Eklat im Europarlament: Deutsch-britischer Schlagabtausch nach Nazi-Vergleich

Bei der Sitzung des EU-Parlaments spottete der Brite Nigel Farage über die deutsche Idee, einen Budget-Kommissar („Gauleiter“) nach Athen zu schicken. Der Grüne Bütikofer war empört. Präsident Martin Schulz sagte, jemand, der eine Fahne auf dem Schreibtisch stehen habe, sei Nationalist. Farage verließ wütend den Saal (Video).

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Im Europarlament in Straßburg ist es bei der Diskussion um die Griechenland-Rettung zu einem Eklat gekommen. Der britische Abgeordnete Nigel Farage spottete über das deutsche Ultimatum vom Wochenende und sagte, als er zuerst davon gehört habe, habe er gedacht, dies sei ein Witz. Er hätte nicht gedacht, dass die EU so tief sinken können. In typisch britischer Ironie sagte er, die Schlagzeilen vieler europäischer Zeitungen zitierend, dass dies so aussehe, als wollte Deutschland einen „Gauleiter“ nach Athen entsenden, der sich mit seinen Mitarbeitern in Griechenland niederlassen wolle.

Darauf protestierte der Grüne Abgeordnete Reihard Bütikofer heftig und forderte von Farage eine Entschuldigung. Farage säe Hass in Europa. Niemand habe jemals die Absicht, irgendwohin Gauleiter zu entsenden. Präsident Martin Schulz sagte darauf beiläufig, dass diejenigen Nationalisten seien, die ihre Fahne auf dem Schreibtisch oder am Revers zur Schau stellten.

Farage, der mit einer Deutschen verheiratet ist, verließ nach Angaben seines Sprechers den Saal aus Protest. Ihm droht nun eine Ordnungsstrafe, wenn Schulz ihn wegen der Aussagen belangen sollte.

Die Auseinandersetzung ist ein weiterer Beleg dafür, dass der Ton in Europa schärfer wird. Farage, der bekannt für seine pointierten Aussagen ist, hatte in seinem Statement jedoch auf einige Dinge hingewiesen, die in der Nazi-Debatte untergingen: Er sagte, dass das griechische Volk nicht eine Tochtergesellschaft eines internationalen Konzerns sei, zu der wegen Missmanagements die Zentrale nun die Revision schicken müsse. Die Griechen seien eine Nation mit ihrem eigenen „Stolz und einer Seele“. Die Tatsache, dass Zeitungen auf der Welt die Deutschen als Nazis verspotteten und dass deutsche Zeitungen umgekehrt die Italiener als feige und die Griechen als faul beschimpften, zeige, dass das Projekt der EU Hass und Zwietracht unter den Völkern geschürt habe – und nicht, wie eigentlich intendiert, „Frieden und Harmonie“.

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Kommentare

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  1. besorgter Rentner sagt:

    wann wird Herr Schulz wohl ein Bekenntnis abgeben, das ungefähr so lauten könnte:

    ….den schwierigen Prüfungsfragen zum Abitur bin ich aus dem Weg gegangen, jetzt bin ich aber als Präsident einer der wenigen die in Europa den richtigen Weg aus der Krise gefunden haben……

    Der letzte deutsche Weltversteher, dem die Macht gegeben wurde Europa zu ruinieren war wahrscheinlich auch schon mit dem Abitur überfordert.
    Macht es einen Unterschied ob unsere „Entscheidungsträger“ eine Ausbildung zum Buchhändler, Buchdrucker oder Anstreicher erhielten?…..

    … wichtiger sind offenbar Visionen und die Fähigkeit Menschen zu beeindrucken.

    Dazu fällt mir nur der nette Spruch ein:

    „Wissen ist Macht, aber nichts wissen macht auch nichts“!!!

    Motto des Tages:
    Steuergelder gegen den Rat der Wissenschaftler weiterhin sinnlos ausgeben…
    weiter marschieren auf Parteikurs, bis alles in Scherben fällt……..

    Quellen
    ZDF Sendung und Internet http://de.wikipedia.org/wiki/Martin_Schulz:
    „Nach dem vierjährigen Besuch der Grundschule zwischen 1962 und 1966 besuchte Schulz neun Jahre das Heilig-Geist-Gymnasium im Broichweidener Ortsteil Broich (heute Würselen) und verließ es ohne Abitur. Danach machte er von 1975 bis 1976 eine Ausbildung zum Buchhändler……“