Sarkozy kündigt höhere Mehrwertsteuer an

Um Frankreichs Arbeitsplätze zu sichern und den Wettbewerb anzukurbeln, plant Nicolas Sarkozy die Erhöhung der Mehrwertsteuer sowie die Kürzung der Arbeitgeberbeiträge zur Sozialversicherung.

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In einem Fernsehinterview am Sonntagabend gab Staatspräsident Nicolas Sarkozy bekannt, dass er weitere Steuern einführen werde, um die Wettbewerbsfähigkeit und die Wirtschaftsbilanz Frankreichs zu verbessern. Dem französischen Fernsehen erklärte er, er verfolge damit das Ziel, die Arbeitsplätze zu sichern und die französischen Produkte wettbewerbsfähiger zu machen. Dafür sieht Sarkozy eine Umverteilung der Sozialkosten vom Unternehmer zum Verbraucher vor. „Ich will, dass Frankreich ein Land der Produktion bleibt“, sagte Sarkozy im Fernseh-Interview. So will er die Arbeitgeberbeiträge zur Sozialversicherung reduzieren und die Mehrwertsteuer von 19,6 Prozent auf 21,2 Prozent anheben. Im gleichen Zuge versichert er, dass es keine Preiserhöhungen geben werde.

Darüber hinaus plant Sarkozy eine Lockerung der Arbeitsverträge, die den Arbeitgebern mehr Raum geben sollen, sich von den Zwängen der 35-Stunden-Woche zu lösen. Damit sollen Unternehmen die Möglichkeit haben sowohl Stunden als auch Löhne deutlich flexibler zu gestalten. Sarkozy ist sich sicher, es sei eine mächtiges Werkzeug, französische Arbeitsplätze zu sichern, die sonst zunehmend in kostengünstigere Länder verlagert würden.

Ökonomen sind skeptisch, ob die Umsetzung die erhofften Effekte zeigen werden, da sich viele Arbeitnehmer besser bezahlte Arbeit suchen würden, um ihre Kaufkraft wiederherzustellen. Vor allem aber ist zu erwarten, dass die Unternehmen die höhere Mehrwertsteuer an die Konsumenten weiter geben werden. Viele Unternehmen dürften die Mehrwertsteuer zum Anlass nehmen, die Preise zu erhöhen, weil sie selbst mit immer höheren Preisen der Lieferanten zu kämpfen haben (manche erwarten eine „bedrohliche Inflation bereits im Jahr 2012 – mehr hier).

Analysten halten diese Strategie – drei Monate vor der Präsidentschaftswahl – für ein riskantes Spiel, das Sarkozys Wiederwahl gefährden könnte. Zudem sei nicht sicher, ob seine Regierung noch genügend Zeit hätte, die Forderungen umzusetzen. Sein sozialistischer Herausforderer François Hollande – der in den Umfragen weiter zulegt – will Sarkozys geforderte Maßnahmen nicht umsetzen.

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Kommentare

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  1. Gerhard sagt:

    Mwst.-Erhöhung wirds bei uns auch bald geben, ist ja auch logisch,denn wie
    soll der ganze Wahnsinn sonst finanziert werden, oder glaubt jemand es wird
    bald Geld vom Himmel regnen oder Onkel Dagobert spendiert uns was ?

    Ich tippe mal auf 25% schrittweise in 1-3 Jahren, dazu Luxussteuer z.B.
    auf Autos,Motorräder,Fernseher,Laptops,Smartphones, usw. 30%.
    Ich erinnere mich an Zeiten mit 11% Mwst., wurde aber dann fast jedes Jahr
    um 1% erhöht, als der Staat erkannte, wie leicht und widerstandslos
    die Staatskassen auf diese Art zu füllen sind.

    Nicht nur die Mwst. wird steigen,sondern auch alle Anderen Steuern ,Abgaben
    und Gebühren,auch im erfinden von Neuen Steuern ist man hierzulande
    schon immer sehr einfallsreich gewesen!Nein,teurer wird deshalb ja nichts, haha

  2. BAF sagt:

    Der Angestellte Günstling wird nicht verhindern können, dass die Werte seiner Auftraggeber genommen werden.

    Wir sind viele.

  3. Munnie sagt:

    Frankreich !

    Willkommen in Hartz IV !

    Das haben wir alles schon durch. Es hat unser Volk unendlich bereichert – an Erfahrung.

    Da war doch vor einiger Zeit mal der Ausspruch von Merkel oder Sarkozy (weiß ich nicht mehr), dass Frankreich seine Sozialpolitik an Deutschland angleichen will. (Damit die Voraussetzungen für eine Zusammenlegung passen)

    Das hieße aber auch, dass hier in D die MwSt bald erhöht wird. Was ja auch zu erwarten ist bei dem hohen Geldbedarf demnächst.

  4. luther sagt:

    in F heißt Sarkozy „President Bling Bling“ und reichlich Franzosen sehen in ihm einen unseriösen Kasper. Mit den verkündeten Maßnahmen stehen die Chancen gut, daß er in der Versenkung verschwindet. Nichts gegen Frau Le Pen, aber für die SED Kaderesse würden harte Zeiten anbrechen, vermutlich weniger faule Tricks, dafür aber harte Argumente und mehr Rationalität

  5. harry seemann sagt:

    Und dieser „Ha, ha , ha …..Kanzler 2010“ wird auch noch als Vorbild präsentiert.
    Wachstum, Wachstum über alles, über alle Vernunft und die Welt hinaus.