro-Zone kurz vor Weihnachten gefährlich nahe in Richtung Crash bewegt (mehr hier) und bereits ganz offen Vorkehrungen für die Wiedereinführung von nationalen Währungen getroffen werden (mehr hier), müssen sich manche Banker nach der Decke strecken. Sie wählen dafür überraschender Weise nicht selten den Gang zum Pfandleiher. Die Decke ist allerdings recht hoch, wie die hinterlegten Wertgegenstände beweisen.

Allerdings scheint der Bedarf an Cash bei den Bankern zu steigen: So sagt zum Beispiel der Geschäftsführer von Wessex, einem der führenden englischen Pfandhäuser, kürzlich dem Londoner Finanzblatt City A.M., dass das Geschäft mit Kurzzeitdarlehen besser läuft denn je.

Dass sich die Filiale eines großen Pfandleihers in der Nähe von Goldman Sachs auf der London Fleet Street befindet, ist offenbar kein Zufall. Der Geschäftsführer des Pfandhauses erklärt, dass Kunden in der Regel Gegenstände zwischen 50,000 Pfund und 100,000 Pfund abgeben – Uhren, Schmuck und sogar der gelegentliche Gemälde Alter Meister werden hier abgegeben, damit die Bankerelite der Finanzmetropole laufende Kosten wie zum Beispiel die exorbitanten Schulgelder der Londoner Privatschulen oder zweistellige Hypothekenzahlungen decken kann – zumindest, bis der nächste Bonus auf dem Konto landet. „Die Banken sagen gerne ‚nein‘, wir sagen gerne ‚ja‘“, beschreibt der Manager den Grund für den anhaltenden Bedarf nach Darlehen. Mitte 2011 schrumpften die Darlehen von großen Banken an kleine Privatunternehmen monatlich um bis zu 2,5 Milliarden Pfund. Proportional dazu stieg der Bedarf nach alternativen Finanzierungsmöglichkeiten, speziell aber nach Kurzzeitdarlehen mit hoher Verzinsung.

Bei Kris Parish, dem Manager von Suttons & Robertsons, einem Luxuspfandhaus, welches erst im Juni 2011 direkt gegenüber von den Goldman-Büros in der Londoner City seine Pforten eröffnete, werden regelmäßig Diamanten abgegeben – einmal sogar ein Edelstein mit einem Einzelwert von über 50,000 Pfund. Da Diskretion das oberste Gebot in diesem Geschäft ist, wollte Parish der Zeitschrift City A.M. nicht bestätigen, dass dieser Kunde ein Goldman-Banker war. Fest steht allerdings, dass Häuser wie Suttons & Robertsons eine ausgezeichnete Anlaufstelle für Banker bieten, die auf kurzfristige Sonderboni warten. Obwohl die offizielle Obergrenze bei Suttons & Robertsons 1 Million Pfund ist, schauen sich Parish und sein Team „alles an, wenn es sein muss“.

Goldman Sachs-Chef Lloyd Blankfein hat solche Sorgen nicht: Eben erst haben er und elf andere Top-Manager Aktien verkauft, für die die gesetzliche Haltefrist abgelaufen war: Blankfein benötigte die erlösten 2,3 Millionen Dollar für eine Steuernachzahlung. Damit bleiben ihm noch ein Großteil der 19,3 Millionen Dollar an Optionen, die Teil seines Gehalts für die Jahre 2009 und 2010 sind, wie aus den Unterlagen der US-Börsenaufsicht SEC hervorgeht.

Im Jahr 2011 hat Goldman 2.400 Mitarbeiter wegen der Krise entlassen.

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Kommentare

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  1. Dankmar sagt:

    Ich konnte mir ein Grinsen über den obigen Artikel nicht verkneifen.

  2. Sakrihittn sagt:

    Ich hoffe sie enden wie die ärmsten Obdachlosen..

  3. Selbstdenker sagt:

    Ich hab da so ein ungutes Gefühl. Vielleicht sollte ich meinen neuen Toaster doch nicht auf Raten kaufen?…

  4. General-Investigation sagt:

    Das stimmt mich doch sehr traurig, das sie nun schon so arm dran sind, das sie ihre Diamanten und Brillanten zu Geld machen müssen. Möglicherweise können sie bald nur noch eine kleine S-Klasse fahren oder einen A8…
    Ja, man kann schon ganz schön abstürzen und ganz unten landen.

    *IRONIE AUS

    Warum sollte man mit denen Mitleid haben? Die haben noch nie so leben müssen wie mittlerweile sehr viele Menschen, weil unter anderem auch die Banken für ihren Ruin gesorgt haben.

  5. mutter natur sagt:

    die Ärmsten, kein mitleid mit den Ärmsten

  6. armer Mann sagt:

    Kein Wunder. Die meisten von denen sind doch Größenwahnsinnige abgkoppelt von der normalen Welt . Die haben keine Maß für Gesellschaft, Mensch oder Natur.

    • Hulu sagt:

      Das wird denen auch mal ganz gut tun.
      Ein bereinigender Prozess muss her und der muss dort anfangen, wo die Exzesse am schlimmsten sind. Im Finanzsektor
      Diese Leute tragen nicht viel zur Gesellschaft bei!

      • schlaumeister sagt:

        Im Gegenteil, das sind die Schädlinge, die voller Gier und ohne Maß
        und Ziel konsumieren, protzen und angeben, bis der Arzt kommt.
        Bald hat sichs ausgeprotzt.