Mitt Romney: Der größte Financier seiner Kampagne ist Goldman Sachs

Der Favorit auf die Obama-Nachfolge, Mitt Romney, hat sein Vermögen mit Hilfe der Investment-Bank Goldman Sachs gemacht. Logische Folge: Goldman ist der größte Financier seines Wahlkampfs. Romney ist ein entschiedener Gegner von Regulierungen für die Finanzindustrie. Seine Steuererklärung gibt frappierende Aufschlüsse.

Die vergangene Woche veröffentlichten Steuererklärungen von Mitt Romney zeigen, dass der republikanische Präsidentschaftskandidat im Jahr 2010 Gewinne in Höhe von 9 Millionen Dollar aus Investments von Goldman Sachs erwirtschaftet hat. Und das ist bei näherem Hinsehen nur die Spitze des Eisbergs.

Es zeigt sich nämlich: Der mögliche nächste US-Präsident unterhält so enge berufliche und private Beziehungen zu Goldman Sachs wie noch kein anderer Kandidat vor ihm. So, wie der Vorwahlkampf im Moment läuft, hat Romney die besten Aussichten, als Gegner von Präsident Barack Obama ins Rennen zu gehen. Und wenn er gewinnt, sitzt Goldman nicht mehr nur am Hebel im schönen Rom (mehr hier), sondern dort, wo über die wichtigsten Entscheidungen über die globale Finanzpolitik getroffen werden – im Weißen Haus.

Mitt Romneys Beziehungen zu Goldman Sachs gehen in seine Zeit als Finanzmann in Boston zurück. Als er mit seiner Firma Bain Capital im Jahr 1989 Geld für den Bürobedarfshersteller Staples auftreiben wollte, wandte er sich an Goldman, mit denen er schon früher oft Geschäfte gemacht hat. Goldman brachte Staples an die Börse, Romney machte ein Vermögen. Als er Gouverneur von Massachusetts wurde, brachte er dieses Vermögen in eine Treuhandgesellschaft („blind trust“) ein. Den erheblichen Teil des Geldes übergab der Trust zur Verwaltung an Goldman. Heute wird Romney auf 250 Millionen Dollar geschätzt.

Daher ist es wenig erstaunlich, dass die Liste der Spender, die Romney bei seinem Angriff auf das Weiße Haus unterstützen, von Goldman angeführt wird: Die Mitarbeiter von Goldman spendeten nach Angaben der New York Times mindestens 367,000 Dollar (Stand September 2011). Damit ist Goldman der größte Einzel-Financier der Kampagne des republikanischen Kandidaten. Die Times schreibt, dass „keine andere Firma außer Bain Capital so eng mit dem öffentlichen und privaten Leben von Mitt Romney verflochten ist“.

Das macht sich natürlich auch bezahlt: Romney hat mehrfach die Rücknahme des sogenannten Dodd-Frank Akts gefordert, ein Gesetz, welches den Wall Street-Firmen eine stärkere Kontrolle auferlegen soll. Viele Unternehmen aus der Finanzindustrie haben sich daraufhin in die Liste der Spender für Romney eingetragen. Das Center for Responsive Politics hat ermittelt, dass Romney von keiner anderen Industrie mehr Geld erhalten hat als von der Finanzbranche.

Von seinem Gegner Newt Gingrich wurde Romney deshalb der Debatte in Florida auch beschimpft. Gingrich behauptete sogar, dass Romney über Goldman von den Zwangsräumungen in Florida im Zug der Immobilienkrise profitiert hat. Das stimmt nicht, denn das entsprechende Investment-Vehikel Litton Loan Servicing bereits im Vorjahr verkauft. Aber nicht immer kamen die „kleinen Leute“ bei Romney-Deals glimpflich davon. Gemeinsam mit Goldman stieg Bain Capital in den 90er Jahren beim Medizintechnik-Unternehmen Dade Behring ein. Kurz nach dem Einstieg verloren hunderte Mitarbeiter in Miami ihren Job.

Romney hat vor allem auch privat enorm von seiner Beziehung zu Goldman profitiert. Sein Trust und die Altersversorgung von Romney und seiner Frau sind mit 36,7 Millionen Dollar bei Goldman investiert. Jährlicher Gewinn: 3 Millionen Dollar. Auch Goldman hat profitiert: Viele der Aufträge von Bain wurden an Goldman vergeben, so auch der 800 Millionen Dollar schwere Buyout von Amerikas größtem Matratzenhersteller Sealy.

Romney wurde von der exklusiven Vermögensverwaltung von Goldman, bekannt als Goldman Sachs Capital Partners, betreut – und bekam auf diesem Weg Zugang zu Investments, von denen der normale Anleger nicht einmal weiß, dass es sie gibt. Sein Kundenbetreuer war der Chef persönlich, Jim Donovan. Donovan half Romney bei einer aggressiven Investitions-Strategie im Jahr 2002, bekannt unter dem Begriff „exchange fund“. Die Spezialität dieses Vehikels: steuerschonende Investments.

Die Steuererklärung zeigt auch, dass Romney in den Genuss von Privilegien gekommen ist, von denen andere Goldman-Kunden nur träumen können. Nachdem Romney im Jahr 1999 der Chef der Olympischen Spiele von Salt Lake City geworden war, bekam er 7.000 Aktien beim Börsengang von Goldman. Als Romney die Anteile im Jahr 2010 verkaufte, war er um 750.000 Dollar reicher. Wenig später erklärte er, dass er ein zweites Mal zum US-Präsidenten kandidieren will.

Nicht alles lief jedoch perfekt: Wie andere Goldman-Kunden investierte Romney auch in den hochspekulativen Whitehall-Fonds, der sich mit Gewerbeimmobilien, Kasinos und Hotels befasste. Einige Deals kollabierten, und auch Romney musste Verluste hinnehmen.

Die Goldman-Connection des möglichen nächsten Präsidenten der Vereinigten Staaten von Amerika zeigt, welche Dimensionen die Verflechtung der Investmentbank mit der Politik angenommen hat. Hank Paulson, Mario Monti und Mario Draghi – sie alle kommen von Goldman und haben den direkten Einstieg in die Politik geschafft (mit der sie eigentlich wenig anfangen können – mehr hier). Die Geschichte zeigt aber auch eines: Das Häuschen in Burgwedel, wegen dem Bundespräsident Christian Wulff täglich von den deutschen Medien geteert und gefedert wird, ist im internationalen Vergleich nicht der Rede wert.

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  1. David sagt:

    Alchemy für Anfänger:
    Wenn mann die Namen Gott und Geld vermischt erhällt mann Gold.

  2. Grauber sagt:

    Seitdem die Börsen von der Leine gelassen wurden, werden Staatsfinanzen von der Morlocks aufgesaugt – die Lebensarbeit derjenigen, dessen Kapital auf geleisteter Arbeit basiert, wird systematisch zerstört.

    Mr Romney sollte besser nicht Präsident werden und Mr Obama sollte es nicht bleiben dürfen.
    Die einzig, menschlich vernünftige Figur dieses “Theaters” heißt Ron Paul.
    Jemand der die FED entmachten will, der hat aber in einem Amerika der Banker keine Chance.

  3. bruno sagt:

    Und unsere Atomuboote!