Spanien ist schon in der Rezession angekommen

Im vergangenen Jahr ist die spanische Wirtschaft praktisch nicht mehr gewachsen. Auch für das erste Quartal 2012 sieht es schlecht aus. Kein Wunder, dass Premier Rajoy die EU um Hilfe bittet.

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Schon Ende vergangener Woche hat der spanische Premier Rajoy eine unbegrenzte Aufstockung der Rettungsfonds gefordert – „the bigger the better“. Wie wichtig eine solche Vergrößerung der Bailouts für Spanien ist, zeigen die aktuellen Wirtschaftsdaten des Landes. Im letzten Quartal des vergangenen Jahres ist das spanische BIP deutlich geschrumpft: um 0,3 Prozent im Vergleich zum Vorquartal. Dies teilte das nationale Statistikamt am Montag in Madrid mit. Der erste Rückgang seit Ende 2009. Bereits im dritten Quartal 2011 stagnierte die Wirtschaft im Quartalsvergleich. Im gesamten Jahr wuchs die spanische Wirtschaft lediglich um 0,7 Prozent.

Experten rechnen auch im ersten Quartal 2012 mit einem weiteren Rückgang des Wachstums. Die spanische Notenbank geht sogar für das gesamte Jahr 2012 von einem Minus von 1,5 Prozent aus. So würde Spanien die zweite Rezession innerhalb von weniger als drei Jahren durchleben. Die schlechte wirtschaftliche Situation spiegelte sich auch in den Arbeitslosenzahlen für Dezember: 5,3 Millionen Spanier waren ohne Arbeit (mehr hier). Das Downgrade durch Fitch (mehr hier) dürfte zudem die Refinanzierbarkeit der spanischen Schulden schwieriger machen und so weitere negative Auswirkungen auf Spaniens Wirtschaft haben.

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Kommentare

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  1. Sven sagt:

    Die Autonomo (Selbständig) Gebühren sind am 1.Januar 2012 von Euro 254 auf 274 MONATLICH ohne Vorankündigung gestiegen. Die Kosten einer Selbständigkeit und der damit verbundene Papierkrieg und Steuern machen plausibel warum Spanien in der Krise ist. Jeglicher Enthusiasmus wird nach der Eröffnung eines Geschäftes abgewürgt. Solange die neue Regierung nicht daran etwas verändert, wird Spanien nie aus der Krise kommen !

  2. Atreides sagt:

    Ein Beispiel dafür, warum Spanien nicht mehr so hohe Steuereinnahmen erzielt, ist vielleicht folgendes Beispiel:
    Heute auf einem Finanzamt in Alcobendas (bei Madrid), das für etwa 200.000 EInwohner zustándig ist. Letzter Tag für die Quartalssteuererklärungen und Jahreszusammenfassung für MwSt. Ein Schalter mit einem Beamten im 2. Stock eines vollkommen unzureichenden Gebäudes. Während bei anderen Finanzämtern noch Schalter für jede Steuerart vorhanden sind und man auch für besondere Fragen Schalter hat, war dort so etwas nicht möglich. Das EDV-System für elektronische Steuererklärungen funktioniert bei Quellensteuerjahreszusammenfassungen nicht, obwohl das Hilfsprogramm alles als in Ordnung angibt. Auf dem Finanzamt fragte ich bei der Auskunft, wo ich dazu hingehen kann. Antwort: Ah, keine Ahnung, da ist kein Schalter für EkSt. Mal im Internet nachsehen. So funktioniert die Steuerverwaltung in Spanien. Jedes Jahr sind die elektronischen Steuererklärungen komplizierter und es treten vermehrt Systemprobleme auf. Das Ergebnis von 8 Jahren sozialistischer Regierung.

  3. zeitraum sagt:

    Die Wirtschaft kann nicht endlos (exponentiell) wachsen – das weiß jedes Vorschulkind! Was die wenigsten wissen: ein auf Zins und Zinseszins fußendes Finanzsystem bedingt ein Wirtschaftswachstum… „… und am Ende werdet ihr feststellen, dass man Geld nicht fressen kann!“

  4. Heike sagt:

    Lieber Sven, welch tiefgründige und bewegende Einblicke die Kristallkugel, weltherrschaftlicher Poollpfleger auch geben möge, ist leider nicht mit dem Komentar:
    „Was man aber nicht liest ist, das in Spanien ganze Felder mit Orangen, Mandarinen, Mandeln, Oliven und Zitronen am Baum vergammeln da es niemanden gibt der diese abpflücken will.“, abzuwerten.
    Die Erntekosten, übersteigen in den meisten Fällen den eigendlichen Marktwert des Produktes. Vielleicht sollte mann lieber darüber diskutieren, wie man mit einem Stundenlohn von 3 – 4 €, seinen „Poolbauer“ am Ende eines entspannten Arbeitstags bezahlen soll.
    Viele „Bauern“ wären dankbar, wenn jemand die Früchte an ihren Bäumen gratis abflücken würde, damit sie ihnen nicht an den Bäume verrotten.

    • Sven sagt:

      @ Heike

      …..die Englaender nennen das „Pick your own“. Funktioniert ganz gut, besser wie vergammeln. Genau solche Ideen waren mit dem Esel- Mercedes Kommentar gemeint. Gut fuer manche halt zu hoch…….