Portugal: EZB löscht Brand am Anleihemarkt

Portugals Zinsen sanken bei der heutigen Auktion von kurzfristigen Anleihen. Die Käufe der EZB in den vergangenen Tagen zeigen Wirkung. Und mit dem Tender der EZB sind kurzfristige Papiere für Banken besonders attraktiv.

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Portugal verkaufte heute am Staatsanleihenmarkt kurzfristige Anleihen im Wert von 1,5 Milliarden Euro. Sowohl bei den sechsmonatigen als auch bei den dreimonatigen Anleihen sanken die Zinsen: Die Zinsen für Anleihen mit einer Laufzeit von sechs Monaten fielen von 4,74 Prozent auf 4,463 Prozent. Bei den dreimonatigen Anleihen wurden Zinsen von 1,068 Prozent fällig. Mitte Januar waren es noch 4,346 Prozent.

Die kurzfristigen Anleihen sind besonders für Banken interessant, mit dem 3-Jahres-Tender der EZB lassen sich hier kurzfristig Gewinne erzielen bzw. die eigenen Gelder gut anlegen (mehr hier). Der Interbankenmarkt ist für solche kurzfristigen Anlagen nicht mehr interessant, da die Banken einander zunehmend misstrauen (mehr hier). So haben bei der heutigen Auktion vermehrt Banken gekauft.

Hinzu kommt, dass die EZB in den vergangenen Tagen zunehmend in den Markt für portugiesische Anleihen eingegriffen hat. „Wir sehen sie (die EZB, Anm. d. Red) nur in kleinen Mengen kaufen, aber wir denken, die Auswirkungen sind signifikant“, äußerte sich ein Trader in der FT. „Wir haben das Gefühl, dass die Zentralbank über den raschen Anstieg der portugiesischen Zinsen besorgt ist“, weil eine schnelle Ansteckung anderer Anleihemärkte die Folge sein könnte.

Am Montag und Dienstag hat die EZB am Sekundärmarkt Anleihen gekauft, berichtete eine Quelle den Deutschen Mittelstands Nachrichten. Die EZB selbst nimmt keine Stellung dazu. So konnten die immens gestiegenen Zinsen für portugiesische Anleihen am Markt gesenkt werden. Die durchschnittliche Zinsrate für 10-Jahres-Anleihen fiel, nachdem die EZb den zweiten Tag in Folge eingegriffen hat, um 67 Basispunkte von 16,7 Prozent Anfang der Woche auf 14,26 Prozent, bemerkt die FT.

Da die Zinsen für Italien und Spanien derzeit fallen, kann sich die EZB entsprechend den spanischen Anleihen zuwenden und tut dies auch. So lohnen sich die Käufe von Anleihen vor allem für portugiesische Banken, da sie so davon ausgehen können, auch die neuen Anleihen an die EZB weiterzuverkaufen. Und gleichzeitig unterstützen sie dadurch die Schuldenfinanzierung ihres Landes.

Die stark steigenden Zinsen auf portugiesische Bonds, die die EZB durch Ankäufe zu unterbinden sucht, sind auf die schwierige Situation Portugals zurückzuführen. Portugal muss unter hohe Schulden von staatlichen Unternehmen refinanzieren (insgesamt 30 Milliarden Euro – mehr hier), die Wirtschaft befindet sich in einer Rezession und die Arbeitslosigkeit ist hoch. Die Märkte rechnen bereits fest mit eine Pleite Portugals (mehr hier).

Ein weiterer Unsicherheitsfaktor ist der geplante Schuldenschnitt in Griechenland. Seit Wochen streiten die unterschiedlichen Parteien über eine solche Handlung (mehr hier) . Zum Ende der Woche soll nun eventuell ein Ergebnis vorliegen. Bei einer Pleite Griechenlands wäre Portugal der nächste Kandidat. Und somit wäre auch hier ein Schuldenschnitt nicht auszuschließen.

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Kommentare

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  1. HEISENBERG sagt:

    Das gute an der ganzen Krise ist doch ein Funken Hoffnung zu sehen!Ich sehe diesen Funken in weiter Zukunft,dort wird man sich an die Fehler dieser Generation immer wieder erinnern.Niemals mehr lassen sich ganze Völker von Medien Ihre Meinung machen.Niemals wieder wird man einer Alternativlosikeit zustimmen.Niemals wieder wird man Politikern und Banken blind vertrauen.

  2. Georg sagt:

    Die EZB wird diesen ganzen Schrott aufkaufen. Bis auf den letzten Euro und ohne Rücksicht auf die langfristigen Folgen. Das kann alles nur im völligen Zusammenbruch des Geldsystems, wie wir es kennen, enden.

    • schlaumeister sagt:

      Billiger und ehrlicher wäre es die Milliarden gleich ohne Umwege
      über Banken, gleich mit Null % Zins auf den Markt zu kippen. Auf
      dass die Konjunktur blühe und gedeihe, Wirtschaftswachstum über
      alles, über alles auf der Welt! Inflation 20% und dann steigend,
      macht doch nichts, ist doch nur Papiermüll

  3. Anna1950 sagt:

    Ja so ist es, wenn man anfängt in Ordnungen einzugreifen, es wird zum Selbstläufer. Die Banken kaufen Staatsanleihen von den Ausschüttungen der EZB (so ist der Plan), statt es dem Mittelstand zukommen zu lassen. Dann verkaufen sie es wieder an die EZB. Diese hält immer mehr Schrottpapiere. Noch wehrt sich die EZB beim Schuldenschnitt für Griechenland, später Portugal, mitzumachen. Ist der ESM-Vertrag erstmal unterzeichnet, ändert sich wohl auch das. Dann muß Deutschland auch dort mit ca.27% aushelfen. Die ganzen Belastungen kommen dann an den Mittelstand zurück, durch erhöhte Forderungen und rückgängiger Kaufkraft. Dann fallen wieder Einnahmen für den Staat aus, der doch keine Schulden machen darf, also keine Konjunkturprogramme. Wodurch soll eigentlich die Wirtschaft in den maroden Ländern angekurbelt werden? Die sind doch schon Pleite. Ach ja, aus einem Fond! ….und wer zahlt da ein? Wir!

    • Autofokus sagt:

      Ja Anna1950, die Frage wird sich wohl sehr bald selbst beantworten. Der ESM, gegen der ohne bemerkenswerten Widerstand ratifiziert werden wird, ist ein Brandbeschleuniger sondergleichen.In der Euro-Zone gibt es immer weniger Mitgliedstaaten, bei welchen man, laut Vertrag, noch bedingungslos Geld in beliebig hohen Beträgen innert 7 Tagen abrufen werden kann.
      Das führt dazu, dass die gesamte Last die letzten einigermassen „wirtschaftlich gesunden“ Länder tragen müssen, vorbehaltslos, alternativlos.
      Danach sind alle sehr schnell pleite und können enteignet werden!
      Van Rompuy’s Botschaft:“Ein besseres Leben für alle.“
      Schauen Sie nach Griechenland: Verarmung, Verelendung, Entbehrungen, Arbeitslosigkeit etc. Die normalen Bürger kämpfen um ihre Existenz.
      Griechenland ist bald ÜBERALL !
      Die EUDSSR hat es bald geschafft, Europa wie geplant, ins totale Chaos zu stürzen.
      Die „Retter“ stehen schon in den Startlöchern bereit.
      Mein grösster Wunsch ist, ich möge unrecht haben.

    • Snadboy sagt:

      genauso siehts aus… leider